Deutsche-Bank-Hauptversammlung Ackermann verteidigt Renditeziel gegen Politikerkritik

Eigenlob von Josef Ackermann: Auf der Hauptversammlung preist der Deutsche-Bank-Chef sein Institut als Krisengewinner - und kämpft für sein umstrittenes 25-Prozent-Rendite-Ziel. Doch eine Ausspäh-Affäre und Machtkämpfe in der Führung belasten die Feierstimmung.


Hamburg/Frankfurt am Main - Josef Ackermann strotzt vor Kraft: Auf der Hauptversammlung der Aktionäre hat der Deutsche-Bank-Chef das umstrittene Ziel einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent mit Nachdruck verteidigt . "Diese Rendite erreichen wir nicht, wie manche behaupten, weil wir übermäßige Risiken eingehen", sagte er am Dienstagmorgen in Frankfurt am Main. Sie werde erzielt, "weil wir ein überzeugendes Geschäftsmodell und eine starke Marktposition haben".

Banker Ackermann: Zuversicht für 2009
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Banker Ackermann: Zuversicht für 2009

Es sollte ein Grund zur Freude sein, wenn der Branchenprimus in Zeiten der Krise Gewinn erwirtschafte und so auch Arbeitsplätze sichere, lobte sich Ackermann weiter. "Für die Deutsche Bank, als der größten Bank Deutschlands, der größten Volkswirtschaft Europas und einer der größten der Welt, sollte es selbstverständlich sein, zu dieser Weltspitze zu gehören." Er sei froh, dass die Deutsche Bank nicht um Staatshilfe habe bitten müssen.

Politiker und Wettbewerber hatten zuvor kritisiert, Ackermann solle sein Renditeziel in Krisenzeiten herunterschrauben. Der Deutsche-Bank-Chef trage eine Mitverantwortung für die Verfolgung überzogener Renditeziele, hatte der SPD-Fraktionsvize Joachim Poß gesagt. Auch der finanzpolitische Sprecher der Union, Otto Bernhardt, hatte Ackermanns Ziel als "falsches Signal" bezeichnet.

Für 2009 zeigte sich Ackermann zuversichtlich. Zwar werde auch dieses Jahr nicht einfach, doch die erfreuliche Entwicklung des Jahresanfangs habe sich im zweiten Quartal fortgesetzt, sagte Ackermann. Das Institut hatte in den ersten drei Monaten einen Milliardengewinn verzeichnet.

Doch Ackermanns umfassendes Eigenlob hat einen schalen Nachgeschmack: Denn die Hauptversammlung der Deutschen Bank ist gleich von mehreren Problemen überschattet.

Zum einen plagt das Institut eine Datenaffäre. Bereits am Freitag hatte die Deutsche Bank mitgeteilt, wegen möglicher Verstöße gegen interne Vorgaben der Konzernsicherheit "eine renommierte Anwaltssozietät mit einer unabhängigen Untersuchung beauftragt" zu haben. Mehr wollte man bei dem Kreditinstitut nicht sagen - doch inzwischen ist klar: Die Deutsche Bank Chart zeigen hat Mitarbeiter gezielt ausgespäht - angeblich sogar bis hinauf in den höchsten Führungszirkel.

Nach Informationen des SPIEGEL kam es vor mehreren Jahren im Dunstkreis des Vorstandes zu Bespitzelungsaktionen mit Hilfe von "technischen Mitteln". Dabei sei das Umfeld mehrerer Personen ausgeforscht worden. Im Gegensatz zu den Datenaffären bei der Bahn und der Deutschen Telekom Chart zeigen seien aber weder alle Mitarbeiter noch Journalisten und Aufsichtsräte betroffen, schreibt das "Handelsblatt" unter Berufung auf Unternehmenskreise.

Aktionärsvertreter forderten von Ackermann Klarheit. Es müsse offengelegt werden, was Vorstand und Aufsichtsrat von möglichen Spitzelaktionen gewusst hätten, sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz am Dienstag auf der Hauptversammlung in Frankfurt: "In wessen Verantwortung fällt ein etwaiger Bespitzelungsskandal?" Nieding forderte personelle Konsequenzen, wenn die Prüfungen ein entsprechendes Fehlverhalten ergäben.

Ackermann selbst kündigte bei möglichen Verstößen "null Toleranz" an. "Wann immer wir Verstöße jedweder Art feststellen, wird sofort und konsequent gehandelt, um eine Wiederholung zu verhindern", sagte er - allerdings ohne Einzelheiten zu nennen.

Affäre bringt Börsig weiter unter Druck

Neben Ackermann steht vor allem Aufsichtsratschef Clemens Börsig im Mittelpunkt der Affäre. Gerade für ihn könnten mögliche Enthüllungen einen "Reputationsschaden" bedeuten, munkelt man in Frankfurter Finanzkreisen. Tatsächlich dürfte es kein Zufall sein, dass die Affäre ausgerechnet wenige Tage vor der Hauptversammlung publik wurde.

Denn Unklarheiten über die Motive des Aufsichtsratschefs überschatten die Hauptversammlung zusätzlich: Ende April war bekanntgeworden, dass er sich selbst als Nachfolger für Ackermann ins Spiel gebracht hatte. Nach einem internen Machtkampf wurde Ackermanns Vertrag überraschend bis 2013 verlängert - Börsig selbst blitzte bei den übrigen Aufsichtsratsmitgliedern ab. Seitdem wird über seinen Rücktritt an der Spitze des Kontrollgremiums spekuliert.

Dazu könnte das Bekanntwerden der Datenaffäre beitragen - denn sie setzt die Deutsche Bank auch extern unter Druck: Hessens oberste Datenschützerin Renate Hillenbrand-Beck forderte im "Handelsblatt", dass die Bank spätestens bis übernächste Woche einen schriftlichen Bericht zu der Datenaffäre vorlegen solle. Sollte sich der Skandal ausweiten, wolle man den Bericht früher haben, sagte sie.

Dazu kommt: Aktionärsvertreter wollen die Position Börsigs und das Verhältnis zwischen Aufsichtsrat und Vorstandsspitze am Dienstag grundsätzlich hinterfragen. "Ein angeschlagener Aufsichtsratschef kann nicht im Sinne der Aktionäre sein", sagte Klaus Nieding von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Börsig habe die vornehmste Aufgabe eines Aufsichtsratschefs, nämlich die geordnete Regelung der Nachfolge des Vorstandschefs, in keiner Weise erfüllt und sich zugleich selbst in eine äußerst unglückliche Stellung gerückt. "Der Aufsichtsratsvorsitzende hat das Werkzeug zu seiner eigenen Demontage selbst geliefert", betonte Nieding. Er erwarte, dass Börsig nach einer "Schamfrist" selbst die Konsequenzen ziehe.

Das Kontrollgremium stärkte seinem in die Kritik geratenen Vorsitzenden jedenfalls am Dienstag den Rücken. Der Aufsichtsrat habe bei der Suche nach einem Nachfolger für Ackermann zwar durchaus alle Alternativen bedacht - "bis hin zu der Notwendigkeit, Dr. Börsig in die Pflicht zu nehmen", erklärte Aufsichtsrat Tilman Todenhöfer. Börsig habe jedoch deutlich gemacht, "dass er in dieser Hinsicht keinerlei Ambitionen hat, sondern Vorsitzender des Aufsichtsrates bleiben möchte". "Insgesamt hält der Aufsichtsrat die Kritik an Dr. Börsig im Zusammenhang mit diesem Vorgang für völlig unbegründet."

sam/ssu/AP/dpa-AFX/Reuters



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