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Deutschlands Final-Gegner: Zehn Fakten, die Sie über Argentinien garantiert nicht wussten

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BMW ist dort einer der größten Reis-Exporteure, McDonald's geht manchmal der Ketchup aus - und ist Argentinien eigentlich noch Steak-Weltmeister? Zehn Fakten zu Deutschlands Endspielgegner.

1. Argentinien ist kein Steak-Weltmeister mehr

Barbecue-Rekordversuch in der Pampa: Tausende Züchter haben aufgegeben Zur Großansicht
AP

Barbecue-Rekordversuch in der Pampa: Tausende Züchter haben aufgegeben

63 Kilo Rindfleisch vertilgt der Durchschnittsargentinier im Jahr - macht ein Steak pro Tag und Kopf, vom Baby bis zur Oma. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwa neun Kilo. Außerhalb des Landes ist argentinisches Rindfleisch aber rar geworden. Die Ausfuhr ist seit 2005 von 771.000 Tonnen auf 190.000 Tonnen eingebrochen, im Welt-Ranking ist Argentinien von Platz drei auf Platz elf gestürzt. Grund dafür sind Exportverbote und -beschränkungen der linkspopulistischen Regierung, die so die Versorgung der Bürger zu günstigen Preisen sichern wollte. Das ist total misslungen: Tausende Viehzüchter in den Pampas haben aufgegeben, ihre Kühe geschlachtet. Und so kostet ein Kilo Rind heute rund sechsmal mehr Pesos als 2006 - in US-Dollar ist das eine Verdoppelung.

2. Hyundai verkauft argentinische Erdnüsse

Ein Teil des Tauschhandels: Hyundai muss argentinische Erdnüsse exportieren Zur Großansicht
DPA

Ein Teil des Tauschhandels: Hyundai muss argentinische Erdnüsse exportieren

Der Münchner Automobilbauer BMW ist einer der größten Reis-Exporteure Argentiniens geworden. Weil es Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner so wollte. Ihre linkspopulistischen Peronisten ordneten 2011 an: Ausländische Unternehmen, die Produkte ins Land importieren, müssen Güter im gleichen Wert in die Welt ausführen. Und so begann Harley Davidson Wein zu verkaufen, Porsche machte in Olivenöl und Hyundai handelt mit Erdnüssen. Die bizarren Import-Kompensationen machen das iPhone zur Rarität in Argentinien. Hersteller Apple hat sich nicht auf Gegengeschäfte eingelassen.

3. In Buenos Aires floriert der Dollar-Strich

Wechselkurse in Argentinien (Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken) Zur Großansicht
SPIEGEL ONLINE

Wechselkurse in Argentinien (Zum Vergrößern bitte auf die Grafik klicken)

Die Fußgängerzone von Buenos Aires ist ein berüchtigter Geldwechsler-Strich. Tief dekolletierte Frauen und geschniegelte Männer bieten den Passanten Pesos feil - zum illegalen Tausch gegen harte Auslandswährung. Seit die Regierung Kapitalkontrollen eingeführt hat, um den Devisenabfluss zu stoppen, kommen die Bürger kaum an Dollars oder Euros ran. Ergebnis ist ein Schwarzmarkt: Liegt der offizielle Wechselkurs bei 8,10 Pesos je US-Dollar, bringt der schwarz getauschte "Dólar blue" rund 11,80 Pesos. Die Jagd nach Devisen hat einen guten Grund: Die Teuerungsrate des Peso beträgt gut 30 Prozent pro Jahr.

4. Es gibt wieder Ketchup

Peinliches Geständnis: McDonald's warnt vor Ketchup-Mangel Zur Großansicht

Peinliches Geständnis: McDonald's warnt vor Ketchup-Mangel

Der Ketchup-Mangel in Argentiniens McDonald's-Filialen ist behoben. Im Februar hatte die Kette die Fast-Food-Liebhaber im Land mit der Ankündigung geschockt, die rote, aus Chile importierte Tunke sei vorübergehend alle. Offiziell wollte McDonald's damals keinen Grund für den Engpass nennen. Hinter den Kulissen hieß es, die Regierung sei mit ihren Einfuhrbeschränkungen schuld an dem Desaster. Das Problem wurde bald gelöst, es gibt wieder Ketchup für alle. Dabei hat Argentinien Fleisch- und Burger-Liebhabern eine viel geschmackvollere Alternative zu bieten: Chimichurri, einen Mix aus Olivenöl, Essig, Knoblauch und frischen Kräutern.

5. Buenos Aires ist die Hochburg der Seelenheiler

Tango als Therapie: Tanzende in einer Psychiatrie in Buenos Aires Zur Großansicht
AP

Tango als Therapie: Tanzende in einer Psychiatrie in Buenos Aires

Argentinien hat die wahrscheinlich höchste Psychiater- und Psychologendichte der Welt. Laut der Universität Buenos Aires kümmern sich fast 79.000 Therapeuten um das Seelenheil der gut 40 Millionen Einwohner. Mit 197 Seelenklempnern pro 100.000 Bürger ist die Couch-Quote gut siebenmal so hoch wie in Deutschland und den USA, wo je etwa 27 Psychotherapeuten auf 100.000 Einwohner kommen. Am größten ist der Betreuungsbedarf offenbar im Stadtgebiet von Buenos Aires. Hier praktizieren rund 37.000 Psychologen und Psychiater - einer pro 79 Einwohner.

6. Die Farmer horten ihr Getreide

Bauer mit "Silobolsa" in Pergamino bei Buenos Aires: Beständige Wertanlage Zur Großansicht
AP

Bauer mit "Silobolsa" in Pergamino bei Buenos Aires: Beständige Wertanlage

Argentiniens fruchtbare Böden bescheren den Bauern Milliardenerlöse. Das Land ist der weltgrößte Exporteur von Zitronen, Mate, Sojabohnenöl und Sojamehl. Aber seit einiger Zeit bunkern viele Farmer ihre Soja- und Maisernte lieber rund um ihre Gehöfte in sogenannten Silobolsas, meterlangen, bis zu zwölf Tonnen schweren Plastiksäcken, anstatt sie sofort zu verkaufen. Zu groß ist ihre Angst vor Inflation und einer weiteren Abwertung des Peso.

7. Argentinien war mal ein Musterland

Relikt aus besseren Tagen: Präsidentenpalast Casa Rosada Zur Großansicht
Getty Images

Relikt aus besseren Tagen: Präsidentenpalast Casa Rosada

"Reich wie ein Argentinier", lautete noch vor hundert Jahren eine gängige Redewendung in Europa. Damals gehörte das Land am Rio de la Plata zu den zehn wohlhabendsten Staaten der Erde. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kamen Zehntausende Flüchtlinge her, in Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Heute steht Argentinien für Inflation, Wirtschaftskrisen und Staatsbankrott. Alle paar Jahre kollabiert die Währung, noch immer schlägt sich die Regierung mit den Folgen der Krise von 2002 herum. Gerade hat ein US-Gericht Hedgefonds recht gegeben, welche die Schuldenschnitte für die Staatsanleihen nicht anerkennen. Bleibt das Urteil bestehen, droht Argentinien wieder einmal die Pleite.

8. Kein Land hat mehr bezahlte Feiertage

19 bezahlte gesetzliche Feiertage durften die argentinischen Arbeitnehmer laut der Nachrichtenagentur Associated Press im Jahr 2012 genießen - Weltrekord. In Deutschland waren es je nach Bundesland zwischen 9 und 14 Tage. Beim Urlaub ist dafür die Regierung in Buenos Aires arbeitgeberfreundlicher: Betriebe müssen jungen Beschäftigten nur 14 Tage im Jahr geben, in Deutschland sind es mindestens vier Arbeitswochen, also im Normalfall 20 Tage.

9. Argentinien ist schon Rekordweltmeister

Polo-Meisterschaft in Buenos Aires: Keiner spielt so gut wie die "Gauchos" Zur Großansicht
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Polo-Meisterschaft in Buenos Aires: Keiner spielt so gut wie die "Gauchos"

Die argentinische Nationalmannschaft ist Rekordweltmeister - im Polo. Viermal hat sie bei den bisher ausgetragenen neun Turnieren den Titel gewonnen. Einmal wurde sie Zweiter, zweimal Dritter. Bei der vergangenen Weltmeisterschaft 2011 schlugen die "Gauchos" in einem Herzschlagfinale Brasilien mit zwölf zu elf. Auch bei der nächsten WM in Chile im März 2015 gelten sie als Top-Favorit.

10. Bald wird alles anders

Präsidentin Kirchner: Ein Erbe steht bereit Zur Großansicht
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Präsidentin Kirchner: Ein Erbe steht bereit

Kommendes Jahr könnte Argentiniens zweitbekannteste Politikerdynastie enden - zumindest vorerst. Dann muss Cristina Fernández de Kirchner nach zwei Amtszeiten die Casa Rosada räumen, den rosafarbenen Präsidentenpalast. Sie und ihr 2010 verstorbener Gatte Nestor Kirchner haben das Land seit 2003 gelenkt. Ein möglicher Erbe steht aber schon bereit: Kirchner-Sohn Máximo hat sich als Anführer der einflussreichen peronistischen Jugendorganisation "La Cámpora" einen Namen gemacht.

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insgesamt 20 Beiträge
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1. und Fakten, dass Sie vergessen haben....
dr.R. 11.07.2014
Sehr geehrte Herr Haecking, Sie haben Fakten über Argentinien vergessen. Natürlich schreiben Sie, als Europäer, nur die schlechte. Ich gebe Ihnen ein Paar, der Sicher nicht kennen. - Daniel Barenboim, Martha Argerich, Sol Gabetta, 3 TOP Musiker ( Und nicht pop, sonder Klassik ), sind Argentinier. - Argentinien ist das einzige Lateinamerikanisches Land, der Wissenschaft-Nobelpreisträger hat. - Die große Migration war 1880-1918 und NICHT nach dem 2 Weltkrieg.. - Buenos Aires hat nicht nur Favelas und Psychologe, sonder Mehr Theater als New York ( 187 gegen 135 ), und das Teatro Colon, mit dem Scala ( Milano ) einer der berühmtesten Opernhäuser der Welt. Natürlich finden Sie wichtig Ketchup. Toll. Freundliche Grüße, Rodolfo.
2. populistisch?
malganzoffen 11.07.2014
Verstehe ich nicht. Warum werden alle Parteien, die Journalisten nicht gefallen, als populistisch bezeichnet? Wie Hagen Rether erkannte, ist jede Partei populistisch - und die jeweiligen Regierungsparteien offensichtlich mit dem größten Erfolg.
3.
robeuten 11.07.2014
Zitat von dr.R.Sehr geehrte Herr Haecking, Sie haben Fakten über Argentinien vergessen. Natürlich schreiben Sie, als Europäer, nur die schlechte. Ich gebe Ihnen ein Paar, der Sicher nicht kennen. - Daniel Barenboim, Martha Argerich, Sol Gabetta, 3 TOP Musiker ( Und nicht pop, sonder Klassik ), sind Argentinier. - Argentinien ist das einzige Lateinamerikanisches Land, der Wissenschaft-Nobelpreisträger hat. - Die große Migration war 1880-1918 und NICHT nach dem 2 Weltkrieg.. - Buenos Aires hat nicht nur Favelas und Psychologe, sonder Mehr Theater als New York ( 187 gegen 135 ), und das Teatro Colon, mit dem Scala ( Milano ) einer der berühmtesten Opernhäuser der Welt. Natürlich finden Sie wichtig Ketchup. Toll. Freundliche Grüße, Rodolfo.
Ein tolles Land mit tollen Menschen - umso deprimierender, wie es von einer abgehobenen Politikerkaste runtergewirtschaftet wird. War zuletzt 2011 dort; und treffe regelmäßig argentinische Kollegen; es ist wirklich traurig!!! Ja, manchmal braucht es noch nicht einmal die EU, um ein Land kaput zum machen....
4. Und noch ein paar Fakten
achjott 11.07.2014
Argentinien hat (oder hatte bis vor kurzem) die niedrigste Analphabetenrate in Südamerika. Hat eine echte Mittelschicht (nicht nur eine kleine Oberschicht und der Rest bildet die Unterschicht wie in fast allen anderen Lateinamerikanischen Ländern). Die Bildung ist gratis - auch die Unis. Jeder kann relativ günstig eine Krankenversicherung haben. Das Gesundheitssystem funktioniert zumindest für die Mittelschicht recht gut. Nicht nur für Musik und Sport ist Argentinien eine sehr gute Schule, sondern auch für Kunst. Nur um ein paar Dinge zu nennen.
5. Interessant
ththt 11.07.2014
Sehr interessanter Artikel. Vor allem der Punkt in Sachen Musterstaat stimmt mich traurig: viele südamerikanische Länder, zB auch Brasilien, haben ein ungemein hohes Potential, stattdessen wirtschaften sie die korrupten und unfähigen Politiker dort kaputt.
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Fläche: 2.780.403 km²

Bevölkerung: 43,132 Mio.

Hauptstadt: Buenos Aires

Staats- und Regierungschef:
Mauricio Macri

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