Deutsche Bahn Lokführer wollen Freitag nur stundenweise streiken

Der Lokführerstreik am Freitag könnte schnell wieder vorbei sein: Laut Gewerkschaft GDL ist vorerst nur vorgesehen, mehrere Stunden die Arbeit niederzulegen. Die GDL hat inzwischen allen 121 Arbeitsgerichten im Land eine Schutzschrift vorgelegt, um Klagen der Bahn AG vorzubeugen.


München - Eigentlich wollte die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) noch keine konkreten Angaben zur Dauer des Streiks machen, doch jetzt hat ihr Anwalt Ulrich Fischer doch etwas verraten: Die für Freitag angekündigte Arbeitsniederlegung sei gerechtfertigt und verhältnismäßig, sagte er im Bayerischen Rundfunk. Schließlich handele es sich nur um einen befristeten Streik von zunächst einem Tag, der hoffentlich reichen werde, um die Deutsche Bahn zum Einlenken zu bewegen.

Trotzdem geht die GDL auf Nummer sicher und stellt sich auf eine juristische Auseinandersetzung ein. Fischer rechnet nach eigenen Angaben damit, dass die Bahn an verschiedenen Gerichten versuchen wird, die Streiks mit einstweiligen Verfügungen zu verhindern. Dazu hat die Gewerkschaft bereits eine Schutzschrift an alle 121 Arbeitsgerichte in Deutschland verschickt. Mit dem 67 Seiten umfassenden Papier will die GDL erreichen, dass sie rechtzeitig vor möglichen Entscheidungen rechtliches Gehör findet.

Im August hatte zuletzt das Arbeitsgericht Nürnberg Streiks der Lokomotivführer untersagt. Erst danach kam es zur Wiederaufnahme der Tarifverhandlungen.

"Es ist nur von einem befristeten Streik die Rede, und das zeigt, mit welchem Fingerspitzengefühl, mit welchem Prinzip der Verhältnismäßigkeit seitens der GDL an die Sache herangegangen wird", sagte Anwalt Fischer in dem Hörfunkinterview. Der Gewerkschaft sei klar, dass gerade im Verkehrswesen Streiks mit besonderem Verantwortungsgefühl durchgeführt werden müssten.

Auch am Freitag selbst soll der Arbeitskampf eher moderat ausfallen. So will die GDL nicht den ganzen Tag lang streiken. Es werde "kein 24-Stunden-Streik" sein, sagte ein Gewerkschaftssprecher in Frankfurt. "Wir wollen ein Zeichen setzen, danach ist der Arbeitgeber am Zug."

Sollten weitere Aktionen notwendig sein, würden diese voraussichtlich erst in der kommenden Woche stattfinden. "Wir werden nicht am Wochenende weiterstreiken", kündigte der Sprecher an. Wann der Ausstand am Freitag beginnt und wie lange er dauern wird, will die GDL am Donnerstag bekanntgeben.

Scharfe Kritik an der Haltung der GDL äußerten die konkurrierenden Bahngewerkschaften. Der stellvertretende Vorstandschef der Tarifgemeinschaft aus Transnet und GDBA, Heinz Fuhrmann, sagte im Deutschlandradio Kultur, das Moderatorenverfahren in dem Tarifkonflikt sei an der Sturheit der Lokführergewerkschaft gescheitert. Die GDL trage die Schuld an der Zuspitzung.

"Diesen Showdown, den hat die GDL gewollt, vor allen Dingen ihr Vorsitzender", sagte Fuhrmann, der auch stellvertretender Vorsitzender der GDBA ist. Er sprach von einer unseriösen Politik der GDL-Führung. Jetzt zu streiken, halte er für unvernünftig. Man könne einen Arbeitgeber nicht erpressen, sondern müsse auch eine gewisse Kompromissbereitschaft haben. Fuhrmann appellierte an die GDL, an den Verhandlungstisch zurückzukehren.

Deren stellvertretender Vorsitzender Günther Kinscher warf der Bahn dagegen im Hörfunksender WDR 5 vor, das Ergebnis der Moderatorenrunde mit den CDU-Politikern Kurt Biedenkopf und Heiner Geißler "völlig ignoriert" zu haben. Die Lokführergewerkschaft sei kompromissbereit gewesen.

Politiker fordern derweil eine schnelle Einigung. "Ich appelliere eindringlich an die Tarifparteien, den Gesprächsfaden nicht abreißen zu lassen", sagte Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD).

Der Vorsitzende der Länderverkehrsministerkonferenz, Karl-Heinz Daehre (CDU), wies auf mögliche volkswirtschaftliche Schäden durch einen Streik bei der Bahn hin. "Es kann nicht sein, dass wir die Volkswirtschaft über Wochen hinaus schädigen." Daehre sprach sich dafür aus, politischen Druck auf beide Seiten auszuüben, damit es zu einer Einigung in dem Tarifkonflikt kommt.

wal/AP/dpa/Reuters



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