Deutsche Bank Kirch setzt Ermittlungen gegen Ackermann durch

Im Fall um die staatliche Bürgschaft der Deutschen Bank für die Ostsee-Pipeline wird erstmals auch Josef Ackermann als Verdächtiger genannt: Die Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren gegen den Institutschef ein. Insider vermuten, die Anzeige stamme von Leo Kirchs Anwälten.


Frankfurt - Die Berliner Staatsanwaltschaft bestätigte am Abend, dass auf Grund einer Privatanzeige ein Ermittlungsverfahren gegen Ackermann eingeleitet worden sei. Es gehe um den Vorwurf der strafbaren Vorteilsgewährung an den ebenfalls beschuldigten Ex-Finanzstaatssekretär und heutigen Deutsche-Bank-Berater Caio Koch-Weser.

Anzeige gegen Ackermann: Persönlicher Rachefeldzug?
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Anzeige gegen Ackermann: Persönlicher Rachefeldzug?

In den vergangenen Jahren sind von Kirch erwirkte Verfahren in gleicher Sache gegen Koch-Weser bereits eingestellt worden, zuletzt im Sommer 2007. Ackermann wird nun erstmals als Verdächtiger genannt. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft begründete das Ermittlungsverfahren mit konkreteren Sachverhalten, die nun auch Ackermann beträfen. Insidern zufolge stammt die Anzeige von Kirchs Anwälten.

In dem Fall geht es um eine staatliche Bürgschaft für Kredite unter anderem der Deutschen Bank zur Finanzierung der Ostsee-Pipeline. Die damalige Bundesregierung hatte die Bürgschaft Ende 2005 gewährt und damit kurz vor Koch-Wesers Wechsel von der Politik zu Deutschlands größtem Finanzinstitut. Der Wechsel war auch von Politikern wegen möglicher Interessenkonflikte kritisiert worden.

Auf Seiten der Bank konzentrieren sich die Untersuchungen der Staatsanwaltschaft Justizkreisen zufolge auf Ackermann, da er in der Zeit Kontakte zu dem damaligen Finanzstaatssekretär hatte. Zeugen für Gespräche der beiden Beschuldigten gebe es aber nicht. "Daher dürfte auch dieses Ermittlungsverfahren wohl nach einigen Wochen wieder eingestellt werden", hieß es in den Justizkreisen.

Die Deutsche Bank wies auf Anfrage die Vorwürfe gegen Ackermann und Koch-Weser als unbegründet zurück. "Wir haben volles Vertrauen in die Arbeit der Ermittlungsbehörden und gehen davon aus, dass auch die weiteren Ermittlungen rasch erneut die Haltlosigkeit aller Vorwürfe zeigen werden", sagte ein Sprecher. Er sprach von einem persönlichen Rachefeldzug Kirchs gegen die Bank.

Der Unternehmer überzieht das Geldhaus seit Jahren mit einer Flut von Prozessen, weil er sie für den Zusammenbruch seines Medienimperiums verantwortlich macht. Ex-Institutschef Rolf Breuer hat nach Ansicht Kirchs Anfang 2002 in einem Interview dessen Kreditwürdigkeit angezweifelt und damit den Kollaps des Konzerns ausgelöst. Kirch fordert Schadensersatz in Milliardenhöhe. Ein Kirch-Sprecher lehnte eine Stellungnahme zu dem laufenden Ermittlungsverfahren ab.

amz/Reuters



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