Wie wir 2037 leben werden

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Wie leben wir in 20 Jahren? Diese Frage haben wir Zukunftsforschern gestellt. Ihre Antworten sind faszinierend.

Eine Multimedia-Story von Henning Jauernig, Isabella Reichert, Lennart Breede und Tim Verhaert

Die Zukunft der Menschheit kann großartig werden: Dank digitalisierter Medizin werden wir viel gesünder und länger leben, eine Künstliche Intelligenz wird uns lästige Arbeiten im Haushalt und im Beruf abnehmen, und wenn wir möchten, werden wir in virtuellen Welten auf Abenteuerreise gehen.

Aber kann all das wirklich wahr werden? Wie genau sieht der Alltag der Zukunft aus?

Um das zu erfahren, begleiten wir die 25-jährige Mia an einem für sie typischen Tag im Jahr 2037. Dieses Zukunftsszenario haben wir gemeinsam mit Zukunftsforschern vom Ars Electronica Futurelab in Linz entworfen.

Es geht dabei um einen explizit optimistischen Blick in die Zukunft, der nicht zwangsläufig der realistischste ist. Natürlich kann alles anders kommen. Und natürlich birgt die Digitalisierung auch Gefahren - etwa mit Blick auf den Datenschutz. Darüber berichten wir bei SPIEGEL ONLINE regelmäßig.

Und dennoch wollen wir einmal nur auf die Chancen schauen, die die Zukunft bietet - und die in einem Industriestaat wie Deutschland Wirklichkeit werden können. Das ist keine haltlose Fantasie, sie basiert auf dem aktuellen Stand der Forschung: Bereits bestehende Techniken haben wir in die Zukunft verlängert und weitergedacht. So wagen wir einen Blick auf unser Leben im Jahr 2037.

Kapitel 1

Die Alltagshelfer der Zukunft


"Guten Morgen Mia, du hattest eine gute Nacht!", ertönt es leise aus den Lautsprechern an der Zimmerdecke. Mia öffnet die Augen. Die Jalousien fahren automatisch nach oben, Sonnenlicht fällt durch die Fenster in ihrem Schlafzimmer. Ben hat für alles gesorgt. Mia mag es, von seiner Stimme und den Sonnenstrahlen geweckt zu werden.

Ben weiß sehr viel über Mia, denn er ist fast immer bei ihr. Ben ist eine Künstliche Intelligenz, er lebt in der Cloud und ist mit vielen Geräten in Mias Haushalt vernetzt. Auch in das Armband, das Mia fast den ganzen Tag lang trägt, ist der Computer integriert. Das Armband überwacht Mias Schlaf.

"Mia, dein Puls war so ruhig wie schon lange nicht mehr - du hast ausgezeichnet geschlafen", sagt Ben. Mia fühlt sich ausgeschlafen. Ben würde sie nie im Tiefschlaf wecken, dazu ist er zu klug. Ben wartet, bis Mia eine Tiefschlafphase hinter sich hat. Es sei denn, ihr Kalender drängt auf einen frühen Start in den Morgen, dann weiß Ben Bescheid und öffnet die Jalousien etwas eher. Dafür macht er ihr später einen extra starken Kaffee.


Vieles, was Mia am frühen Morgen erlebt, ist heute schon möglich - in der Kombination nur noch nicht massentauglich. "Bis 2037 wird es Standard sein, von einer Künstlichen Intelligenz (KI) wie Ben den gesamten Tag über begleitet und unterstützt zu werden", sagt Christopher Lindinger, Zukunftsforscher am Ars Electronica Futurelab in Linz. Apples Siri und Amazons Alexa sind schon heute Vorboten für solche personalisierten Assistenten, aber sie können bisher nur sehr wenig, und sie sind an nur ein Gerät gebunden.

"Die Vision, dass Computer die menschliche Denkleistung übertreffen, ist zwar nicht absehbar. Jedoch können solche Systeme sich sehr gut auf eine einzige Tätigkeit spezialisieren, etwa sehr gut viele Daten in sehr kurzer Zeit vergleichen", sagt Lindinger.

KIs werden in den 2030er-Jahren nicht mehr als Computer zu erkennen sein. In jedem Gegenstand, jedem Kleidungsstück, jeder Wand wird sich ein Chip befinden, der mit dem Internet verbunden ist. So sammelt die KI einerseits Daten über Sensoren an den Geräten, andererseits steuert sie diese und macht sie uns zunutze. Dieses Prinzip nennen wir heute das "Internet der Dinge". Schon heute sind etwa 25 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden. Bereits 2020 sollen es Berechnungen zufolge 50 Milliarden sein, also durchschnittlich sieben Geräte pro Mensch.

Die Menge an Daten ist jetzt schon riesig, und sie wächst exponentiell. "Datenschutz und Datensicherheit müssen zentrale Designkomponenten in zukünftigen KI-Systemen werden", sagt Lindinger

Die KI selbst werden wir nur durch unsere Sprache bedienen. Statt mit anonymen Robotern zu kommunizieren, werden wir mit den KIs eher wie mit Freunden sprechen. Mia hat ihre KI Ben genannt.

Kapitel 2

Die Gesundheit der Zukunft


Mia läuft ins Bad. Das Licht geht an, sobald sie den Raum betritt. Sie duscht, danach blickt sie in den Spiegel. Sie tippt auf ein kleines Dreieck am oberen Rand des Spiegels und er wird zu einem Screen, auf dem Bilder und Zeichen erscheinen. Mit einer Handbewegung wischt Mia die Videonachricht einer Freundin beiseite, mit einem weiteren Wisch gelangt sie zu den wichtigsten Nachrichten des Tages. Daneben erscheinen Grafiken zu ihrer Gesundheit. Mia geht es prächtig. Das sagen die Daten, die ihr Pyjama und das kleine Gerät an ihrem Handgelenk automatisch erhoben haben.

"Mia, du hast in vier Wochen einen Termin bei deinem Hausarzt. Soll ich von nun an dein EKG aufzeichnen und die Daten an deinen Arzt weiterleiten", fragt Ben, dessen Stimme aus den Lautsprechern am Spiegel ertönt. Mia sagt Ja, damit ist sie einverstanden. Denn es geht beim Arzt viel schneller, wenn sich dieser vor ihrem Besuch ihre Daten angeschaut hat. In den nächsten Tagen wird Mias Herzfrequenz von ihrem Armband an ihrem Handgelenk aufgezeichnet und danach an den Arzt geschickt.


Die Art und Weise wie Mia ihren Körper überwacht, könnte in naher Zukunft für jeden Menschen normal sein. Zukunftsforscher erwarten, dass ab dem Jahr 2025 Sensoren in unserer Kleidung, auf unserer Haut und in den Gegenständen, die wir benutzen, unsere Vitalparameter registrieren. Intelligente Systeme wie Ben werden sie erheben, analysieren und Diagnosen stellen. All das wird unsere Lebenserwartung radikal steigern.

Schon heute können Smartphones viele Geräte von Arztpraxen ersetzen. "Ärzte werden als Diagnostiker entbehrlich, weil digitale Gesundheitssysteme besser und preiswerter sein werden", sagt Maria Pfeifer, Zukunftsforscherin am Ars Electronica Futurelab. Denn Künstliche Intelligenzen können sofort Auffälligkeiten mit Millionen bestehender Krankenakten und Krankheitsverläufen abgleichen - einer viel größeren Informationsbasis also, als ein einziger Mediziner sie in seinem Gedächtnis tragen kann.

Einer Studie zufolge kann ein Computeralgorithmus schon jetzt Herzerkrankungen besser vorhersagen als Ärzte. "Ärzte können dafür in Zukunft ihren Fokus auf die sozialen Aspekte ihres Berufs legen", sagt Pfeifer.

Doch vielen Menschen ist unwohl bei dem Gedanken an eine digitalisierte Medizin. Denn wo speichert der Patient all seine Gesundheitsdaten? Was passiert, wenn bei einem Hack die hochsensiblen Informationen in falsche Hände geraten? All diese Fragen sind noch nicht geklärt. "Die neue digitale Medizinwelt funktioniert nur, wenn jeder Patient den Zugriff auf seine eigenen Daten hat und selbst entscheidet, mit wem er seine Daten teilen will", sagt Pfeifer.

Kapitel 3

Die Ernährung der Zukunft


Als Mia die Küche betritt, riecht sie den Duft eines frisch gebratenen Spiegeleis. Ihr Frühstück ist fertig, es steht angerichtet auf einem Teller. Das alles haben ihr Kühlschrank und die Küchenmaschine erledigt. Sie haben die nötigen Zutaten herausgegeben und das Ei in einer Pfanne angebraten.

Auch das Mittagessen hat die Küchenmaschine in einem Ofen für Mia schon vorbereitet und in eine To-Go-Box gelegt: Rinderbraten aus Zellkulturen. Das künstliche Fleisch ist in Bioreaktoren gezüchtet worden. Mia mag es, das proteinhaltige Fleisch aus dem Labor zu essen, denn dafür müssen keine Tiere getötet werden, es schmeckt vorzüglich - und der Umwelt schadet es auch nicht.

Mia war seit Jahren nicht mehr einkaufen, auch das regelt ihr Kühlschrank - beziehungsweise Ben, der im Hintergrund Bestände und Bestellungen koordiniert. Neigt sich ein Lebensmittel dem Ende zu, merken dies eingebaute Waagen, und eine Online-Bestellung wird an den Supermarkt versandt. Mia braucht nur die angelieferten Einkäufe aus einer Postbox vor ihrer Haustür in ihre Wohnung tragen. Schlecht wird selten etwas: Da sie an ihrem Kühlschrank einen umweltbewussten "Null Abfall"-Modus eingeschaltet hat, werden die Bestellmengen an ihre Verbrauchsmuster angepasst.


Bis 2037 wird sich verändern, was wir essen, und wie wir es zubereiten. Dass jemand sein Frühstück zum Beispiel von einer Küchenmaschine vorbereiten lässt und selbst nicht mehr einkaufen geht, liegt nicht mehr in weiter Ferne. Smarte Kühlschränke gibt es bereits von fast allen großen Anbietern - jedoch sind sie aktuell noch zu teuer für den normalen Haushalt. Durch Scans behalten diese einen Überblick über die enthaltenen Produkte und deren Ablaufdaten. Sie sind mit Einkaufsportalen verbunden, über die Lebensmittel bestellt werden können.

Bestellung könnten automatisiert auf Basis unserer Vorlieben geschehen, ohne dass wir selbst aktiv werden müssen. Aber wird es nicht langweilig, wenn uns der Kühlschrank immer nur aufgebrauchte Produkte nachbestellt? Wohl kaum. Ein Bedürfnis nach Abwechslung kann ein Algorithmus ebenfalls erlernen, wie zum Beispiel: "Ich möchte immer ausreichend Haferflocken und Äpfel haben, zusätzlich jede Woche die Zutaten für ein Gericht, das ich noch nie gekocht habe."

Auch Mias Mittagessen, ein Steak aus künstlichem Fleisch, wird es bis 2030 mit hoher Wahrscheinlichkeit geben. Es existieren bereits zahlreiche Start-ups, die Fleisch aus Zellkulturen herstellen. Dabei werden Zellen aus einem lebenden Tier zunächst vermehrt, in großen Bioreaktoren wachsen sie anschließend zu Muskeln und Fett heran. Im Jahr 2016 präsentierte eine US-Firma das erste Fleischbällchen aus Zellkulturen. Es nahm bis zu 90 Prozent weniger Wasser- und Landressourcen in Anspruch als herkömmliches Fleisch.

Doch noch sind die Produkte viel zu teuer: Der erste Burger aus dem Labor kostete rund 330.000 Dollar. In den nächsten Jahrzehnten sollen die Preise aber stark fallen: Der Hersteller des ersten Labor-Burgers schätzt, dass seine Produkte schon im Jahr 2020 etwa 10 Dollar pro Stück kosten werden - und fünf Jahre später so viel wie der günstigste konventionelle Fleischburger auf dem Markt. Spätestens dann steht künstliches Fleisch vor dem Durchbruch.

Kapitel 4

Die Mobilität der Zukunft


Durch die Fenster von Mias Wohnung geht der Blick nach draußen über Hochhäuser, die von breiten Balkon-Bändern umschlungen sind, auf denen Gemüse, Sträucher und Blumen wachsen.

Mia verlässt das Haus, in dem sie wohnt und geht zu Fuß zur Bahnhaltestelle. Auf den breiten Straßen reiht sich ein kleiner grüner Park an den nächsten. Sie erinnert sich, dass das in ihrer Kindheit noch anders war: Da verstopften unzählige Autos die Straßen. Doch mittlerweile sind die Menschen mit autonom fahrenden, elektrifizierten Gefährten unterwegs. Seitdem gibt es an den Straßen viel mehr Platz für Fußgänger und Grünflächen.

An der Bahnhaltestelle angekommen, fährt sie mit einem Aufzug hinab und steigt in einen Hochgeschwindigkeitszug, der sie zum Büro bringt. Auf halber Strecke steigt sie von einem fahrenden in einen anderen fahrenden Zug um. Eine überfüllte U-Bahn-Haltestelle hat Mia schon seit Jahren nicht mehr betreten.


Schon heute ersticken Megacitys an ihrem Verkehrsaufkommen. In Städten wie Singapur, London oder Tokio steht die Verkehrsinfrastruktur kurz vor dem Kollaps. Mobilitäts- und Stadtforscher entwickeln daher ganz neue Konzepte für die Zukunft.

Designer der Londoner U-Bahn haben etwa Superzüge entworfen, in denen man während der Fahrt umsteigen kann. Solche Züge lassen sich während der Fahrt verbinden, sodass Passagiere zu bestimmten Zeiten zwischen ihnen hin und her wechseln können. Das spart Zeit und Geld. Städte bräuchten weniger Bahnhöfe, und den Passagieren bliebe es erspart, an verstopften Haltestellen herumzustehen. "Die Notwendigkeit derartiger Lösungen sowie der Stand der technischen Entwicklung zeigen an, dass solche Systeme schon in den 2030er-Jahren Realität sein werden", sagt Zukunftsforscher Lindinger.

Außerdem würden schon bald autonom fahrende, elektrifizierte Busse und Autos im Innenstadtverkehr herkömmliche Autos ersetzen. Unfälle mit vielen Toten und Staus gehören dann der Vergangenheit an, weil Computersysteme Autos sicherer steuern als Menschen. "Sollte sich dieses Szenario bewahrheiten, wäre auch eine Rückbegrünung der Städte die Folge, und es gäbe mehr Platz für Fußgänger", sagt Lindinger.

Kapitel 5

Die Arbeit der Zukunft


Mia steuert einen schwer beladenen Truck durch die Straßen ihrer Stadt. Ihr Ziel: eine Fabrikhalle in einem Industriegebiet. Mia befindet sich nicht im Führerhaus des Lkw, sie sitzt viele Kilometer entfernt in einem Fahrsimulator eines Logistikzentrums und steuert den Lkw von dort aus.

Denn sie ist "Human-Takeover-Truckerin": Sobald autonom fahrende Lkw die Autobahnen verlassen und in die Innenstadt fahren, kommen sie nicht mehr von alleine weiter, weil die Strecken zu kompliziert sind. Mia übernimmt dann mithilfe eines Computers die Steuerung des Trucks und fährt ihn zum Ziel.

Mia arbeitet nur vier Stunden am Tag, nebenbei macht sie eine Umschulung zur Innenausstatterin für virtuelle Räume.


Arbeitsforscher sehen es als überholt an, dass wir jahrelang nur einen Beruf ausüben, der unsere Identität bestimmt. Der technologische Fortschritt wird immer wieder dafür sorgen, dass sich Jobs verändern oder ganz wegfallen. "Menschen müssen sich auf einen lebenslangen Ausbildungsprozess einstellen", sagt Zukunftsforscherin Pfeifer. Aufgrund des technologischen Fortschritts werde das Produktivitätsniveau der gesamten Volkswirtschaft steigen. "Meine Wunschvorstellung wäre, dass Menschen deshalb insgesamt weniger arbeiten werden und ihre Zeit auch für Weiterbildungen und Ehrenamt nutzen können", sagt Pfeifer.

In einem weniger optimistischen Szenario kann das aber auch bedeuten, dass die Arbeitslosigkeit extrem steigt, weil Roboter viele Jobs hinfällig machen. Es könnte ein gänzlich neues Arbeitsmarktsystem entstehen, in dem Lohnarbeit überflüssig wird und ein bedingungsloses Grundeinkommen viele Menschen ernährt.

Mias Job als Human-Takeover-Truckerin ist ein Beispiel für einen ganz neuen Beruf. Denn selbstfahrende Lastwagen dürften bald kommen - alle großen Hersteller arbeiten daran. Menschliche Fahrer kommen dann nur für die sogenannte Last-Mile-Delivery zum Einsatz, also jene Strecke durch die Stadt, die die Lkw nicht alleine schaffen. Doch auch diese Jobs werden irgendwann wegfallen. Einige Jahrzehnte später wird die Technik soweit entwickelt sein, dass selbstfahrende Laster die gesamte Strecke ohne Mensch meistern können.

Kapitel 6

Die Freizeit der Zukunft


Mia verbringt ihren Feierabend mit ihren Freunden, sie sitzen auf Mias Couch im Wohnzimmer und wollen auf Expedition gehen. Ihr Ziel: der Mars.

Für die Reise brauchen sie weder ein Spaceshuttle noch einen Astronautenanzug. Sie können bequem auf der Couch sitzen bleiben und brauchen nur ihre aktiven Kontaktlinsen einzusetzen. Sofort erscheinen virtuelle Räume und Welten vor ihren Augen. Mithilfe der Virtual-Reality-Linsen können Mia und ihre Freunde über den Planeten spazieren, sich die Marsstation anschauen und mit einem Geländetruck über die Sanddünen fahren. Ein virtueller Tourguide begleitet die Gruppe und erzählt ihnen spannende Geschichten über den roten Planeten.


Eine Zukunft, in der man in der virtuellen Welt auf Reisen geht, ist nicht mehr in weiter Ferne: "Schon in fünf bis zehn Jahren wird es möglich sein, virtuell Urlaub zu machen", sagt Zukunftsforscher Lindinger. Denn dann kämen die ersten aktiven Kontaktlinsen mit unbegrenzter Auflösung auf den Markt. "Der Benutzer setzt sie ein und sieht lebensechte Bilder vor sich, die nicht mehr von der Realität zu unterscheiden sind", sagt Lindinger.

Schon heute sind technisch überzeugende Virtual-Reality-Brillen im Elektromarkt angekommen, mit denen man Spiele spielen kann. Doch noch sind die klobigen Brillen kein Massenmedium, vielen wird beim Tragen der Brillen übel. Experten sagen, dass VR-Spiele zurzeit in einer ähnlichen Entwicklungsphase sind wie Computerspiele in den Siebzigerjahren.

Noch steht diese Entwicklung am Anfang. Doch in Zukunft können Nutzer gemeinsam mit ihren Freunden in virtuelle Welten reisen: Sie spazieren auf dem Mars, tauchen in der Tiefsee oder besichtigen den Taj Mahal. Bei diesen virtuellen Sightseeing-Trips fühlt sich alles perfekt an. "Es ist es möglich, Dinge zu erleben, die man in der Realität niemals wagen würde, oder Weltkulturstätten aus nächster Nähe zu betrachten. Nach ein paar Stunden werden wir vergessen, dass es nicht das reale Leben ist", sagt Pfeifer.

Doch das kann für Nutzer auch zu einer Gefahr werden. Menschen, die im realen Leben nicht zurechtkommen, könnten sich in der virtuellen Welt verlieren und süchtig danach werden. Und noch ist völlig unklar, wie wir Menschen damit umgehen, wenn die Grenzen zwischen realen und virtuellen Leben miteinander verschwimmen. "Ich hoffe, dass die Menschen, wie bei anderen Medien - Literatur, Film oder Social Media - auch bei der virtuellen Realität die Kompetenz entwickeln werden, zwischen Fiktion und Realität zu unterscheiden ", sagt Pfeifer.

Epilog


Mias Alltag zeigt uns, dass unser zukünftiges Leben viel einfacher wird als heute: Dank vernetzter Geräte entfällt lästige Arbeit im Haushalt - wir hätten dann mehr Zeit für die wirklich wichtigen Dinge wie Freunde und Familie. Eine Künstliche Intelligenz könnte unseren Alltag zusätzlich vereinfachen und uns unterstützen, gesund zu bleiben. Dank Erfindungen wie In-Vitro-Fleisch und autonomer Fahrzeuge könnte die Welt grüner, nachhaltiger und schöner werden. Und womöglich arbeiten wir weniger und stressfreier, wenn wir den technologischen Fortschritt sinnvoll nutzen.

Ob es so kommt, steht freilich nicht fest. Was 2037 tatsächlich Realität sein wird, hängt von den Entscheidungen ab, welche die Gesellschaft, Politik und Wirtschaft bis dahin treffen. Der Stand der Forschung zeigt uns aber: Es gibt genug Gründe, an eine aufregende und schöne Zukunft zu glauben.

Impressum


Autoren: Henning Jauernig, Isabella Reichert

Illustration: Tim Verhaert

Animation: Lennart Breede, Tim Verhaert

Redaktion: Yasmin El-Sharif

Grafik: Katja Braun

Videoproduktion: Martin Jäschke, Layla Sboron

Schlussredaktion: Christine Sommerschuh

Programmierung: Chris Kurt, Dawood Ohdah