Die reichsten Deutschen Geheimsache "Lidl"

Nahezu geräuschlos hat Dieter Schwarz in den vergangenen rund drei Jahrzehnten ein Handelsimperium von europäischem Rang errichtet. Einen seiner Läden kennt hier zu Lande wohl jeder, ihn selbst nur die wenigsten.


Hamburg - Seine Öffentlichkeitsscheu und Heimlichtuerei reichen locker an die der "Aldi-Brüder" heran. Wie Karl und Theo Albrecht wünscht auch der Vorsteher der Lidl & Schwarz-Gruppe kein allzu großes Publikum für seine unternehmerischen Aktivitäten: Fotografieren lässt er sich fast nie, Interviews lehnt er jahrzehntelang strikt ab, Auskunft zur wirtschaftlichen Lage seines Firmenkonglomerats erteilt er nur Mitstreitern. Und so trägt sich die Erfolgsgeschichte des Dieter Schwarz über weite Strecken im Verborgenen zu.
Lidl-Markt: Eine von bundesweit inzwischen rund 1700 Filialen
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Lidl-Markt: Eine von bundesweit inzwischen rund 1700 Filialen

Ihren Anfang nimmt sie 1930 mit Vater Josef. Dieser tritt als Komplementär in die Südfrüchte Großhandlung Lidl & Co. ein, die er rasch zur Sortiment-Großhandlung für Lebensmittel umgestaltet. Sie wird 1944 zerstört. Binnen zehn Jahren gelingt der Wiederaufbau. Die Firma erhält in Heilbronn erneut ein eigenes Domizil und tritt zugleich in die A&O Handelskette ein. 1972 wird die Zentrale nach Neckarsulm verlegt. Fünf Jahre später stirbt Schwarz senior im Alter von 74 Jahren. Der Stab wechselt an seinen Sohn Dieter, der die Familiengeschäfte indes schon seit einigen Jahren an der Seite des Vaters führt. Einen Tausender für Lidl Gleich zu Beginn seiner Karriere beweist der Jungmanager ein gerüttelt Maß Cleverness. Den Namen Lidl, der die väterliche Firma ziert, darf er aus rechtlichen Gründen nicht ohne weiteres übernehmen. Aber mit einem "Schwarz-Markt" sein Glück versuchen? Kurzerhand kauft er einem pensionierten Gewerbeschullehrer namens Ludwig Lidl dessen Namensrechte für tausend Mark ab und sorgt fortan ganz legal mit seiner Gesellschaft "Lidl & Schwarz" für Furore.Diese ist vor allem auf zwei Feldern aktiv, dem Discount und den SB-Warenhäusern. Von Süddeutschland aus startet Dieter Schwarz mit seinen "Lidl" genannten Supermärkten und den unter "Kaufland", "Handelshof" und "Ruef C+C" firmierenden Verbrauchermärkten - im Branchenjargon Großflächen. Erfolg ist ihm beschieden, da er vor allem eines ist: billiger als die Konkurrenz. Er gehe jeden Preis mit, heißt es, was nicht nur den Schwaben gefällt.

Das Unternehmen expandiert zunächst in die Region, bald in die ganze Republik und schließlich auch über die Grenzen hinaus in das europäische Ausland. Weithin unbemerkt arbeitet sich Schwarz bei den Discountern wie auch den SB-Warenhäusern in Deutschland hinter die Branchenführer "Aldi" und "Real" (Metro-Gruppe) jeweils auf Rang zwei vor. Experten schätzen, dass der schweigsame Konzernlenker unterdessen 3000 bis 4000 Supermärkte und SB-Warenhäuser betreibt und damit zum fünftgrößten Lebensmittelhändler des Kontinents aufgestiegen ist. Um die 40.000 Mitarbeiter sollen gegenwärtig gut 30 Milliarden Mark Umsatz erlösen. Zahlen, die in Neckarsulm geflissentlich nicht kommentiert werden. "Auch in zehn Jahren noch einer der Großen" Vor zwei Jahren nun hat Schwarz, der als weitsichtiger Patron mit Fingerspitzengefühl gilt, seinen Rückzug in die Wege geleitet. Er überträgt den größten Teil seines auf 8,5 Milliarden Mark geschätzten Vermögens sowie das Eigentum an seinem Handelsunternehmen auf die gemeinnützige Dieter Schwarz Stiftung gGmbH, deren Zweck unter anderem die Förderung von Wissenschaft und Forschung, von Kunst und Kultur ist. Diese Stiftung wiederum hält 99,9 Prozent des Kapitals der Schwarz Beteiligungs-GmbH, in der alle Beteiligungen an operativen Gesellschaften gebündelt sind. Die beiden wichtigsten: die Kaufland Stiftung & Co. KG, unter deren Dach das Warenhausgeschäft zusammengeführt wird; daneben die Lidl Stiftung & Co. KG, der die "Lidl"-Discounter zugeordnet sind.

Zwar verfügt die Dieter Schwarz Stiftung über die Kapitalmehrheit an der Beteilungsgesellschaft, Stimmrechte hingegen besitzt sie nicht. Diese liegen bei der Schwarz Unternehmenstreuhand KG, die ihrerseits die restlichen 0,1 Prozent der Kapitalanteile besitzt. Der Holding, dem eigentlichen Machtzentrum des Konzerns, gehören mehrheitlich langjährige Weggefährten von Dieter Schwarz an. Sie wie auch die Stiftungskonstruktion sollen gewährleisten, dass die Lidl & Schwarz-Unternehmensgruppe auch in Zeiten wachsender Konzentration in der Branche unabhängig bleibt und "noch in zehn Jahren als eigenständige Firma zu den ersten Zehn des hiesigen Einzelhandels" gehört.Jedoch so ganz auf den Ruhestand und die Verwaltung seines Privatvermögens mag sich der 61-jährige Vater von drei Töchtern nicht verlegen. Der Treuhand KG gehört Dieter Schwarz weiterhin als außerordentliches Mitglied an. Missliebige Entscheidungen kann er mit seinem exklusiven Vetorecht zur Not auch künftig jederzeit blockieren. Christian Keun, manager-magazin.de



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