Deutsche Bahn Daimler-Manager Grube soll Mehdorn-Nachfolger werden

Der Nachfolger für den zurückgetretenen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn scheint gefunden: Nach Angaben aus Regierungskreisen ist Daimler-Manager Rüdiger Grube klarer Favorit für den Posten. Allerdings stehe die endgültige Entscheidung noch aus.


Berlin - Die Bundesregierung hat sich offenbar auf einen Nachfolger für den zurückgetretenen Bahn-Chef Hartmut Mehdorn geeinigt: Dem Vernehmen nach soll Daimler-Vorstand Rüdiger Grube künftig den Konzern leiten.

Daimler-Vorstand Grube: Mehdorn-Vertrauter als Favorit für die Nachfolge
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Daimler-Vorstand Grube: Mehdorn-Vertrauter als Favorit für die Nachfolge

Koalitionskreise bestätigten SPIEGEL ONLINE, dass Grube als "heißer Favorit" gelte. Eine mit dem Vorgang vertraute Person sagte der "Financial Times Deutschland", der Daimler-Vorstand werde "mit 80-prozentiger Sicherheit" von der Regierung vorgeschlagen.

Am Dienstagabend hatte sich eine Ministerrunde im Bundeskanzleramt unter Leitung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Vizekanzler Frank-Walter Steinmeier (SPD) darauf verständigt, dass der neue Bahnchef keine Übergangslösung sein und den bundeseigenen Konzern wie bisher alleine führen solle.

Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE waren am Ende der Gespräche noch drei Kandidaten im Rennen, die allesamt nicht als Übergangskandidaten einzustufen seien: Neben Grube wurde Fraport-Chef Wilhelm Bender genannt, bei dem dritten Kandidaten soll es sich um Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller oder den ehemaligen Politiker und Energiemanager Alfred Tacke handeln. Grube soll in diesem Kreis eindeutig der Favorit sein. Die Einigung sei aber noch nicht perfekt, hieß es aus Koalitionskreisen.

Unklar ist auch, wer Grube ins Spiel brachte. Die "Financial Times Deutschland" berichtet, Grube sei von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) vorgeschlagen worden. Steinmeier habe mit der Erfahrung des 57-jährigen Managers in der Führung eines großen Konzerns argumentiert, hieß es. Als Verwaltungsratschef des europäischen Rüstungskonzerns EADS sei Grube zudem mit den Besonderheiten politisch dominierter Unternehmen vertraut - und damit auch für den Job an der Bahn-Spitze geeignet.

Nach Informationen der "Bild"-Zeitung hatte dagegen Bundeskanzlerin Angela Merkel den 57-Jährigen als neuen Bahn-Chef vorgeschlagen. Grube gilt auch als Vertrauter des noch amtierenden Konzernchefs Hartmut Mehdorn: Er arbeitete ebenfalls für das EADS-Vorgängerunternehmen Dasa, dessen Vorstand Mehdorn war. Vor seinem Wechsel zu Daimler war Grube Assistent von Mehdorn.

Das Bundesverkehrsministerium wollte sich auf Nachfrage nicht zu der Personalie äußern. Daimler erklärte, es handele sich um "reine Spekulationen". Zeitweise hatten auch Vermutungen über eine Doppelspitze die Runde gemacht. Demnach hätte ein Chef die Konzernleitung und ein anderer Top-Manager die Verantwortung für das Transportgeschäft übernommen.

Die Nachfolge soll noch in dieser Woche geregelt werden, bekräftigte Vizeregierungssprecher Thomas Steg am Mittwoch vor Journalisten in Berlin. "Es ist klar, dass es eine möglichst schnelle und überzeugende Lösung geben soll." In der Nachtsitzung der Minister sei ein Anforderungsprofil für die künftige Spitze des Staatskonzerns festgelegt worden. Ein Beschluss über die Person sei in der Runde aber noch nicht gefasst worden.

An der Sitzung nahmen außer Merkel und Steinmeier auch die Minister für Verkehr, Finanzen und Wirtschaft, Wolfgang Tiefensee (SPD), Peer Steinbrück (SPD) und Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) sowie Kanzleramtschef Thomas de Maizière (CDU) teil.

Tiefensee sagte am Dienstag zu den Auswahlkriterien: "Wir brauchen jemanden, der stark ist, der hohe Fachkompetenz besitzt, der mit der Mitarbeiterschaft gut umgehen kann und der vor allem dieses Unternehmen mit der Politik zusammen durch eine schwierige Wirtschafts- und Finanzkrise führen kann."

Jetzt sollten in enger Abstimmung mit Bahn-Aufsichtsratschef Werner Müller die "entscheidenden letzten Gespräche geführt" werden, sagte Steg. Der Kreis derjenigen, die dem Anforderungsprofil entsprechen, bei "deutlich kleiner" als die Vielzahl der öffentlich gehandelten Namen.

Als Nachfolger von Mehdorn wurde öffentlich zuletzt über den amtierenden Aufsichtsratschef Müller, 62, spekuliert, aber auch über den Chef des Frankfurter Flughafens Fraport, Wilhelm Bender, 64, der seinen bisherigen Posten offensichtlich Ende August aufgeben wird, weil er dann die Altersgrenze 65 erreicht hat.

Als Kandidat genannt wurde auch der ehemalige Politiker und Energiemanager Alfred Tacke, 57. Er saß bis Ende 2008 im Vorstand der Essener Evonik AG. In der Regierung von Gerhard Schröder (SPD) war er beamteter Staatssekretär im Wirtschaftsministerium und galt als enger Berater des Kanzlers.

Bei der Bahn gilt nach den Grundsätzen für gute Unternehmensführung (Corporate Governance) für Vorstandsmitglieder die generelle Altersgrenze von 65 Jahren. Für den 66 Jahre alten Mehdorn wurde bei seiner jüngsten Vertragsverlängerung eine Ausnahme gemacht.

Unklar ist, wie lange Mehdorn noch im Amt bleiben wird. Mit Blick auf mögliche Abfindungszahlungen an Mehdorn, dessen Vertrag noch bis Mai 2011 läuft, sagte Steg, gerade für ein bundeseigenes Unternehmen bestehe "ein Gebot zum Maßhalten". Es bleibe aber dabei, dass Mehdorn eine "außerordentlich positive" Gesamtbilanz vorzuweisen habe.

mik/kaz/vme/phw/dpa/AP

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