Dioxin-Affäre Futtermittelfirma gerät unter Betrugsverdacht

Gegen den Futterfetthersteller Harles und Jentzsch gibt es neue Vorwürfe. Laut niedersächsischem Landwirtschaftsministerium soll das Unternehmen minderwertiges Mischfett als Futtermittel abgerechnet haben - und damit auch des Betrugs und der Steuerhinterziehung verdächtig sein. 

Durchsuchung bei Futtermittelbetrieb (Foto vom 5.1.): Jetzt auch Betrugsverdacht
dpa

Durchsuchung bei Futtermittelbetrieb (Foto vom 5.1.): Jetzt auch Betrugsverdacht


Hannover/Bielefeld - Vieles spreche dafür, dass Harles und Jentzsch im Rahmen des Dioxin-Skandals seine Kunden betrogen und minderwertige technische Mischfettsäure zu teurem Futterfett verarbeitet habe, sagte der Sprecher des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums, Gert Hahne. Der Verdacht des Betrugs und der Steuerhinterziehung gegen die Firma liege also nahe. Damit bestätigte er einen Bericht des "Westfalen-Blatts".

Für eine Tonne Industriefett habe das Unternehmen lediglich 500 Euro erlösen können, für eine Tonne Futterfett hätten die Kunden aber 1000 Euro bezahlen müssen. Hier liege der Verdacht der falschen Rechnungsstellung und somit der Steuerhinterziehung nahe, sagte der Sprecher dem Blatt.

Noch unklar war demnach der Zeitraum der Machenschaften. Das Tochterunternehmen von Harles und Jentzsch, die Spedition Lübbe im niedersächsischen Bösel, habe ihren Betrieb im Jahr 2005 aufgenommen. Jetzt müsse geprüft werden, seit wann bei der Spedition illegal Futterfett gelagert und hergestellt worden sei, das nicht für Tierfutter geeignet war.

Bisher ermitteln die Staatsanwaltschaften Itzehoe und Oldenburg gegen die Geschäftsführer wegen des Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz. Laut einem Bericht des "Focus" habe das schleswig-holsteinische Landwirtschaftsministerium für mögliche Schadensersatzansprüche die Vermögenswerte des Betriebs sichern lassen.

Bei Futterfetten von Harles und Jentzsch war der Grenzwert für die Dioxin-Belastung extrem überschritten worden. In neun von zehn Fällen war die Belastung zu hoch. Nach Angaben des Kieler Agrarministeriums war in manchen Proben knapp 77-mal so viel Dioxin enthalten wie erlaubt. Das ergaben Laboruntersuchungen von weiteren Proben. Am Donnerstag hatte das Ministerium noch mitgeteilt, die Dioxin-Belastung in Futterproben des Unternehmens betrage das Zehnfache des Grenzwertes. Der liegt bei 0,75 Nanogramm.

Erhöhte Dioxinwerte auch in Fleisch gefunden

Zum ersten Mal haben die Behörden jetzt erhöhte Dioxinwerte auch in Tieren festgestellt. Dies gehe aus einem Sachstandsbericht vom 6. Januar hervor, den die Bundesregierung am Freitag nach Brüssel geschickt habe, berichtet der "Focus". Demnach hätten Proben vom Fettgewebe dreier Legehennen einen Wert von 4,99 Pikogramm Dioxin pro Gramm Fleisch ergeben. Der erlaubte Höchstwert liege bei 2 Pikogramm. Aus welchem Betrieb die Hühner stammten, sei dem Bericht nicht zu entnehmen.

Eine öffentliche Warnung sei seitens der Länder nicht erfolgt, weil "keine unmittelbare gesundheitliche Beeinträchtigung durch den Verzehr zu erwarten sei".

Südkorea stoppt Fleischeinfuhr aus Deutschland

Südkorea hat inzwischen wegen des Dioxin-Skandals die Einfuhr von deutschem Schweinefleisch und Geflügelprodukten gestoppt. Wie ein hoher Beamter im Landwirtschaftsministerium in Seoul am Samstag mitteilte, sei die Quarantänekontrolle von Fleischprodukten aus Deutschland eingestellt worden. Es handele sich um eine vorübergehende Maßnahme, sagte Chang Jae Hong. Es sei aber kein formales Importverbot verhängt worden.

Fleischprodukte aus Deutschland würden solange nicht mehr eingeführt, "bis wir hören, dass das Fleisch sicher ist", sagte Chang. Die deutschen Behörden seien um detaillierte Informationen gebeten worden. Deutsche Fleischprodukte, die sich bereits im Land befinden, werden dem Ministerium zufolge gründlich geprüft, ob sie Giftstoffe enthalten.

cai/jok/AFP/dpa

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SaT 04.01.2011
1. Natürlich nicht
Stärkere Kontrollen könnten nämlich die Wirtschaftlichkeit der Nahrungsproduktion negativ beinträchtigen. Und Geld ist ja alles – auch wenn wir dabei zugrunde gehen. Zudem ist die Dioxinbelastung laut Medien nur für Kinder problematisch. Bei den wenigen Kinder die wir in Deutschland haben ist das ein vernachlässigbares Risiko.
doubleq 04.01.2011
2. Wertigkeit der Interessen
Da gibt es eine Meldung über einen Wecker, der im iPhone nicht funktioniert und daraus entstehen 14 Seiten im Forum. ein Thema wie die mit Dioxin verseuchten Futtermittel interessiert dagegen offensichtlich niemanden. Obgleich dieses Thema uns ALLE betrifft - die überwiegende Mehrheit der Verbraucher isst Eier oder Geflügel. Wie wichtig ist da ein Wecker im Handy???
jocurt1 04.01.2011
3. Veröffentlichen nicht verschärfen
Zitat von sysopDer Skandal um vergiftete Eier verunsichert die Deutschen. Doch wer trägt Schuld an der Verseuchung? Bei der Suche nach den Verantwortlichen schaltet sich jetzt die Politik ein: Der Bundestag soll sich mit dem Skandal beschäftigen. Müssen die Kontrollen verschärft werden?
wenn jeder Bürger nachlesen kann, wer da Ross und Reiter ist, erledigt sich das ganz schnell. ZZ gilt so was als Geschäftsgeheimnis und darf nicht offengelegt werden. Mit der Regel kann ich auch Kacke als Schokoladenaustausch verkaufen.
mood 04.01.2011
4. 2 Foren
Zitat von doubleqDa gibt es eine Meldung über einen Wecker, der im iPhone nicht funktioniert und daraus entstehen 14 Seiten im Forum. ein Thema wie die mit Dioxin verseuchten Futtermittel interessiert dagegen offensichtlich niemanden. Obgleich dieses Thema uns ALLE betrifft - die überwiegende Mehrheit der Verbraucher isst Eier oder Geflügel. Wie wichtig ist da ein Wecker im Handy???
Keine Panik; idiotischerweise ist das hier schon das zweite Forum (http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=26838) Ist zwar vollkommener Quatsch bei einem Thema zwei Foren zu machen, aber es ist so...
buktu1975 04.01.2011
5.
Zitat von doubleqDa gibt es eine Meldung über einen Wecker, der im iPhone nicht funktioniert und daraus entstehen 14 Seiten im Forum. ein Thema wie die mit Dioxin verseuchten Futtermittel interessiert dagegen offensichtlich niemanden. Obgleich dieses Thema uns ALLE betrifft - die überwiegende Mehrheit der Verbraucher isst Eier oder Geflügel. Wie wichtig ist da ein Wecker im Handy???
Naja, ein paar Einträge gab es ja schon: http://forum.spiegel.de/showthread.php?t=26838 Und im übrigen scheint der Mensch in diesem Fall eher kurzfristig zu denken und ein Meister der Verdrängung zu sein,anders kann ich mir das nicht erklären: Verschlafen beim iPhone=zu spät zur Arbeit kommen=Ärger. Dioxin im Futter=schmeckt man nicht=wird man vielleicht krank von=ich bestimmt nicht, nur andere.
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