Umfrage zu Verkehrsinfrastruktur Deutsche wollen mehr Autobahnen

Mehr als 50.000 SPIEGEL-ONLINE-Leser haben abgestimmt, das Resultat ist eindeutig: Die Regierung soll Autobahnen verbreitern und verlängern, neue Schienen verlegen und Flüsse vertiefen.

Autobahnkreuz Hannover-Ost
DPA

Autobahnkreuz Hannover-Ost

Von , und


Autobahnen, Umgehungsstraßen, Schienentrassen: Egal, wo die Infrastruktur ausgebaut wird, fast immer prallen zwei unversöhnliche Meinungen aufeinander. Die einen sehen in zusätzlichen Straßen die Lösung für den Verkehrsinfarkt, die anderen sind überzeugt, dass mehr Asphalt nur noch mehr Verkehr bedeutet, das Problem also verschärft.

Unter den Lesern von SPIEGEL ONLINE sind die Ausbaugegner allerdings in der klaren Minderheit. Das ist zumindest das Ergebnis einer Umfrage, die wir in den vergangenen Wochen durchgeführt haben: Alle User hatten die Möglichkeit, über die Vorhaben des Bundesverkehrswegeplans 2030 abzustimmen. Darin sind alle Projekte aufgelistet, die nach Meinung der Regierung in den kommenden Jahren umgesetzt werden sollen - von der Straße über die Schiene bis zu den Wasserwegen.

Selbstverständlich ist die Umfrage nicht repräsentativ. Angesichts der eindeutigen Ergebnisse und der hohen Beteiligung ist sie dennoch aussagekräftig. Weit über 50.000 Leser haben mitgemacht und rund 200.000 Stimmen abgegeben. Enorme 99,5 Prozent der insgesamt 1690 Projekte des Verkehrswegeplans wurden dabei bewertet. Für rund ein Drittel von ihnen wurden sogar jeweils mehr als 100 Stimmen abgegeben. Nur diese 554 Vorhaben fließen in die Ergebnisse ein, die im Folgenden vorgestellt werden.

Interaktive Karte - Alle Bauvorhaben über die mindestens 100 Mal abgestimmt wurde

Der Gesamttenor ist außerordentlich positiv. Nur bei 4 dieser 554 Projekte war die Mehrheit der Leser der Meinung, dass die Bauarbeiten nicht notwendig sind. Und selbst beim unpopulärsten Projekt - dem Ausbau der Donau zwischen Straubing und Vilshofen - sprechen sich immerhin 30 Prozent der Teilnehmer dafür aus.

Im Umkehrschluss bedeutet dies: Über 99 Prozent der Vorhaben werden von den Lesern mehrheitlich befürwortet. Und mehrheitlich heißt nicht knappe 51 Prozent. In der Regel sprechen sich mehr als drei Viertel dafür aus.

Bei keinem Projekt haben so viele Leser abgestimmt wie beim Weiterbau der Berliner Stadtautobahn. Die Verlängerung der A100 kostet rund 150 Millionen Euro pro Kilometer - und ist damit der teuerste Autobahnabschnitt in der Geschichte der Bundesrepublik. Unter den Lesern sind dennoch 62 Prozent dafür, nur 33 Prozent dagegen - 5 Prozent sind gleichgültig.

Jeweils mehr als 1000 Stimmen wurden auch bei den folgenden Ausbauvorhaben abgegeben:

  • A3 zwischen Köln-Mülheim und Kreuz Leverkusen: 96 Prozent Ja-Stimmen
  • A3 zwischen Kreuz Biebelried (bei Würzburg) und Kreuz Fürth/Erlangen (bei Nürnberg): 93 Prozent Ja-Stimmen
  • A7 zwischen Landesgrenze Hamburg/Schleswig-Holstein und Dreieck Bordesholm (bei Kiel): 88 Prozent Ja-Stimmen
  • A8 zwischen dem Dreieck Leonberg und Stuttgart-Flughafen: 96 Prozent Ja-Stimmen

Auf diesen stark befahrenen Strecken sind auch viele Pendler unterwegs. Und diese haben sich wohl besonders eifrig an der Umfrage beteiligt. Unter den Lesern, die angegeben haben, eine Strecke häufig zu nutzen, liegt der Anteil der Ja-Stimmen bei durchschnittlich rund 90 Prozent. Das ist dreimal so viel wie bei denjenigen, die zugaben, einen Autobahnabschnitt noch nie genutzt zu haben.

Die offenbar hohe Beteiligung von Pendlern dürfte auch ein Grund dafür sein, dass kein Schienenprojekt so beliebt ist wie der geplante Rhein-Ruhr-Express (RRX) zwischen Köln und Dortmund: 98 Prozent stimmen dem Vorhaben zu, das einen Viertelstundentakt im völlig überlasteten Regionalverkehr des bevölkerungsreichsten Bundeslandes ermöglichen soll.

Dieses klare Ergebnis ist auch deshalb interessant, weil der RRX vor Ort äußerst umstritten ist. Während sich die Bewohner gegen die Ausbaupläne wehren, finden sie die große Mehrheit all jener, die davon profitieren, gut. Diese Erkenntnis mag wenig überraschen, sie zeigt aber das Spannungsfeld zwischen Einzel- und Allgemeininteresse.

Zumal der RRX nur eines von vielen Beispielen dafür ist. Auch der Ausbau der insbesondere für den Güterverkehr wichtigen Strecke zwischen Karlsruhe und Basel sorgt in Baden-Württemberg seit Jahren für viel Ärger. Doch unter den Teilnehmern der Umfrage sprechen sich 96 Prozent dafür aus.

Eindeutig ist das Ergebnis auch beim politisch umstrittensten Wasserstraßenprojekt des Verkehrswegeplans: Knapp zwei Drittel der Leser wollen die Elbvertiefung.

Dieses Ergebnis liefert einen Hinweis dafür, dass die Leser von SPIEGEL ONLINE ähnlich ticken wie die Gesamtbevölkerung. In einer repräsentativen Umfrage zur Elbvertiefung sprachen sich vor einigen Jahren 64 Prozent der Hamburger dafür aus.



insgesamt 287 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
tmhamacher1 31.05.2016
1. St.-Florians-Republik
So ticken die Menschen: Sie sind für Projekte des Allgemeinwohls, solange sie selbst davon nicht betroffen sind, und jeder versucht sein Leben so zu gestalten, dass er möglichst wenig Lasten zu tragen hat und seine Vorteilsnahme maximiert. Da erkennt man doch die Weisheit des Jesuswortes: Tue niemandem etwas an, das Du selbst nicht angetan haben möchtest!
suplesse 31.05.2016
2. Ja klar
Ich würde vorschlagen, wir machen eine komplette Asphaltdecke über unser Land. Die Hälfte ist ja schon gefühlt asphaltiert. Mit dem Auto überall hin, am besten ein Straße auf die Zugspitze, nach Helgoland eine Brücke. Bloß nicht mehr selber bewegen. Beim Arzt kann man ja auch sitzen, von daher alles bestens.
bekassine 31.05.2016
3. Häh, mehr Autobahnen?!
Am besten zu jeder Wohnung eine. Der blanke Irrsinn. Sind das nicht die, die sich für so besonders umweltfreundlich halten, weil sie Plastikverpackungen in gelbe Tonnen werfen? Über so viel stupiden Blödsinn kann man nur noch den Kopf schütteln. Was sagt Marc-Uwe Kling über Deutschland: Im Süden die Berge , im Norden das Meer und dazwischen.... Teer.
Spiegelleserin57 31.05.2016
4. alles ganz nett
nur wer bezahlt das alles? Da nutzen keine Umfragen etwas. Es sollte nur das getan was überhaupt sinnvoll ist. Viele haben da sehr extravagante Vorstellungen. Des Deutschen liebstes Kind muss natürlich das schnellste sein, überall! Wer mehr zu betoniert wird auch der Natur schaden und der Lärm wird nicht weniger. Daran sollte auch gedacht werden. Eine eierlegende Wollmilchsau gibt es eben nicht!
cyrus.faustig 31.05.2016
5. Mehr Straßen in einer vergreisenden Gesellschaft?
In Ballungsräumen mögen mehr Autobahnen unter Umständen Sinn ergeben - gleichzeitig müsste woanders Infrastruktur zurückgebaut werden, sonst wird das alles astronomisch teuer für die junge Generation. Desweiteren muss eine PKW-Maut für alle her, um neue Projekte zu finanzieren: wer viel - womöglich sinnlos viel - fährt, hat dafür zu bezahlen. Basta!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge! zum Forum...

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.