Die reichsten Deutschen Mit dem Bagger Milliarden geschaufelt

Anfangs verschmäht, waren die Krane des Maurermeisters Hans Liebherr schon bald von keiner Baustelle mehr wegzudenken. Die Familie hat heute ein Vermögen von 2,3 Milliarden Mark angehäuft.


Liebherr-Krane, hier bei Arbeiten am Millenium-Tower in Wien, gehören noch immer zu den Vorzeigeprodukten
DPA

Liebherr-Krane, hier bei Arbeiten am Millenium-Tower in Wien, gehören noch immer zu den Vorzeigeprodukten

Hamburg - In den Aufbaujahren der Republik, als die Errichtung neuer Wohnungen und Industrieanlagen das Gebot der Stunde war, fehlte es selten nur am Material, sondern in der Regel auch an den Maschinen. Krane etwa, die - schnell von einer Baustelle zur nächsten transportierbar - zügiges Arbeiten ermöglicht hätten, waren kaum zu haben.Als einer der Ersten erfasste der überaus praktisch denkende Hans Liebherr die Lage. Der 34-Jährige, der im elterlichen Baugeschäft in Kirchdorf an der Iller das Maurerhandwerk von der Pike auf erlernt hatte, tat sich mit einem Konstrukteur, einigen Schlossern und ein paar Schmieden zusammen. Die erste Entwicklung: ein fahrbarer Turmdrehkran. Erwartungsfroh präsentierte der junge Unternehmer sein patentiertes Hebezeug im Herbst 1949 auf der Frankfurter Messe, fand aber keine Käufer. Überzeugt davon, dass man "mit festem Willen zu guter Arbeit auch an fast unerreichbar scheinende Ziele" gelangen kann, hielt der gebürtige Oberschwabe an seinem Gerät fest. Liebherrs Beharrlichkeit wurde belohnt.In den folgenden Monaten gingen die ersten Bestellungen aus der deutschen Bauwirtschaft ein. Da nicht nur Krane nachgefragt wurden, erweiterte Liebherr seine Produktpalette Zug um Zug. Es folgten hydraulische Bagger, später Betonmischer. Ende 1951 zählte der Kirchdorfer Fertigungsbetrieb bereits 400 Mitarbeiter, die einen Umsatz von acht Millionen Mark erwirtschafteten.Der Grundstein war gelegt. Der unermüdliche Baumeister Liebherr ging nun daran, einen Konzern zu errichten. In Deutschland zunächst, später dann weltweit, entstanden Zweigwerke und Niederlassungen. Die kontinuierliche Neuentwicklung von Spezialmaschinen bescherte der Firma stetig wachsende Einnahmen und ihrem Chef Ende der siebziger Jahre die Ehrendoktorwürde der Technischen Universität Aachen.Liebherrs langfristig angelegte Unternehmensstrategie führte Anfang 1976 zu einer Teilung des Konzerns. Alle ausländischen Liebherr-Interessen wurden in der Liebherr-International AG zusammengefasst, die deutschen in der Liebherr-Holding GmbH gebündelt. Als Aufsichtsratschef der in Biberach angesiedelten Holding sowie als Verwaltungsrats-Präsident der im schweizerischen Nußbaumen beheimateten Aktiengesellschaft behielt der Gründer nicht nur die Kontrolle über seine Firmengruppe, sondern sparte jetzt auch noch kräftig Steuern.Als Dr.-Ing. E. h. Hans Liebherr 1993 im Alter von 78 Jahren verstarb, hinterließ er seinen fünf Kindern, einer Tochter und vier Söhnen, einen florierenden Familienkonzern, der allein in Deutschland über 9000 Mitarbeiter beschäftigte. Der kleine Multi erlöste in jenem Jahr fast fünf Milliarden Mark und gehörte nicht nur bei Baumaschinen, sondern auch in der Flugzeugausrüstung (Airbus-Fahrwerke) und bei Kühlgeräten zur europäischen Spitze.

In den gut acht Jahren, die seither vergangen sind, hat die zweite Liebherr-Generation mit ihrem Erbe gewuchert. Die Gruppe, der seit einiger Zeit Willi Liebherr und seine jüngere Schwester Isolde Wagishauser vorstehen, beschäftigt in weltweit über 50 Gesellschaften inzwischen fast 18.000 Menschen. Der Umsatz ist mittlerweile auf rund sechs Milliarden Mark geklettert - und noch immer gehört Liebherr der Familie ganz allein. Christian Keun, manager-magazin.de



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