Deutsche Bank und Postbank Clash der Kulturen

Zwei Welten prallen aufeinander: Die global aktive Deutsche Bank will die Postbank übernehmen - ein bodenständiges Unternehmen für den Normal-Bürger. Kunden und Belegschaft zusammenzuführen dürfte schwierig werden. Von einer Verschmelzung der Institute raten Experten entschieden ab.


Hamburg - Josef Ackermann mit einem Postsparbuch in der Hand: Ein eher komisches Bild. Und wann der Jetset-Manager wohl das letzte Mal in einer Postbank-Filiale war? Gut möglich, dass der Deutsche-Bank-Chef etwas überfordert wäre von dem Trubel, der dort manchmal herrscht.

Münchner Finanzcenter der Postbank: "Bei der Postbank sind viele Menschen, die ein billiges Konto wollen und sonst nichts"
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Münchner Finanzcenter der Postbank: "Bei der Postbank sind viele Menschen, die ein billiges Konto wollen und sonst nichts"

"Bei der Postbank sind viele Menschen, die ein billiges Konto wollen und sonst nichts", erläutert Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim die unterschiedlichen Kunden-Kulturen der beiden Institute. "Zur Deutschen Bank Chart zeigen geht der vermögende Privatmann mit gutem Einkommen. Oder der gehobene Mittelständler, der sich aufmacht, die Welt zu erobern und dafür kompetente Finanz-Beratung braucht."

Welten lägen zwischen den beiden Banken, glaubt auch Thomas Hartmann-Wendels von der Universität Köln. "Ich frage mich, wie das funktionieren soll." Trotzdem will die Deutsche Bank den gelben Konkurrenten übernehmen. Für rund 2,5 Milliarden Euro steigt das größte Geldhaus der Bundesrepublik zunächst mit knapp 30 Prozent bei der Postbank ein - später soll Finanzkreisen zufolge der Rest erworben werden

Keine Frage - das Image der Deutschen Bank und das der Postbank haben wenig miteinander gemein. Das zeigt auch eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Facit für die Werbe-Fachzeitschrift "Horizont". Die Postbank ist Bank des Kleinen Mannes. Vertrauenswürdig. Sympathisch. Viele Kunden glauben offenbar auch, dass das Postbank-Management nicht nur nach Gewinn giert, sondern sich auch sozial verantwortlich verhält. Sich etwa um die Angestellten und deren Jobs sorgt.

Der Deutschen Bank gegenüber schwanken die Meinungen dagegen "zwischen Bewunderung und Ablehnung", wie Facit schlussfolgert. Ackermanns Konzern gilt schon allein wegen seines weltweiten Erfolgs als renommierte Adresse - aber Sympathie empfinden nur die Wenigsten gegenüber dem Riesen-Finanzkonzern.

Zwei so unterschiedliche Unternehmen zusammenzuführen wird schwierig. Und einen Fehler darf die Deutsche Bank auf keinen Fall machen: Die beiden Marken verschmelzen, wie es etwa Commerzbank Chart zeigen und Dresdner Bank nach ihrer Fusion auf lange Sicht planen. "Ich gehe davon aus, dass die Postbank als Marke nicht verschwindet", sagt Jürgen Kaeuffer. Er ermittelt mit seinem Münchner Unternehmen Semion regelmäßig den Wert der wichtigsten Marken in Deutschland.

Die Dresdner Bank hätte besser gepasst

Ein sinnvolles Miteinander beider Marken wäre das beste Ziel, glaubt auch Bankenexperte Burghof. "Wenn etwa der Mittelständler sagt: Für meine Geschäfte nehme ich Deutsche-Bank-Produkte, meine Frau und mein Sohn dagegen werden mit Postbank-Produkten versorgt." Doch das zu erreichen, wird nicht leicht. Die Deutsche-Bank-Klientel dürfte derzeit nicht gerade scharf auf ein Postsparbuch sein: "Da muss die Qualität der Produkte eindeutig gesteigert werden", sagt Burghof. Und umgekehrt könnte der elitäre neue Partner mit dem wenig volksnahen Manager Ackermann an der Spitze die Postbank-Klientel abschrecken. Schließlich hegten viele Normal-Bürger "eine gewisse Abneigung gegen Börse und Kapital", wie Burghof es formuliert - das gelte sicherlich auch für viele Postbank-Kunden.

Noch dazu ist die Aufteilung der Kunden auf verschiedene Unternehmen schwierig - das hat die Deutsche Bank bereits schmerzhaft erfahren. Schon einmal versuchte sie, finanzschwächere Privatkunden in die "Deutsche Bank 24" auszugliedern - mit verheerenden Folgen. Nach massivem Protest gegen die vermeintliche Zweiklassen-Wirtschaft wurde die Entscheidung schnell rückgängig gemacht.

Die Dresdner Bank hätte vom Image her eigentlich besser zur Deutschen Bank gepasst als die Postbank, sagt Fachmann Hartmann-Wendels. Doch das Institut mit dem diskreten grünen Logo heimste die Commerzbank ein. Den Bieterwettkampf um die deutsche Citibank gewann die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel. Die Postbank war jetzt das letzte attraktive Angebot auf dem deutschen Markt - und die Deutsche Bank stand unter Zugzwang. Nicht nur, weil sie international eine eher kleine Nummer ist und deshalb wachsen muss.

Der mühsame Umgang mit Privatkunden - wieder attraktiv

In den vergangenen Jahren bestimmte das globale Investmentbanking die Agenda der Deutschen Bank - das Geschäft mit komplexen Finanzprodukten und Fusionen schien gewinnträchtiger als der mühsame Umgang mit Privatkunden und ihren vergleichsweise schmalen Vermögen. Dann kam die Finanzkrise. Und plötzlich scheint eine breitere Aufstellung des Geschäfts wieder durchaus attraktiv. Nebenbei kann Ackermann mit dem Einstieg bei der Postbank dem Namen Deutsche Bank wieder Ehre machen.

Ist die Postbank einmal ganz übernommen muss der Bank-Chef aber einen Weg finden, die beiden so unterschiedlichen Unternehmen zu integrieren. Und er muss dabei nicht nur an die Kunden denken - sondern auch an die Belegschaft. Die Postbank-Mitarbeiter sind auf Massenabfertigung und den Verkauf von Standardprodukten trainiert, und zu der Truppe gehören noch viele Beamte. Genausowenig wie Ackermann scheint der Rest der dynamischen Deutsch-Banker zu dieser Mannschaft zu passen.



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