Lernen von Dietrich Mateschitz Erfolg verleiht Flügel

Der Mann hinter Red Bull hat es vom Bummelstudenten zum Milliardär gebracht - dank einer klebrigen Brause, die er noch nicht einmal selbst erfunden hat. Doch Dietrich Mateschitz verstand sich vortrefflich darauf, dem Wachstum seiner Geschäftsidee nicht im Wege zu stehen.

Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz: Meister im Nutzen von Erfolgen
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Red-Bull-Gründer Dietrich Mateschitz: Meister im Nutzen von Erfolgen

Von Frank Arnold


Nicht viele Organisationen sind wirklich gut darin, ihre Erfolge zu nutzen. Die meisten sind sogar ziemlich schlecht. Und zwar, weil sie glauben, dass sie den Erfolg verdient haben und das Ziel jetzt erreicht sei. Falsch! Denn an dieser Stelle beginnt die Arbeit überhaupt erst. Von Dietrich Mateschitz, Jahrgang 1944 und Vater von Red Bull, können wir viel darüber lernen, wie man Erfolge optimal nutzt.

"Was willst du mit dem pappigen Zeug?", fragte man ihn, als er die Marke Red Bull aus Asien nach Europa brachte. Noch dazu sollte das nach Gummibärchen schmeckende Produkt ein Vielfaches von Coca-Cola oder Pepsi kosten. "Als wir anfingen, sagten wir: 'Es gibt keinen existierenden Markt für Red Bull", erinnert sich Mateschitz. Als Red Bull rasch zum Erfolg wurde, taten es die Konkurrenten zunächst als Modeerscheinung ab. Dann versuchten sie, Mateschitz Erfolgsrezept zu kopieren. "Bei 142 Nachahmern haben wir aufgehört zu zählen", sagte Mateschitz im Jahr 2002, 15 Jahre später.

Positiv verstandenes Guerilla Marketing

Eines der Erfolgsrezepte: Mateschitz hat stets massiv in den Aufbau der Marke investiert. Im Jahr 2004 steckte er rund 600 Millionen Dollar, etwa 30 Prozent der Einkünfte in Marketing. Coca-Cola verwendet darauf rund neun Prozent. Statt aber für Millionengagen teure Superstars als Testimonials zu verpflichten, wie es PepsiCo und Coca-Cola taten, ging Mateschitz auf die Suche nach aufkommenden neuen Stars in eher unkonventionellen Disziplinen. So ist heute im Extremsport-Segment keine Marke so präsent wie Red Bull. Egal, ob die Flugshows der Flying Bulls, Kitesurfen in Hawaii, Downhill-Mountainbiking oder Klippenspringen - jedes Jahr werden Dutzende Events unter dem Red-Bull-Logo veranstaltet. Inzwischen gehören auch Kulturveranstaltungen dazu, die unter den Schlagwörtern Red Bull Music and Dance laufen. Von Beginn an hat Mateschitz auf ein positiv verstandenes Guerilla Marketing gesetzt. Das bedeutet Profilierung durch kreative, andersartige Herangehensweisen bei sparsamem Ressourceneinsatz.

Lernen wir von Dietrich Mateschitz also das Nutzen von Erfolgen. In jeder Organisation gibt es die Tendenz, sich auf Probleme zu konzentrieren. Wie ein Gewicht, das von der Schwerkraft angezogen wird, fällt der Blick der Führungskräfte immer auf die Schwierigkeiten. Plakativ gesprochen sind Organisationen problemfokusiert statt chancenorientiert. Die besten Chancen auf Erfolg haben Unternehmen (und auch Menschen), wenn sie ihre eigenen Erfolge nutzen und dann auf diesen Erfolgen weiter aufbauen.

Mateschitz ist auf der Erfolgswelle von Red Bull einfach immer weiter geritten, regelmäßig übertraf das simple Produkt die Umsatzerwartungen seiner Macher. Die sorgten aber stets dafür, dass die Marke ihr Potental auch ausgeschöpfen konnte, zum Beipiel indem sie das Wachstum lange Zeit durch die gewaltigen Marketinginvestitionen unterfütterten,anstatt das Geld in neue Geschäftsfelder zu stecken. Das passierte erst in den vergangenen Jahren.

Erfolge nähren, Probleme aushungern

Erfolge zu nutzen heißt im Umkehrschluss aber nicht, Probleme zu ignorieren. Um ein ernsthaftes Problem muss man sich selbstverständlich kümmern. Aber Organisationen, die Veränderungen erfolgreich meistern, konzentrieren sich auf ihre Erfolge: Nähren Sie Erfolge und hungern Sie Probleme aus.

Wie erkennen Sie nun aber die Erfolge, insbesondere die unerwarteten? Was Sie benötigen, ist eine zusätzliche erste Seite im Monatsbericht. Auf dieser Seite werden alle Resultate der Organisation aufgeführt, bei denen die Erwartungen übertroffen wurden: Umsatz, Absatzvolumen, Gewinn, Produktivität, Innovationsleistungen oder Bewerbungen vielversprechender Kandidaten. Zusätzlich sollten auf dieser Seite jeden Monat die erkannten Chancen aufgelistet werden. Diese Seite sollte noch vor der Seite kommen, welche die Probleme auflistet. Für die Seite der Chancen sollten Sie so viel Zeit aufwenden, wie Sie vorher für die Seite der Probleme verwendet haben.

Machen Sie jetzt Ihre kompetentesten und leistungsstärksten Leute für die Umsetzung der größten Chancen verantwortlich! Unternehmen, die dieses Vorgehen zur monatlichen Routine machen, wandeln sich von problemfokussierten zu chancenorientierten Organisationen. Kein Zweifel: Erfolge erkennen verleiht Flügel!



insgesamt 19 Beiträge
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Seite 1
SpitzensteuersatzZahler 25.03.2012
1.
Was Herr Mateschitz hier aufgebaut hat, nötigt mir Respekt ab. Wir bräuchten mehr solche Machertypen und weniger Quengler.
mitbestimmender wähler 25.03.2012
2. Macher wie Mateschitz sind die waren Freien Unternehmer mit Visionen
Ja meine Hochachtung vor solchen Machern wie Mateschitz oder der Hayek Familie (Swatch). Aber was den Brüsseler zu denken geben sollte ist das vermehrt solche Unternehmer eine Produktion in der Schweiz (siehe RedBull) und Anderswo ausserhalb der EU aufziehen um anbahnenden Wirtschaftskriegen EU-USA-CHINA zu entgehen.
cs01 25.03.2012
3. .
Seinen Erfolg gönne ich ihm. Er hätte bloß irgendein anderes Produkt und nicht dieses gesundheitsschädliche übel schmeckende Zeugs nehmen sollen.
xzz 25.03.2012
4. titelbefreit
Zitat von sysopGetty ImagesDer Mann hinter dem Red Bull hat es vom Bummelstudenten zum Milliardär gebracht - dank einer klebrigen Brause, die er noch nicht einmal selbst erfunden hat. Doch Dietrich Mateschitz verstand sich vortrefflich darauf, dem Wachstum seiner Geschäftsidee nicht im Wege zu stehen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,823080,00.html
Eine Fülle von Vorschriften von kommunaler Ebene bis Nötigungen aus Brüssel verhindert den Aufbau neuer Unternehmen sehr effektiv. Wenn das knappe Budget eines Gründers für Juristen und Steuerberater statt Produktion, Forschung und Marketing ausgegeben wird, kommt es gar nicht erst zur Gründung.
Berliner42 25.03.2012
5. kein Titel
Zitat von SpitzensteuersatzZahlerWas Herr Mateschitz hier aufgebaut hat, nötigt mir Respekt ab. Wir bräuchten mehr solche Machertypen und weniger Quengler.
Schmeckt trotzdem eklig. Ich habe das einmal probiert und mindestens irgendeinen aromatischen oder irgendwie positiv überraschenden Geschmack erwartet, aber stattdessen war es einfach nur süßes Bonbonwasser. Bleibt eigentlich nur das Koffeein als Erklärung. Da kann man sich genauso gut Guarana-Pulver in eine besser schmeckende Limo kippen. Hab's seitdem nie wieder gekauft. Für so einen Grusel-Geschmack bezahle ich nicht so viel Geld.
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