Deutsch-russische Allianz Mehdorn soll Bahn-Deal in Moskau einfädeln

Er ist nicht mehr im Amt - aber im Auftrag der Bahn unterwegs: Ex-Konzernchef Mehdorn hält sich zusammen mit seinem Nachfolger Grube in Moskau auf. Das Ziel: eine enge Zusammenarbeit mit der russischen Staatsbahn. Deren Präsident plant einen Einstieg bei den Deutschen.


Moskau - Die Deutsche Bahn strebt eine engere Zusammenarbeit mit der russischen Staatsbahn RZD an. Der neue Bahn-Chef Rüdiger Grube hielt sich am Donnerstag zu Gesprächen mit der russischen Seite in Moskau auf. Grube sagte der Nachrichtenagentur dpa, es gebe eine "Reihe von Ideen" für einen Ausbau der Zusammenarbeit. Als Beispiel nannte er das Frachtgeschäft von China über Russland nach Europa.

Eisenbahn im Ural: "Im Moment kein Thema"
REUTERS

Eisenbahn im Ural: "Im Moment kein Thema"

Auf Spekulationen, wonach zwischen beiden Bahnen eine Überkreuzbeteiligung möglich wäre, ging er nicht näher ein. "Das ist im Moment kein Thema", sagte Grube.

Bei dem Besuch wurde Grube von seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn begleitet. Mehdorn hat offiziell alle Ämter bei der Deutschen Bahn niedergelegt, offenbar ist er aber noch beratend für seinen Nachfolger tätig. Die Zusammenarbeit mit Russland war schon zu Mehdorns Zeiten ein wichtiges Anliegen der Konzernführung.

Auf dem Moskauer Besuchsprogramm stand am Donnerstag auch ein Treffen mit dem Präsidenten der russischen Staatsbahn, Wladimir Jakunin. Der Konzernchef hatte zu Beginn der Woche erneut sein Interesse an einer Beteiligung bei der Deutschen Bahn deutlich gemacht. "Früher oder später werden unsere Unternehmen als Co-Eigentümer zusammenwirken", sagte er der "Financial Times Deutschland". Mit anderen Worten: Die russische Seite plant eine Überkreuzbeteiligung. Das heißt, dass die Russen Anteile an der Deutschen Bahn erwerben wollen, die ihrerseits Anteile an der RZD erhalten soll.

Ursprünglich wollte die RZD beim geplanten Börsengang der Deutschen Bahn rund fünf Prozent der Anteile übernehmen. Da die Deutschen den Zeitplan wegen der Finanzkrise nicht einhalten konnten, sind nun offenbar andere Optionen im Gespräch.

Der russische Eisenbahnmarkt gilt als der größte Europas. Auf dem 85.000 Kilometer langen Schienennetz werden jährlich 1,3 Milliarden Fahrgäste und 1,3 Milliarden Tonnen Fracht befördert. Die RZD steckt allerdings in finanziellen Schwierigkeiten. Bis zum Jahresende wird sie nach eigenen Angaben einen Schuldenberg von 7,2 Milliarden Euro anhäufen. Wegen der Wirtschaftskrise musste das Unternehmen rund 250.000 Beschäftigte in unbezahlten Urlaub schicken. Die RZD ist mit 1,2 Millionen Mitarbeitern Russlands größter Arbeitgeber.

wal/dpa/Reuters



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Seite 1
EineStimme, 31.05.2009
1. Kein Börsengang
Das die Bahn marktwirtschaftlich geführt wird, dagegen ist nichts einzuwenden. Die Bahn ist aber mehr als nur ein Transportunternehmen, sie ist auch ein wichtiger Teil der Infrastruktur. Eine Privatisierung würde viele Regionen von dem Bahnnetz abkoppeln. Dies kann sich Deutschland nicht leisten.
OlafKoeln, 31.05.2009
2. Nein !
Zitat von EineStimmeDas die Bahn marktwirtschaftlich geführt wird, dagegen ist nichts einzuwenden. Die Bahn ist aber mehr als nur ein Transportunternehmen, sie ist auch ein wichtiger Teil der Infrastruktur. Eine Privatisierung würde viele Regionen von dem Bahnnetz abkoppeln. Dies kann sich Deutschland nicht leisten.
Falsch! Die Bahn darf (und kann) nicht marktwirtschaftlich geführt werden - weil sie defacto eine Monopolstellung hat (auf Grund Schienennetz etc.). Die Bahn muß wirtschaftlich geführt werden - Ja, wenn das nicht heißt, dass sie eine Gewinnmaximierung betreibt. Die Bahn hat vor allen Dingen einen gesamtgesellschaftliche Auftrag. Der ist nicht immer direkt verrechenbar, aber unbedingt notwendig. Aus dem Grund ist ein Börsengang unbedingt abzulehnen. Den Aktionären wird - aus nachvollziehbaren Gründen - alle Aufgaben, die nicht direkt abrechenbar sind bzw. Aufgaben, welche abrechenbar sind, aber keinen Gewinn abwerfen - herzlich egal sein. Wie weltweit an unzähligen Beispielen nachvollziehbar hat eine Privatisierung eines staatlichen Bahnunternehmens NIE zu Vorteilen für das Gemeinwesen (und der Bahn selber) geführt. Man schaue sich nur den Zustand der Bahn in den USA oder in GB an - das sollte Warnung genug sein.
huebi, 31.05.2009
3. Shareholdervalue
Der SHV wirds schon richten. Die Schweinetransporter ... sorry... Pendlerzüge werden noch weniger attraktiv, gleichzeitig natürlich teurer. Am besten gleich die ganzen Sitze raus, passen noch mehr Sardinen rein. Fokussierung nur noch auf Strecken mit mehr als 25% Rendite, alles andere nur noch Alibistrecken. Die Bahn ist volkswirtschaftlich zu führen, nicht marktwirtschaftlich.
joselito 31.05.2009
4.
Zitat von OlafKoelnFalsch! Die Bahn darf (und kann) nicht marktwirtschaftlich geführt werden - weil sie defacto eine Monopolstellung hat (auf Grund Schienennetz etc.). Die Bahn muß wirtschaftlich geführt werden - Ja, wenn das nicht heißt, dass sie eine Gewinnmaximierung betreibt. Die Bahn hat vor allen Dingen einen gesamtgesellschaftliche Auftrag. Der ist nicht immer direkt verrechenbar, aber unbedingt notwendig. Aus dem Grund ist ein Börsengang unbedingt abzulehnen. Den Aktionären wird - aus nachvollziehbaren Gründen - alle Aufgaben, die nicht direkt abrechenbar sind bzw. Aufgaben, welche abrechenbar sind, aber keinen Gewinn abwerfen - herzlich egal sein. Wie weltweit an unzähligen Beispielen nachvollziehbar hat eine Privatisierung eines staatlichen Bahnunternehmens NIE zu Vorteilen für das Gemeinwesen (und der Bahn selber) geführt. Man schaue sich nur den Zustand der Bahn in den USA oder in GB an - das sollte Warnung genug sein.
die Diskussion kann hiermit beendet werden, "OlafKoeln" hat alles (richtig) gesagt. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen !
Gast100100, 31.05.2009
5.
Zitat von OlafKoelnFalsch! Die Bahn darf (und kann) nicht marktwirtschaftlich geführt werden - weil sie defacto eine Monopolstellung hat (auf Grund Schienennetz etc.). Die Bahn muß wirtschaftlich geführt werden - Ja, wenn das nicht heißt, dass sie eine Gewinnmaximierung betreibt. Die Bahn hat vor allen Dingen einen gesamtgesellschaftliche Auftrag. Der ist nicht immer direkt verrechenbar, aber unbedingt notwendig. Aus dem Grund ist ein Börsengang unbedingt abzulehnen. Den Aktionären wird - aus nachvollziehbaren Gründen - alle Aufgaben, die nicht direkt abrechenbar sind bzw. Aufgaben, welche abrechenbar sind, aber keinen Gewinn abwerfen - herzlich egal sein. Wie weltweit an unzähligen Beispielen nachvollziehbar hat eine Privatisierung eines staatlichen Bahnunternehmens NIE zu Vorteilen für das Gemeinwesen (und der Bahn selber) geführt. Man schaue sich nur den Zustand der Bahn in den USA oder in GB an - das sollte Warnung genug sein.
Die Bahn hat keinen gesamtgesellschaftlichen Auftrag, sonst würde die Politik nicht so massiv jeden 7. Arbeitsplatz unterstützen wie in der Automobilindustrie (Siehe Opel). (...) Man schaue sich nur den Zustand der Bahn in Japan an - das sollte Vorbild genug sein.
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