Deutsche Bank Weiterer Stellenabbau möglich

Einen Unternehmenschef mit der Machtfülle eines CEO wie bei amerikanischen Firmen wird es bei der Deutschen Bank nicht geben. Trotzdem verteilt sich die Macht zukünftig auf weniger Schultern.


Will mehr Transparenz im Konzern: Rolf Breuer
DDP

Will mehr Transparenz im Konzern: Rolf Breuer

Frankfurt am Main - Benannt wurde der exklusive Zirkel aber nach amerikanischem Vorbild. Global Executive Committee soll er heißen und mit sofortiger Wirkung seine Tätigkeit aufnehmen. Zu den neuen Aufgaben zählen künftig auch die Bereiche strategische Führung und Ressourcenverwaltung sowie Kontrolle und Risikomanagement. Das Ganze soll nach dem Modell einer virtuellen Holding funktionieren.

Dem neuen Gremium werden künftig nur noch fünf statt wie bisher acht Mitglieder angehören. Ihm wird neben Vorstandssprecher Rolf Breuer sein designierter Nachfolger Josef Ackermann, Finanzvorstand Clemens Börsig, Tessen von Heydebreck als Chief Administrative Officer sowie Hermann-Josef Lamberti als Chief Operating Officer angehören. Innerhalb des Vorstands werde das operative Geschäft des Bereichs Private Clients & Asset Management weiter von Breuer und das der Corporate & Investment Bank von Ackermann verantwortet. Mit dem planmäßigen Ausscheiden Breuers am 22. Mai werde Ackermann zusätzlich die Verantwortlichkeiten von Breuer im Konzernvorstand übernehmen. Breuer wird in den Aufsichtsrat wechseln.

Neu eingeführt wird das Group Executive Committee, in dem die Entscheidungen für den Vorstand vorbereitet werden. Im zwölfköpfigen Exekutivkomitee, das für das operative Geschäft zuständig sein werde, gebe es geborene Mitglieder - die Vorstände - und gekorene Mitglieder, die vom Vorstand bestellt oder entlassen würden, sagte Breuer: "Der Konzernvorstand wird nicht entmachtet, er wird gestärkt."

Zu seinen Aufgaben wird wohl auch der Abbau weiterer Stellen über das bisher bekannte Maß hinaus gehören. Heydebreck jedenfalls wollte diesen Schritt nicht völlig ausschließen. Die Deutsche Bank sei als Unternehmen schlecht beraten, wenn sie bereits zum Jahresbeginn zusätzliche Kürzungen total ausschließe, sagte Heydebreck. 3529 Stellen seien im vergangenen Jahr abgebaut worden, bis Mitte 2003 sollten die bisherigen Planungen von 9200 Entlassungen bewerkstelligt sein.

Neben allen Vorstandsmitgliedern gehören dem Gremium auch die so genannten Global Business Heads der beiden Geschäftsbereiche Corporate & Investment Bank und Private Clients & Asset Management sowie der Global Business Head des Bereichs Corporate Investments an. Bereits am Vortag war bekannt gegeben worden, dass Jürgen Fitschen und Michael Philipp aus dem Vorstand ausscheiden und als Global Business Heads direkte Geschäftsverantwortung in den Bereichen Corporate & Investment Bank beziehungsweise Private Clients & Asset Management übernehmen.

Daneben sollen dem Gremium aus dem Bereich Corporate & Investment Bank Michael Cohrs als Global Business Head für Corporate Finance, Anshu Jain für Global Markets sowie Kevin Parker für Global Equities angehören. Den Geschäftsbereich Private Clients & Asset Management vertreten Herbert Walter (Retail & Private Banking) sowie Ted Virtue. Darüber hinaus werde die operative Steuerung der Geschäftsbereiche in drei konzernübergreifenden divisionalen Operating Committees verankert.

Breuer verspricht sich von der neuen Führungsstruktur mehr Transparenz nach innen und außen. Bisher seien die strategischen und operativen Aufgaben nicht deutlich genug getrennt gewesen. Der Vorstand habe bisher auch Verantwortung für Geschäftsbereiche gehabt und "nicht immer eine neutrale Sicht der Dinge" gewahrt. Mit der erweiterten Struktur sollten Interessenskonflikte vermieden werden.



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