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Deutschlandfonds: BMW und Porsche bemühen sich um Staatskredit

115 Milliarden Euro liegen im Deutschlandfonds für notleidende Unternehmen - doch das Geld wurde bislang kaum angefragt. Jetzt interessieren sich nach SPIEGEL-Informationen unter anderem Porsche und BMW für einen Staatskredit.

Hamburg/Berlin - Erste Adressen der deutschen Wirtschaft bemühen sich um Staatshilfen aus den Konjunkturprogrammen des Bundes. So sprach Porsche bei der KfW-Bankengruppe vor, um sich über die Konditionen für einen Staatskredit zu erkundigen. Das Unternehmen will nach Informationen des SPIEGEL ein Darlehen in Höhe von rund einer Milliarde Euro.

Logos von BMW, Porsche: Milliardenkredit aus Deutschlandfonds?
DDP; DPA

Logos von BMW, Porsche: Milliardenkredit aus Deutschlandfonds?

Staatliche Absicherungen für Kredite bei anderen Kreditinstituten will Porsche aber nicht in Anspruch nehmen. "Wir brauchen keine Bundes- und auch keine Landesbürgschaften", erklärte ein Porsche-Sprecher. Auch der Automobilhersteller BMW informierte sich bei der KfW über einen Kredit aus dem sogenannten Deutschlandfonds der Bundesregierung.

Neben einer Bürgschaft hat der angeschlagene Warenhauskonzern Arcandor ebenfalls einen Staatskredit von rund einer halben Milliarde Euro beantragt. Die Bürgschaft soll etwa in gleicher Höhe ausfallen. Mit 53.000 Mitarbeitern in Deutschland seien Arcandor und seine Tochterunternehmen Quelle und Karstadt sowohl volkswirtschaftlich als auch gesellschaftspolitisch relevant, begründete der Handelsriese seinen Anspruch auf Hilfe. "Wir wollen weder etwas geschenkt, noch wollen wir den Einstieg des Staates als Aktionär bei Arcandor beziehungsweise sonstige Sonder-Finanzspritzen", sagte Konzernchef Karl-Gerhard Eick in Essen.

Bei der Konkurrenz stößt der Wunsch von Arcandor, einen Teil seiner Kredite durch Staatsbürgschaften abzusichern, auf heftigen Widerstand. Der Chef des größten deutschen Handelskonzerns Metro Eckhard Cordes warnte erst vor wenigen Tagen davor, dass eine derartige staatliche Intervention zugunsten eines Wettbewerbers die Metro benachteilige und ordnungspolitisch außerordentlich fragwürdig sei.

Auch der Aufsichtsratschef des Otto-Versands, Michael Otto, äußerte sich kritisch. "Die Bundesregierung muss sehr vorsichtig sein, damit sie nicht durch Missmanagement marode gewordene Unternehmen stützt", zitierte ihn die "Financial Times Deutschland".

Nach SPIEGEL-Informationen hat auch der Maschinenbauer Heidelberger Druckmaschinen einen KfW-Kredit über 300 Millionen Euro und eine Bürgschaft über 400 Millionen Euro beantragt. Beides soll am Mittwoch vom Lenkungsausschuss für den Deutschlandfonds bewilligt werden.

Und auch der Essener Baukonzern Hochtief erwägt, einen Staatskredit in Höhe von 200 Millionen Euro zu beantragen. Der Nutzfahrzeughersteller Iveco hat ebenfalls schon um einen Kredit nachgesucht. Eine Bürgschaft in dreistelliger Millionenhöhe haben ebenfalls der Kölner Autobauer Ford und die Rostocker Wadan Werft angemeldet.

Erst vor wenigen Tagen war bekannt geworden, dass der von der Regierung eingerichtete Deutschlandfonds zur Unterstützung notleidender Firmen bislang kaum angenommen wird. Insgesamt lägen bisher Kreditanträge in Höhe von insgesamt 4,4 Milliarden Euro vor, teilte das Bundeswirtschaftsministerium am Donnerstag mit. Eine Bürgschaft beantragten oder erfragten demnach knapp 20 Firmen; das Volumen betrage hier insgesamt mehr als sechs Milliarden Euro.

Im Deutschlandfonds stehen insgesamt 115 Milliarden Euro für Kredite und Bürgschaften zur Verfügung. Das Wirtschaftsministerium rechnet mit einer zunehmenden Nachfrage in den kommenden Wochen.

phw/AP

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