Dessous-Werbekampagne: Kein Sex bitte, wir sind französisch

Eine Werbekampagne für Strings der Marke "Sloggi" erhitzt in Frankreich die Gemüter: Weil die abgebildeten Damen nur spärlich bekleidet sind, fühlen sich Frauen in ihrer Ehre verletzt. Die Werbeindustrie zittert nun vor einer künftigen Zensur durch den Staat.

Sloggi-Werbeanzeige: "Die Frauen haben es satt, wie Ware behandelt zu werden"

Sloggi-Werbeanzeige: "Die Frauen haben es satt, wie Ware behandelt zu werden"

Paris - Die Plakate der Dessousmarke Sloggi, die zum Triumph-Konzern gehört, zeigt unter dem Motto "It's string time!" die leicht bekleideten Kehrseiten junger Damen - die nichts weiter als einen G-String-Slip tragen. Das ist für die Franzosen zuviel: In einem ungewöhnlichen Schritt rügte das Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft die Motive und rief den Hersteller Triumph dazu auf, die Kampagne zurückzuziehen.

Hintergrund: Die französische Werbewirtschaft befürchtet, dass die freizügige Werbung die Regierung derart provozieren könnte, dass diese den Alptraum der Branche wahr machen könnte - nämlich das Selbstregulierungssystem durch eine staatliche Kontrolle zu ersetzen, die mit Hilfe von Regularien und Gesetzen bestimmen würde, was Werbung darf und was nicht.

"Das Problem in den Sloggi-Anzeigen ist der Zusammenhang mit dem Reizthema Strip-Tease", sagt Joseph Besnainou, der als Chef der BVP Öffentlichkeitsarbeit für die Werbeindustrie macht. Die Sloggi-Kampagne schade dem Image von Werbung außerordentlich.

Bislang weigert sich Triumph, die Werbung zurückzuziehen. Marie-Laure Nordmann von Triumph International sagte dem Fernsehsender "France 2", die Kampagne habe alle Arten von Reaktionen hervorgerufen. Unter anderem seien Frauen gewissen Alters begeistert, weil sie die Marke seit 25 Jahren trügen und sie die Dessous endlich ihren Enkelinnen schenken könnten.

Die Begeisterung teilen jedoch längst nicht alle: Vertreterinnen feministischer Gruppen kritisierten, das Werbemotiv stelle die Frauen als Sexobjekte dar. Die franzöische Gleichstellungsstaatssekretärin Nicole Ameline sagte der konservativen Tageszeitung "Le Figaro", sie könne die Aufregung über die Kampagne gut verstehen.

"Die Frauen haben es satt, wie Ware behandelt zu werden", sagte die frühere Familienministerin Segolene Royal: "Wir haben genug davon, dass die Kinder auf offener Straße mit Bildern konfrontiert werden, die sie verletzen und schockieren."

Die Sloggi-Kampagne sorgte auch in der Schweiz für Proteste, wo Frauenorganisationen gegen die ihrer Meinung nach sexistischen Plakate Front machten.

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