Die reichsten Deutschen Keine Schraube locker

Mit 19 Jahren übernahm Reinhold Würth den Schraubenhandel seines Vaters. Seitdem hat er aus dem Zwei-Mann-Betrieb den weltweit größten Direktvertrieb für Montage- und Befestigungstechnik gemacht.


Reinhold Würth
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Reinhold Würth

Auf die Frage, wer oder was er am liebsten sein möchte, antwortete er der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": Chefpandabär mit großer Familie im unbewohnten China. Als Chef der Adolf Würth GmbH & Co. KG ist Reinhold Würth diesem Ideal relativ nahe gekommen. Das Unternehmen wird wie eine große Familie geführt. Erfolgreiche Vertriebsmitarbeiter werden schon mal ein bis zwei Wochen in die Schweiz oder in die Karibik eingeladen. 1600 Mitarbeiter und ihre Angehörigen waren beim bisher größten "Familienausflug" in der französischen Schweiz dabei. Die Großzügigkeit ist nicht völlig uneigennützig. Der Erfolg eines Unternehmens hängt seiner Meinung nach zu mehr als 50 Prozent von der Mitarbeiterführung ab. Deswegen knausert der Unternehmer auch nicht, wenn es um die Belohnung erfolgreicher Mitarbeiter geht.

Zweistellige Wachstumsraten

Die Entwicklung der Adolf Würth GmbH & Co. KG scheint seine Philosophie zu bestätigen. Seit er das Unternehmen 1954 von seinem Vater Adolf Würth übernommen hat, ist die Firma stetig gewachsen. Allein in den vergangenen zehn Jahren stieg der Umsatz der Würth-Gruppe um fast das Dreifache auf über zehn Milliarden Mark im Jahr 2000. Gleichzeitig ist auch der Gewinn gestiegen. "Wachstum ohne Gewinn ist tödlich", so einer seiner Leitsätze, den sich viele Unternehmer aus der New Economy hinter die Ohren schreiben sollten. 2001 wird der Gewinn vor Steuern den Prognosen nach erstmals die 600-Millionen-Mark-Grenze überschreiten.

Das Konzept, das hinter dem Aufstieg steht, ist ebenso einfach wie gut. Zum einen ein professioneller, hoch motivierter Vertrieb, der den 1,5 Millionen Kunden ein Sortiment von rund 50.000 Produkten bietet. Zum Zweiten praktische Innovationen wie etwa die farbliche Markierung von Nuten, damit der Lehrling das Teil nicht falsch herum einsetzt.

Konzentration auf die Stärken

Lange bevor es in der Managementlehre in Mode kam, hat sich Würth auf das Kerngeschäft konzentriert. Handwerker und Werkstätten sind nach wie vor die wichtigste Klientel der Würth-Gruppe. Anders als Großunternehmen können sie den Handel nicht durch ihre Marktmacht unter Druck setzen. Die Produktion überlässt Würth in erster Linie anderen Unternehmen. Nur fünf Prozent werden selbst produziert. Den Rest kauft der Vorbild-Unternehmer, wo er am besten und billigsten zu haben ist.

Mit dem Aufstieg des Unternehmens ist Reinhold Würth einer der reichsten Männer Deutschlands geworden. Auf 8,8 Milliarden Mark wird sein Vermögen geschätzt. Der Franke landet damit im manager-magazin-Ranking der reichsten Deutschen auf Platz 20.

An der Universität Karlsruhe soll er nun jungen Leuten beibringen, wie man erfolgreich eine Firma gründet. Reinhold Würth, der mit 14 die Schule verlassen musste und nie studiert hat, wurde einer der ersten deutschen Professoren für Entrepreneurship. Wenn es sein muss, wird der Chef auch in der eigenen Firma noch erzieherisch tätig. Weil ihm die Mitarbeiter in der Hauptverwaltung zu arrogant erschienen, meldete er bei der Stadtverwaltung von Künzelsau kurzerhand eine Demonstration an und zog mit einem Handwagen zum alten Firmensitz.

Schillernder Selfmademan

Mit dieser eindrucksvollen Demonstration sollten die Angestellten auf die Ursprünge des Unternehmens hingewiesen werden. Als Auszubildender im Unternehmen seines Vaters lieferte Reinhold Würth auch mit dem Handwagen aus. Heute fliegt der Hobbypilot am liebsten mit einem seiner beiden Privatflugzeuge. Der Selfmademan gehört mit Sicherheit zu den schillerndsten Personen des deutschen Geldadels. In seiner Freizeit tauscht er den Anzug gern gegen die Motorradkluft und macht Touren auf seiner Harley-Davidson. Anders als viele der deutschen Superreichen hat der 66-Jährige keine Scheu, seinen Reichtum auch in der Öffentlichkeit zu zeigen. Schließlich hat er ihn sich selbst verdient.

Auf seinen Lorbeeren ausruhen mag sich Reinhold Würth aber nicht. Auch nachdem er sich 1994 aus der Unternehmensspitze verabschiedet hat, bleibt sein Terminkalender gut gefüllt. Als Vorsitzender des Unternehmensbeirats wacht er auch weiterhin über die Unternehmensführung. Daneben engagiert sich Würth als Mitglied der FDP und ist Vorsitzender der Bürgerinitiative Heilbronn-Franken, die sich für die Belange der Region stark macht. Vor allem aber hat sich Reinhold Würth in den vergangenen Jahren als Kunstmäzen einen Namen gemacht. Nicht nur, dass er selbst zahlreiche Kunstschätze sein Eigen nennt. Mit dem Museum Würth am Stammsitz in Künzelsau und der Kunsthalle Würth in Schwäbisch Hall hat er einen Großteil seiner Sammlung der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Zukunftssicherung

Um die Zukunft seines Unternehmens ist Reinhold Würth nicht bange. Im stark fragmentierten Schraubengroßhandel hält die Würth-Gruppe als eines der weltweit größten Unternehmen der Branche weniger als fünf Prozent. Genug Wachstumspotenzial also. Mehr Angst hat der Unternehmer vor den Erben. Bereits vor 14 Jahren hat er sein Vermögen auf vier Familienstiftungen aufgeteilt, um zu verhindern, dass sich einzelne Erben auszahlen lassen und damit den Fortbestand seines Lebenswerks gefährden.

Einen weiteren Schritt zur Zukunftssicherung hat er bereits getan. Als er vor rund sieben Jahren die Führung des operativen Geschäfts abgab, meinte er zur Begründung: "Ich wollte im Altersstarrsinn nicht kaputtmachen, was ich zuvor aufgebaut habe."

Tilman Weigel,manager-magazin.de



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