Deutschland im Hintertreffen Briten und Franzosen schließen Atom-Allianz

Comeback für den Atomstrom: Briten und Franzosen wollen laut "Guardian" bei der Entwicklung eng kooperieren, neue Kraftwerke bauen, die Technik exportieren. Die Bundesregierung gerät energiepolitisch immer stärker unter Druck - in Großbritannien gilt die neue Allianz als Schwächung Deutschlands.


London - Großbritannien und Frankreich rücken energiepolitisch zusammen: Bei einem Gipfeltreffen in der kommenden Woche wollen der französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister Gordon Brown eine enge Zusammenarbeit bei der Entwicklung der Atomtechnik vereinbaren. Das berichtet der "Guardian".

Atomkraftwerk Biblis in Hessen: Einigung auf Kosten Deutschlands
AP

Atomkraftwerk Biblis in Hessen: Einigung auf Kosten Deutschlands

Dabei gehe es um eine Kooperation beim Bau neuer Atomkraftwerke und beim Export der Technik. Dem Bericht zufolge sollen Briten und Franzosen in den neuen Werken zusammenarbeiten.

Brown hoffe, mit Hilfe der erfahrenen Franzosen in Großbritannien neue Atomexperten heranzubilden. Beide Länder planten zudem einen weltweiten Export der gemeinsam entwickelten Kraftwerke in den kommenden 15 Jahren.

Die britische Regierung hatte im Januar den Bau einer neuen Generation von Atomkraftwerken beschlossen. Der Plan ist wegen der Kosten und der ungeklärten Lagerung des Atommülls aber umstritten.

Der französisch-britische Gipfel beginnt am Mittwoch in London. Sarkozy wird bis Donnerstag zusammen mit seiner Frau Carla bei Königin Elizabeth II. zu Gast sein. Das Treffen wird in Großbritannien als Zeichen Frankreichs gewertet, stärkere Bande mit London zu knüpfen - auch auf Kosten Deutschlands.

Frankreich bezieht schon heute 80 Prozent seines Stroms aus Kernkraftwerken. Großbritannien will nun ebenfalls verstärkt auf Atomenergie setzen, um sich unabhängiger von Kohle und Gas zu machen. Die britischen Gasvorräte in der Nordsee gehen zu Neige, während Kohlekraftwerke wegen ihres hohen CO2-Ausstoßes als besonders klimaschädlich gelten.

Experten warnen von Versorgungslücken in Deutschland

Die britisch-französische Atom-Allianz dürfte Deutschland weiter unter Druck setzen. Während weltweit immer mehr Länder über eine Renaissance der Kernkraft debattieren, hält die Bundesregierung wie im Koalitionsvertrag vereinbart am Atomausstieg fest.

Experten warnen allerdings vor Engpässen in der Stromversorgung. Bis zum Jahr 2020/2021 sollen alle deutschen Atomreaktoren vom Netz gehen. Gleichzeitig müssen auch veraltete Kohlekraftwerke abgeschaltet werden. Der Neubau von Kohle- oder Gaskraftwerken gestaltet sich jedoch schwierig, unter anderem wegen Bürgerprotesten wie in Hamburg-Moorburg. Die erneuerbaren Energien sind in Deutschland zwar stark auf dem Vormarsch. Nach Expertenmeinung können sie die drohende Versorgungslücke aber nicht ganz schließen.

Zuletzt hatte Jürgen Großmann, der Chef des Energiekonzerns RWE, vor Blackouts in Deutschland gewarnt. Schon in diesem Sommer könnte es so weit sein. Auch die Deutsche Energieagentur und die Bundesnetzagentur halten eine Verknappung des Stromangebots in den kommenden Jahren für möglich.

Atomgegner halten die Kernenergie dennoch für keine Lösung. Der Neubau von Kraftwerken lohne sich nur mit hohen Subventionen, außerdem sei das Problem der Endlagerung von radioaktivem Müll nicht geklärt. Und: Ein Restrisiko bleibe stets bestehen.

wal/AFP/dpa



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