Deutsche Großkonzerne Unionspolitiker beschimpft Manager als moderne Spesenritter

Der Vorsitzende der Unions-Mittelstandsvereinigung Josef Schlarmann hat Managern von Großkonzernen vorgeworfen, das Vertrauen in die soziale Marktwirtschaft zu gefährden. Ihr Verhalten schade dem Ansehen deutscher Unternehmer.


Berlin - Vorstände von Großunternehmen hätten nichts zu tun mit klassischen Unternehmern, sagte Schlarmann in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP. Sie seien leitende Angestellte, die den optimalen Gewinn des Konzerns im Auge hätten und bei eklatanten Fehlern mit großzügigen Abfindungen verabschiedet würden. Der meist mittelständische Unternehmer dürfe mit solchen Managern nicht gleichgesetzt werden.

Josef Schlarmann (CDU): "Die bereichern sich auf meine Kosten"
AP / MIT-DEUTSCHLAND

Josef Schlarmann (CDU): "Die bereichern sich auf meine Kosten"

"Viele Manager sind moderne Spesenritter", sagte Schlarmann, der Vorsitzender der Mittelstandsvereinigung von CDU und CSU (MIT) ist. Sie führten ihre Konzerne nach dem Prinzip des "shareholder value", der kurzfristigen Gewinn-Maximierung zur Steigerung des Aktienkurses. Dazu würden die Kosten minimiert, etwa durch Rationalisierungsmaßnahmen oder Betriebsschließungen. Die Folgen habe meist die Allgemeinheit zu tragen: Die entlassenen Arbeitnehmer landeten letztlich bei der Bundesagentur für Arbeit.

Für ihre in diesem Sinne "erfolgreiche" Arbeit ohne jedes persönliche Risiko erhielten die Manager dann Gewinnbeteiligungen und Aktienoptionen, bei Misserfolg würden sie mit großzügigen Abfindungen verabschiedet.

"Für diese Leute ist es völlig normal, auf Hauptversammlungen über Milliardengewinne zu berichten und gleichzeitig die Entlassung tausender Mitarbeiter anzukündigen", sagte Schlarmann. Solches Verhalten habe in der jüngsten Vergangenheit leider das Image des deutschen Unternehmertums geprägt.

"Wer so vorgeht wie beispielsweise der Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, gefährdet die Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft. Jeder muss doch denken: Die bereichern sich auf meine Kosten. Das kann kein Fundament für eine stabile Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung sein", kritisierte der MIT-Vorsitzende.

Ackermann hatte im Februar 2005 eine Gewinnsteigerung seiner Bank um 87 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro nach Steuern verkündet und gleichzeitig die Streichung von 6.400 Vollzeitjobs angekündigt.

Ende März war die Erhöhung seines Jahresgehalts um 1,8 Millionen auf 12 Millionen Euro bekannt geworden. Die Offenlegung der Managergehälter bezeichnete Schlarmann als ein Stück Ethik, das den Konzernen per Gesetz verordnet werden müsse. "Dann kann jeder beurteilen: Passen die Gehälter zur Leistung oder bereichern die sich einfach."

Unternehmen als soziale Einrichtung

"Ein Unternehmen ist nicht nur eine betriebswirtschaftliche Einrichtung, sondern auch eine soziale", betonte Schlarmann im AP-Interview. Das zeige sich vor allem in kleinen und mittelständischen Unternehmen, die 99,5 Prozent aller Betriebe ausmachten. Dort sei der Unternehmer Eigentümer und Manager zugleich. Da er die Risiken zu tragen habe, denke er in der Regel längerfristig, denn betroffen von den Folgen seiner Entscheidungen seien auch seine Familie und die nachfolgenden Generationen.

Im Unterschied zu den großen Konzernen, die die Verbindung zum Kunden Call-Centern überließen, habe ein mittelständischer Unternehmer in der Regel ganz persönliche Kontakte zum Kunden. Da er vorwiegend im Dienstleistungsbereich tätig sei, komme es dort auch viel entscheidender auf die Mitarbeiter an.

"Der Aufbau und die Pflege des Mitarbeiterstamms ist das A und O von mittelständischen Unternehmen mit der Folge, dass dort auch ganz andere Beziehungen entstehen. Das sind langfristige Beziehungen, von Vertrauen geprägt, und man trennt sich von diesen Mitarbeitern auch nicht je nach Absatzlage", sagte der MIT-Chef. Denn wenn der Unternehmer langfristig denke, reagiere er nicht mit Entlassungen, wenn einmal kurzfristig der Absatz zurückgehe.

Detlef Rudel, AP



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