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Azubi-Mangel: Wirtschaftsboss wettert gegen Akademisierung

Auszubildender bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG: Nachwuchs fehlt Zur Großansicht
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Auszubildender bei der Stuttgarter Straßenbahnen AG: Nachwuchs fehlt

Junge Deutsche interessieren sich kaum noch für eine Lehre, klagt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag. Verbandschef Schweitzer sieht die Schuld in der Akademisierung der Gesellschaft: Seiner Ansicht nach gibt es zu viele Studenten.

Berlin - Ausbildungsbetriebe leiden immer stärker unter ausbleibendem Nachwuchs. Eric Schweitzer, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), führt dies auf jahrelange und undifferenzierte Forderungen nach einer Erhöhung der Studierendenquote zurück. Das hätte dazu geführt, "dass Hörsäle aus allen Nähten platzen, während Unternehmen händeringend Azubis suchen", sagte Schweitzer den "Ruhr Nachrichten".

In allen Regionen Deutschlands könnten Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. "Dem Wirtschaftsstandort Deutschland droht nachhaltiger Schaden, wenn der Trend zur Akademisierung um jeden Preis nicht gestoppt wird", sagte Schweitzer - der selbst promovierter Wirtschaftswissenschaftler ist.

Bei den Unternehmen, die durch die Industrie- und Handelskammern vertreten werden, wurden 2013 nach Schweitzers Angaben 4,5 Prozent weniger Ausbildungsverträge als im Vorjahr abgeschlossen. "Bei neuen Ausbildungsverträgen gab es einen Rückgang von rund 330.000 auf 315.000."

Kritiker werfen den Betrieben vor, zu hohe Ansprüche an Auszubildende zu stellen und Jugendlichen mit Defiziten kaum Chancen zu geben. So warten immer noch viele junge Menschen in berufsvorbereitenden Maßnahmen auf eine Lehrstelle. Schweitzer dagegen hält es für "absurd", die zurückgehenden Zahlen den Unternehmen anzulasten.

Eine weitere ungebremste Akademisierung könne sogar zu einer höheren Arbeitslosigkeit führen, wenn bestimmte Qualifizierungsprofile am Arbeitsmarkt nicht gebraucht würden, fügte Schweitzer hinzu. Rund 25 Prozent der Studienanfänger - in den Ingenieurswissenschaften sogar 50 Prozent - beendeten ihr Studium ohne Abschluss, weil sie offensichtlich falsche Vorstellungen hätten.

Brief an Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck

In einem Brief an Angela Merkel (CDU) fordert Schweitzer die Kanzlerin auf, die Chancen künftiger Generationen in den Blick zu nehmen - und kritisiert Pläne der schwarz-roten Koalition. Notwendig sei "eine Politik, die dazu beiträgt, dass Deutschland dauerhaft ein starker Standort bleibt", heißt es in dem Brief laut "Frankfurter Allgemeine Zeitung", den der DIHK auch an Bundespräsident Joachim Gauck geschickt hat. "Einige Vorhaben aus dem Koalitionsvertrag betrachten wir als Bürde für die wirtschaftliche Entwicklung in unserem Land."

Schweitzer appelliert an die Kanzlerin: "Wir brauchen Gesetze, die den Unternehmen helfen, im Wettbewerb zu bestehen und die Arbeitsplätze zu erhalten. Andernfalls laufen wir Gefahr, unsere momentane Wachstumsstärke preiszugeben - und damit auch unseren stabilisierenden Einfluss in Europa."

Konkret wird der Wirtschaftslobbyist vor allem in einem Punkt: dem Mindestlohn. Der mache es weniger Qualifizierten schwerer, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Die Priorität liege bei den öffentlichen Ausgaben "einmal mehr" auf den Sozialausgaben, wie etwa einem früheren Rentenbezug. Besser wäre ein Schwerpunkt auf den notwendigen Investitionen, schreibt Schweitzer.

yes/dpa

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insgesamt 379 Beiträge
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1. Die Akademisierungsquote
spon-xxx, 03.02.2014
ist zweitrangig - denn die Akademiker könnten anderswo gebraucht werden. Eigentlich müsste es eine schlagkräftige europäische Arbeitsagentur geben, welche die Bedarfslagen wiederspiegelt und auch einen entsprechenden Bekanntheitsgrad unter Jugendlichen hat.
2. Zuerst mal eine Willkommenskultur
stuttgarter 03.02.2014
für Abiturienten in der gewerblichen Ausbildung. Ausbilder haben früher erklärt Abiturienten hätten geringe Überlebenschancen. Der Begriff mobbing gehörte noch nicht zum allgemeinen Sprachgebrauch. Entscheider wollten nix investieren in junge Menschen, welche die danach sich doch fort (im Sinne von weg)bilden. Politiker wollten die Real- und hauptschüler nicht allesamt ohne Ausbildung ins Leben schicken, wenn Abiturienten die Lehrstellen wegschnappen. Es gibt immer wieder Aufgaben bei denen 2 Ausbildungen absoluter Hit sind. Einfach mal ein paar gewerbliche Jobs etwas anpassen an etwas mehr Grundbildung. So eine Art Lehre und Techniker in einem beispielsweise. Da sind Gehalt, Arbeitsptofil und Renommee dann hilfreich bei der Bewerbersuche.
3. Wo er Recht hat, hat er Recht!
kezia_BT 03.02.2014
Die Universitäten sind übervoll, vor allem mit Leuten, die da nie hätten hingehen sollen - statt Interesse am Fach gibt es nur noch das Interesse am Abschluß - was genau muß ich tun, um mit möglichst wenig Arbeit eine möglichst gute Note zu ergattern um einen möglichst gut bezahlten Arbeitsplatz zu bekommen ? Die Folgen werden wir in wenigen Jahren spüren, wenn die originellen kantigen Köpfe vollends in Rente sind und die so Angepaßten jeden Unfug mitmachen und unterschreiben - selbständiges Denken haben sie ja nie gelernt und wollten sie auch nie lernen. Aber bei einer Ausbildung müßte man sich ja die Hände schmutzig machen und morgens um 7 in der Werkstatt stehen. Es wird daher Zeit, daß die Unis nicht dafür bestraft werden, wenn sie ungeeignete Kandidaten durchfallen lassen - und sich die Betriebe vielleicht mal überlegen, wie man die AUsbildung etwas menschenfreundlicher gestalten könnte.....
4. Stimmt
Tatsache 03.02.2014
Wenn ich mich so beim Nachwuchs im Freundes- und Bekanntenkreis umschaue, es wird Jura, BWL, Lehramt und Sozial-Irgendwas studiert. Die Ansagen der Profs, dass es in vielen Bereichen zukünftig so gut wie keinen Bedarf gibt, werden entspannt ignoriert. Denn es zahlt ja Papa und/oder das Bafög-Amt. Fragt man was denn nach dem Studium kommen soll, erhält man qualifizierte Antworten wie: "Keine Ahnung" oder "Irgendwas werde ich schon finden" oder "Dann mach ich noch meinen Master". Die meisten wären in einer Ausbildung sicherlich besser aufgehoben. Aber Ausbildung in Deutschland ist nicht attraktiv. Warum schrauben gehen für ein Lehrlingsgehalt, wenn man als Student den gleichen Betrag vom Bafög-Amt geschenkt bekommt. Wer wirklich betriebliche Ausbildung will, muss die Gehälter deutlich anheben, es muss auch für Lehrlinge Bafög geben und alle Studiengänge, die überflüssige Absolventen produzieren (s.o.) müssen von der Förderung ausgenommen werden. Dann läufts!
5. welch Scheinheiligkeit
Widerstandsgewächs 03.02.2014
Zitat von sysopDPADie Zahl der Auszubildenden sinkt drastisch und Schuld daran ist den Unternehmen zufolge allein das Uni-fixierte System. Deutschland drohe nachhaltiger Schaden, wenn der Trend nicht gestoppt werde, sagt Industrie- und Handelskammerpräsident Schweitzer. http://www.spiegel.de/wirtschaft/dihk-praesident-schweitzer-akademisierung-schadet-wirtschaftsstandort-a-950708.html
es waren und sind die Personalchefs der Firmen die dem Jugendwahn unterlegen ständig höchste Anforderungen stellen, welche sich auf das Niveau runterbrechen lassen, 24, Dr, und 20 Jahre Berufserfahrung, nur dann ist eine Chance da, eine Stelle zu besetzen. Also bitte, in der eigenen Nase bohren!!!
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