DFB-Verfahren Bundeskartellamt versetzt Chefermittler

Ist er dem deutschen Fußball zu sehr auf die Füße getreten? Der Chef des Bundeskartellamtes hat den zuständigen Berichterstatter für die Untersuchungen gegen den Deutschen Fußballbund und die Deutsche Fußballliga abgezogen. Die Entscheidung sorgt im Amt selbst für Empörung.


Bonn - Nach einer zufälligen Entscheidung sieht es nicht aus und sie sorgt für Aufruhr im Amt: Mit sofortiger Wirkung hat der Präsident des Bundeskartellamts, Bernhard Heitzer, den für die Kartellverfahren gegen den Deutschen Fußballbund (DFB) und die Deutsche Fußball-Liga (DFL) zuständigen Berichterstatter in eine andere Abteilung versetzt. Das meldet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Unter den Mitarbeitern habe dies für große Unruhe gesorgt.

Kartellamtschef Heitzer: Massive Kritik an Personalentscheidung
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Kartellamtschef Heitzer: Massive Kritik an Personalentscheidung

Der Personalrat wirft Heitzer laut "FAZ" sogar vor, die Unabhängigkeit des Amtes aufs Spiel zu setzen. Die Versetzung werde "als Signal gewertet werden, dass sich das Amt öffentlichem und politischem Druck beugt", heißt es in einem Brief der Personalvertretung, aus dem die "FAZ" zitiert. Selbst die Führungsebene teile die Kritik an Heitzer, die elf Leiter der Beschlussabteilungen sowie der Vizepräsident Peter Klocker hätten die Versetzung geschlossen missbilligt. Heitzer selbst jedoch wehrt sich gegen die Vorwürfe und erklärte, die "Umsetzung" des Beamten gehe ausschließlich auf persönliche Gründe zurück.

Das aber ist umstritten, denn tatsächlich folgt die Versetzung auf die massive Kritik, die vor allem der DFB am Vorgehen des Kartellamtes geübt hat. Die Behörde ermittelt derzeit in zwei Fällen gegen DFL und DFB, der jetzt versetzte Beamte leitete laut "FAZ" beide Verfahren und galt als treibende Kraft. Im Zentrum der Untersuchungen stehen das neue Modell des DFL für die Zentralvermarktung der Medienrechte der Fußball-Bundesliga sowie der Verdacht von Preisabsprachen. Nach einer Hausdurchsuchung der Geschäftsräume drohte der DFB mit der Absage des DFB-Pokalfinalspiels sowie zweier Testspiele der Nationalmannschaft.

Nach dem Urteil des Personalrats stehe Heitzers Aktion "in unmittelbarem Zusammenhang mit inhaltlichen Entscheidungen der Beschlussabteilung", zitiert die "FAZ" weiter aus dem Brief. Der Präsident habe den Beamten von dem Fall abgezogen, weil er mit dessen Vorgehen gegen DFB und DFL nicht einverstanden gewesen sei. Ein derartiger Eingriff stelle "einen in der 50-jährigen Geschichte des Bundeskartellamtes bisher einmaligen Vorgang dar".

Der DFB hatte in den vergangenen Wochen mehrmals versucht, bei Innenminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) Einfluss auf die Entscheidung des Kartellamtes zu nehmen. Im Wirtschaftsministerium beteuert man allerdings, es habe keinerlei Versuche gegeben, der Behörde vorzuschreiben, was sie zu tun habe. Tatsächlich werden die Entscheidungen des Kartellamtes nicht einmal vom Präsidenten der Behörde getroffen, sondern von den elf nach Branchen gegliederten Beschlussabteilungen.

Nach Informationen der "FAZ" dürften sich die laufenden Verfahren durch die Versetzung verzögern, wie sie sich inhaltlich auswirke, sei offen. Der versetzte Beamte habe Einspruch gegen Heitzers Maßnahme erhoben. Er bleibe zwar zunächst in der Abteilung, dürfe mit dem Fall aber kaum noch federführend befasst sein.

sam



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