Deutsche Bank Radikale Schrumpfkur im Vorstand

Während die Vorstands- und Aufsichtsratschefs öffentlich abwiegeln, wird im Hintergrund unter Hochdruck an einer neuen Führungsstruktur gearbeitet. Der Vorstand soll verkleinert werden, ein Exekutivkomitee ist offenbar geplant.


Umbau in der Chefetage: Deutsche Bank
DPA

Umbau in der Chefetage: Deutsche Bank

Berlin - Die Bank bestätigte mehrere Zeitungsberichte, in denen von einer völlig neuen Führungsstruktur der größten deutschen Privatbank Chart zeigen die Rede ist. Nach Informationen der Zeitungen soll unter dem erheblich verkleinerten Vorstand ein Exekutivkomitee angesiedelt werden, in dem zukünftig die wichtigen strategischen Entscheidungen vorbereitet werden.

Diesem Gremium sollen neben den künftig fünf Vorstandsmitgliedern sieben weltweit zuständige Leiter der Geschäftseinheiten angehören. Der 53-jährige Josef Ackermann, der im April die Nachfolge von Rolf Breuer an der Spitze der Deutschen Bank antritt, würde bei Verwirklichung dieser Pläne im Vorstand eine weitaus stärkere Rolle haben als sein Vorgänger. Bereits bei einem Treffen der rund 60 Topmanager der Bank in Kronberg im vergangenen Herbst hatten einflussreiche Bankiers gefordert, die Führungsstruktur zu straffen.

An ein Modell nach dem Vorbild des US-amerikanischen Chief Executive Officer (CEO), der das Unternehmen hauptverantwortlich führt, sei dabei nicht gedacht, so die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".

Wie die "Welt" aus informierten Kreisen erfahren haben will, wird Michael Philipp, der für die Vermögensverwaltung zuständig ist, möglicherweise ganz aus der Bank ausscheiden. Jürgen Fitschen, der wie der Amerikaner Philipp aus dem Investmentbanking des Branchenprimus kommt, soll den Plänen zufolge in das Exekutivkomitee wechseln.

Auch die Mitglieder, die im Vorstand der Deutschen Bank verbleiben, hätten zumindest zum Teil veränderte Aufgabengebiete. So soll der IT-Spezialist Hermann-Josef Lamberti, der zuletzt für den Vertrieb im Privatkundengeschäft zuständig war, künftig als Chief Operating Officer die Umsetzung der Geschäftsstrategien sowie die Infrastruktur koordinieren.

Damit verlöre Lamberti die Verantwortung für das Privatkundengeschäft. Thomas Fischer würde dem Plan zufolge Risiko-Manager der Bank bleiben. Auch Tessen von Heydebreck (Chief Administrative Officer) und Clemens Börsig (Chief Financial Officer) würden ihre Funktionen behalten.

"Es gibt überhaupt keinen Kampf"

Gegenüber n-tv dementierte Aufsichtsratschef Hilmar Kopper den FAZ-Artikel vom Mittwoch, wonach es Auseinandersetzungen in der Führungsspitze gebe und Überlegungen zu einer Änderung des Aktiengesetzes. "Es gibt überhaupt keinen Kampf in der Führungsspitze", und, "wir werden auch weiterhin eine ordentliche AG bleiben", sagte er in einem Interview. Alle Äußerungen, er mache sich für eine Änderung des deutschen Aktiengesetzes stark, wies Kopper zurück und bekräftigte: "Ich finde das deutsche Aktienrecht gut."

Auch Vorstandssprecher Breuer trat Spekulationen über einen Machtkampf im Vorstand der Bank entgegen. "Es gibt keinen Streit", sagte er am Mittwoch in Frankfurt. Zugleich wies Breuer Gerüchte über eine Sitzverlegung zurück. Eine Verlegung des Sitzes oder von Kernkompetenzen nach London oder anderswo sei nicht geplant.



© SPIEGEL ONLINE 2002
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.