Die reichsten Deutschen Schwabens milliardenschwere Blaublüter

Hochwohlgeboren sind sie. Engagierte Katholiken auch. Aber auf gute Kinderstube oder gelebte Nächstenliebe allein gründet sich das Milliardenvermögen derer von Waldburg-Zeil nicht.


Hamburg - Wollte "Durchlaucht", wie ihn seine schwäbischen Landsleute gelegentlich in einem Anflug von Ehrfurcht nennen, seine Forsten und Ländereien zu Fuß durchqueren, er wäre tagelang unterwegs. Imposant weitläufig sind die Latifundien derer von Waldburg-Zeil, an die 10.000 Hektar gehören Fürst Georg und seiner Familie. Mit anderen Worten: Ganze Landstriche Baden-Württembergs und Bayerns.

Der Chef der adeligen Sippe residiert mittendrin - genauer gesagt oberhalb des Städtchens Leutkirch im Allgäu - auf Schloss Zeil. Das schnieke Renaissance-Domizil zeugt von Stand, der Name des Schlossherrn von Herkunft: Maria Georg Konstantin Ignatius Antonius Felix Augustinus Wunibald Kilian Bonifacius Georg von Waldburg-Zeil, Reichserbtruchsess und siebenter Fürst von Waldburg zu Zeil und Trauchburg. Fans der deutschen Blaublüter-Szene goutieren Stammbäume wie den des Waldburgers als "Hochfreien Uradel".

Den kaisertreuen Vorvätern sei Dank

Ahnherr ist Eberhard von Waldburg aus dem Geschlecht der Dienstmannen von Tanne, der um die Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert gelebt hat. Er gilt als Namenspatron der Ländle-Dynastie. Den Großgrundbesitz indes verdankt sie einem anderen: Georg Truchsess von Waldburg. Der machte sich während des Bauernkriegs um die Interessen Karls des Fünften verdient. Anno 1525 warf der berüchtigte Feldhauptmann Georg nahe Böblingen die gegen ihre Unterdrückung kämpfenden Bauern grausam nieder. Zum Dank für das Gemetzel gab's vom Kaiser Wälder, Wiesen und Äcker. Doch das war einst.

Heute steht der vornehme Name der Familie - im Ranking von manager magazin liegt sie mit geschätzen fünf Milliarden Mark Vermögen auf Platz 39 - weniger für blutiges Unterwerfen denn für behutsames Wiederaufrichten. Neben der als vorbildlich - weil naturnah und bodenverbessernd - geltenden Wald- und Forstwirtschaft betreibt die Familie eine Reihe von Reha-Kliniken. Vor allem im Süden der Republik ist die Waldburg-Zeil-Gruppe mit gut einem halben Dutzend Kurzentren präsent.

Wertkonservative Edelleute

Öffentlich in Erscheinung tritt dann und wann auch einer der drei jüngeren Brüder des Fürsten Georg. Alois Graf von Waldburg-Zeil, Gründer des Münchener Weltforum-Verlags, gehörte seit 1980 als Abgeordneter der CDU für rund zwei Jahrzehnte dem Deutschen Bundestag an. Hier erwarb sich der konservative Christdemokrat vor allem bei den Hardlinern unter seinen katholischen Glaubensbrüdern und -schwestern einiges Ansehen, indem er sich als rigoroser Abtreibungsgegner exponierte. 1998 wurde der Bildungsexperte - vehementer Gegner einer "Reizüberflutung durch neue Medien" - an die Spitze des angesehenen Stuttgarter Instituts für Auslandsbeziehungen berufen. Von dort aus vertieft er seither Deutschlands Kulturaustausch mit der Welt.

Doch auch Georg von Waldburg-Zeil ist nicht allein Großgrundbesitzer. Zwar hat er seine Papierfabrik inzwischen verkauft. Verleger der "Schwäbischen Zeitung" ist der heute 72 Jahre alte Edelmann aber noch immer. Unlängst sorgte er in dieser Eigenschaft für etliche Negativ-Schlagzeilen. Ein altgedienter Kirchenredakteur seines Blattes, das den Menschen der Region "christliche Kultur und Politik" nahe zu bringen trachtet, hatte die Verlagsleitung vorsichtig zu kritisieren gewagt. Just am Heiligen Abend wurde dem Journalisten und Vater von fünf Kindern die fristlose Kündigung beschert. Auf den angemessenen Umgang mit Aufmüpfigen versteht man sich im Hause Waldburg schließlich nicht erst seit gestern.

Christian Keun



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