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Deutsche-Bahn-Affäre: Konzernrichtlinie belastet Mehdorn

Bahn-Chef Mehdorn sieht sich im Zusammenhang mit der internen Ausspäh-Aktion neuen Vorwürfen ausgesetzt. Die in der Datenaffäre der Bahn ins Zwielicht geratene Konzernrevision ist nach SPIEGEL-Erkenntnissen weit enger an den Vorstand angebunden gewesen als bislang bekannt.

Eine interne Richtlinie über "Ziele, Aufgaben, Kompetenzen" der Abteilung, die dem verkehrspolitischen Sprecher der FDP, Horst Friedrich, zugespielt wurde, lässt es kaum noch glaubhaft erscheinen, dass Bahn-Chef Hartmut Mehdorn von den Ausspäh-Aktionen in seinem Unternehmen nichts gewusst habe.

Hartmut Mehdorn (im August 2008): Wie viel wusste der Bahnchef von den Umtrieben seiner internen Revision?
DDP

Hartmut Mehdorn (im August 2008): Wie viel wusste der Bahnchef von den Umtrieben seiner internen Revision?

In der Konzernrichtlinie 166.0101 heißt es: "Die interne Revision handelt im Auftrag des Konzernvorstandes." Die Abteilung "erstellt jährlich ein Revisionsprogramm, das der Genehmigung durch den Konzernvorstand bedarf."

Darüber hinaus berichte der Leiter der Revision "dem Vorsitzenden des Konzernvorstandes über Revisionsergebnisse von besonderer Bedeutung". Prüfungen sind laut dem Dokument "grundsätzlich schriftlich anzukündigen".

Friedrich bewertet die Beteuerungen der Bahn, Mehdorn habe von den Spitzeleien nichts gewusst, daher als "glatte Lügen". Auch die Gewerkschaften stehen nicht mehr vorbehaltlos zu ihrem Vorstandschef. "Selbst wenn der Vorstand über Methoden und Umfang der Untersuchungen der internen Revision nicht informiert war", so Transnet-Chef Alexander Kirchner, müsse er "die Verantwortung übernehmen", zumal sich die Vorgänge "fast über ein Jahrzehnt hingezogen haben".

Zusätzlicher Ärger droht Mehdorn auch von zwei FDP-Bundestagsabgeordneten: Patrick Döring und Gisela Piltz berichten, dass ihnen ICE-Zugchefs unabhängig voneinander und zu verschiedenen Zeitpunkten versichert hätten, sie seien angehalten, Bahn-Mitarbeiter, die sich kritisch über den Konzern äußerten, an die Zentrale "zu melden".

Sowohl Döring als auch Piltz waren zuvor irrtümlich für Bahn-Mitarbeiter gehalten worden wegen ihrer Freitickets, über die Abgeordnete ebenso verfügen wie Bahn-Bedienstete.

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