Oligarch Rybolowlew auf Zypern Der große Schweiger

Dmitrij Rybolowlew ist einer der reichsten Männer Russlands. Wie viele Oligarchen wickelt er seine Geschäfte gerne über das Steuerparadies Zypern ab. Als Miteigentümer der größten Bank auf der Krisen-Insel könnte er nun zum Profiteur der Rettungsmilliarden werden.

Fußballfan Dmitrij Rybolowlew: Der Oligarch ist Eigentümer des AS Monaco
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Fußballfan Dmitrij Rybolowlew: Der Oligarch ist Eigentümer des AS Monaco

Von , Moskau


Nun hat ihn sein Zypern-Engagement genau dorthin gebracht, wo Dmitrij Rybolowlew, 46 Jahre alt und geschätzt 9,1 Milliarden Dollar schwer, niemals sein wollte: in den Fokus der Öffentlichkeit. Sein Name geistert über die Seiten von Tageszeitungen in Ost und West.

Eindringlich hat der Bundesnachrichtendienst BND gewarnt, von Hilfen für Zypern könnten vor allem Inhaber russischer Schwarzgeldkonten auf der Insel profitieren. Und auch die von den Europäern ersonnene Zwangsabgabe für Inhaber von Bankguthaben entsprang der Überlegung, wie man einen Teil der Rettungslast auch auf die Schultern der Milliardäre aus dem Osten verteilen könnte.

Sie hatten dabei Männer wie Rybolowlew im Sinn.

Dmitrij Rybolowlew nennt nicht nur Konten auf Zypern sein eigen. Seine Firma Odella ist der größte Einzelaktionär der angeschlagenen Bank of Cyprus, dem größten Geldinstitut Zyperns. Laut Website der Bank liegt der Anteil bei 5,1 Prozent, russische Medien sprechen sogar von knapp zehn Prozent. Wenn die Bank of Cyprus mit europäischen Milliarden vor der Pleite gerettet wird, dann rettet die Euro-Zone damit auch ein kleines Stück des Oligarchen-Vermögens - es sei denn, die Anteile Rybolowlews werden vollständig entwertet.

Manchmal schusssichere Westen

Rybolowlews Aufstieg ist typisch für die Kaste von Russlands Superreichen. Und sein Geschäftsgebaren vermittelt einen Eindruck davon, warum der Zwergsstaat im Mittelmeer so wichtig ist für Russlands Magnaten. Rybolowlew hat sein Vermögen in seiner Geburtstadt Perm gemacht, im fernen Ural-Gebirge. Als studierter Mediziner und mit einem schmalen Arztgehalt von gerade einmal 120 Rubel sei es die pure Not gewesen, die ihn Anfang der neunziger Jahre in die Geschäftswelt trieb, sagt er.

Bekannte berichten, die erste Rubelmillion habe ihm damals ein Wagon Bier eingebracht, den er von Moskau nach Perm transportieren ließ. Der wichtigste Rohstoff, auf dem Rybolowlew sein Imperium baute, war allerdings Kaliumchlorid, ein Mineral zur Herstellung von Dünger. Sein Unternehmen Uralkali machte Rybolowlew zu einem der größten Düngemittelhersteller weltweit.

Der Weg an die Spitze war beschwerlich und gefährlich. Elf Monate saß Rybolowlew Mitte der neunziger Jahre im Gefängnis, Konkurrenten wollten ihm den Mord an einem Fabrikdirektor seines Imperiums anhängen. Der Verteilungskampf um Russlands Kali-Geschäft sei zwar nie so brutal geführt worden wie die Schlachten um Stahl- und Aluminiumwerke, in denen Dutzende erschossen wurden, beteuert der Oligarch. Weggefährten von damals aber erinnern sich daran, dass sie manchmal schusssichere Westen anlegen mussten.

Sieger im Preiskrieg mit China und Indien

2011 veröffentlichte die russische Ausgabe von Forbes eine Liste mit den "Dmitrij Rybolowlew Prinzipien". Gute Beziehungen zur Staatsmacht gehören dazu. Als ein Anführer einer liberalen Oppositionspartei den Oligarchen 2005 um Spenden bat, beschied ihm Rybolowlew: Er könne gerne wiederkommen, "wenn ihr an der Macht seid".

"Angst ist der Anfang vom Ende", lautet ein weiteres Prinzip, von dem sich der Oligarch leiten lässt. Rybolowlews Konzern Uralkali ging auch Konflikten mit schwergewichtigen Partnern nicht aus dem Weg. 2006 legte sich das Unternehmen mit zwei der größten Kunden an, nämlich Indien und China. Die beiden Staaten hatten zunächst große Kali-Vorräte angelegt, um von Uralkali günstige Preise zu erzwingen.

Rybolowlew aber ging auf Konfrontationskurs und ließ Lieferungen an die asiatischen Großmächte einstellen. Wegen des Konflikts platzte zwar der geplante Börsengang des Unternehmens. 2007 aber knickten Peking und Dehli ein, Uralkali lieferte wieder, natürlich zu höheren Preisen.

Der Herr der Offshore-Zonen

2010 verkaufte Rybolowlew seine Mehrheit an dem Düngerproduzent Uralkali an drei ebenfalls russische Magnaten. Abgewickelt aber wurde das Geschäft fernab von Russland. Rybolowlews auf Zypern registrierte Madura Holding verkaufte die Anteile einfach an die ebenfalls auf Zypern ansässigen Firmen Kaliha Finance und Aerellia Investments Holdings. Ein diskreter Deal zwischen Briefkastenfirmen mit einem Volumen von 5,3 Milliarden Dollar.

Für den Erwerb der Bank-of-Cyprus-Beteiligung dagegen wich Rybolowlew in eine andere Offshore-Zone aus. Die Bankaktien ließ er von einer Firma namens Odella kaufen, mit Sitz auf den Virgin Islands.

Für Schlagzeilen im Westen sorgte Rybolowlew in den vergangenen Jahren nur mit seiner Vorliebe für teure Luxusgüter. 2008 kaufte er Donald Trumps Anwesen "Maison de L'Amitie" in Palm Beach für rund 100 Millionen Dollar, 2011 dann folgte das mit 88 Millionen Dollar teuerste Penthouse New Yorks, die Villa des Schauspielers Will Smith auf Hawaii sowie der kriselnde Fußballclub AS Monaco.Zum Schicksal Zyperns und seines Investments dort hält er sich hingegen bedeckt. Rybolowlew redet nicht gern mit Journalisten. Ein Interview hat er der russischen Wirtschaftszeitung Wedomosti 2006 geben, und ein paar Mal sprach er mit Reportern von Forbes. Sonst nichts. Russische Medien haben ihm deshalb einen Spitznamen gegeben. Den "großen Schweiger" nennen sie ihn.

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insgesamt 91 Beiträge
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Seite 1
Thorsten_Barcelona 23.03.2013
1. Welchen Wert ...
werden die Bankaktien nächste Woche haben? Bei Bankia, einer der spanischen Banken, die gerettet werden mussten, wurde der Aktienwert mittlerweile mit 0.01 Euro angesetzt. Insofern zweifele ich nicht, dass diese Bankaktien auch einen Grossteil ihres Wertes verlieren werden.
saba1 23.03.2013
2. Auf geht's, Frau Merkel ...
... Her Rösler, Herr Steinbrück ... auf geht's, auch diesen Mann und seine Bank muss Deutschland retten! Genug Erfahrung im Bankenretten dürfte ja mittlerweile in dieser Regierung plus Opposition vorhanden sein.
jhagenlocher@web.de 23.03.2013
3. Oligarchen
Mein Gott Walter, die russischen Oligarchen ! Soll man jetzt Zypern Pleite gehen lassen , nur um die russischen Oligarchen ein bisschen zu ärgern ? Welch ein Unsinn !
pauschaltourist 23.03.2013
4.
Zum Glück gehen die Milliarden für Nothilfen und Rettungspakete diesmal an ein sympathisches, nettes Gesicht ;) Das freut die Steuerzahler der Geberländer.
xaka 23.03.2013
5. Einer fetten Sau ...
Zitat von sysopAPDmitrij Rybolowlew ist einer der reichsten Männer Russlands. Wie viele Oligarchen wickelt er seine Geschäfte gerne über das Steuerparadies Zypern ab. Als Miteigentümer der größten Bank auf der Krisen-Insel könnte er nun zum Profiteur der Rettungsmilliarden werden. http://www.spiegel.de/wirtschaft/dmitrij-rybolowlew-rusischer-oligarch-auf-zypern-a-890063.html
... wird noch der Arsch geschmiert... klasse Europa!!!
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