Die reichsten Deutschen "Klammheimlicher Zocker"

Ein Mann mit festem Willen: Bernhard Termühlen hat sich in die Liga der Superreichen emporgearbeitet. Seinen Reichtum trägt er nicht zur Schau, von öffentlichem Trubel hält der MLP-Chef nichts.


Der Hartnäckige: Bernd Termühlen

Der Hartnäckige: Bernd Termühlen

Hamburg - Bernhard Termühlen sieht aus, als habe er keine Ecken und Kanten, man möchte fast sagen: aalglatt. Die weißen Zähne blitzen, sobald der Topmanager lächelt. Auf Zuhörer macht der Strahlemann Eindruck. Gebannt hängen seine Jünger - meist hungrige Hochschulabsolventen - an seinen Lippen. Sie wissen, wer vor ihnen steht: Kein Schwätzer, sondern ein Mann mit festem Willen und einem noch festeren Glauben an sich selbst. Sein Name steht für Erfolg.

Als Sohn eines Bauunternehmers schlug Termühlen zunächst die gleiche Laufbahn wie sein Vater ein: Er wurde Bauingenieur. Doch als Zweitgeborener war von vornherein klar, dass er im elterlichen Betrieb stets die zweite Geige spielen würde. Das passte ihm nicht, also nahm er sein Leben selbst in die Hand. Mehr durch Zufall landete Termühlen bei dem Finanzdienstleister Marschollek Lautenschläger und Partner (MLP), einem aufstrebenden Vermögensverwalter. Aufmerksam auf den Job wurde er durch eine Anzeige in einer Lokalzeitung.

Mit Kind und Kegel zog Termühlen nach Hamburg und baute in mühevoller Kleinarbeit einen Kundenstamm auf. Ohne Büro, ohne Sekretärin, dafür mit dem richtigen Riecher. Tag für Tag ging er an die Universität, sprach Studenten an und versuchte sie für die Themen Altersvorsorge und Geldanlage zu gewinnen. Er glaubte an sich, an das, was er vertrat, und der Funke sprang über. Termühlen stieg zum erfolgreichsten MLP-Berater und zum besten Geschäftsstellenleiter auf. Firmengründer und Großaktionär Manfred Lautenschläger erkannte das Talent und berief Termühlen in den Vorstand.

Als das Geheimnis seines Erfolgs nennt eine enge Mitarbeiterin Termühlens seine Disziplin. "Er ist ein herausragender Stratege." Darüber hinaus verstehe er es, "eine Atmosphäre zu schaffen, in der sich seine Untergebenen entwickeln und unternehmerisch partizipieren können".

Was die Kollegin nicht sagt, was aber außer Frage steht bei einem Mann, der mehr als eine Milliarde angehäuft hat: Bernhard Termühlen ist risikobereit, ein klammheimlicher Zocker. An einer Kapitalerhöhung der MLP beteiligte er sich, indem er junge MLP-Aktien für 60 Millionen Mark kaufte - auf Kredit. Nur wenig später ging der Aktienkurs steil nach oben. Heute landet Termühlen auf Platz 88 im Ranking der reichsten Deutschen.

Katy Hillmann, manager-magazin.de



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