Trump und die Wirtschaft Schwacher Dollar, Gefahr für Europa

Der Dollar fällt und fällt - seit Jahresbeginn um zwölf Prozent. An den Finanzmärkten glaubt kaum noch jemand an Donald Trumps Reformversprechen. Für Europas Wirtschaft verheißt das nichts Gutes.

Skyline von Manhattan (Archivbild)
Getty Images

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Der Reformstau unter Donald Trump, die Angst vor schwachem Wachstum in den Vereinigten Staaten sowie starke Wirtschaftsdaten aus Europa schwächen den Dollar und beflügeln den Euro. In der Nacht zu Donnerstag schoss die europäische Einheitswährung zeitweise auf 1,1780 Dollar nach oben: der höchste Kurs seit Anfang 2015.

Zuvor hatte die US-Notenbank Fed bekannt gegeben, dass sie die Leitzinsen vorerst nicht weiter erhöht. Geht die Euro-Aufwertung so rapide weiter, könnte sie die wirtschaftliche Erholung in einigen europäischen Staaten ersticken.

Die Stimmung am Devisenmarkt hat sich in den vergangenen Monaten komplett gegen den Dollar gedreht. Steuerte der Euro-Dollar-Kurs nach Trumps Wahl anfangs in Richtung Parität, so hat der Dollar seit Jahresbeginn rund zwölf Prozent an Wert verloren.

Geht das so weiter, bekommt Europas Exportindustrie ein Problem. Denn je stärker der Euro wird, desto teurer werden Ausfuhrprodukte aus dem Euroraum: Ein 20.000 Euro teures Auto beispielsweise hatte zu Jahresanfang einen Gegenwert von 20.800 Dollar, jetzt sind es 23.400 Dollar. "Wenn der Euro dauerhaft über 1,20 Dollar steigen sollte, könnte das Spuren hinterlassen", warnt Marco Bargel, Chefökonom der Postbank. Gerade südeuropäische Krisenstaaten wie Italien haben in den vergangenen zwei Jahren vom schwachen Euro profitiert.

"Trump verbreitet etwas Chaos, das macht die Märkte nervös", sagt Dirk Gojny, Chefanalyst der Essener Nationalbank. Der Kandidat der Republikaner hatte nach seinem überraschenden Sieg eine "phänomenale" Steuerreform und ein Infrastruktur-Investitionsprogramm von historischem Ausmaß angekündigt. Bisher hat der Präsident nichts davon umgesetzt. Am Mittwoch ist er zudem im Kongress abermals mit dem Versuch gescheitert, eine Gesundheitsreform zu starten.

"Viele unserer Kunden sagen, sie fühlen sich unwohl mit Aktien"

"Die Märkte verlieren die Hoffnung, dass von Trump noch etwas Konstruktives kommt", sagt Sebastian Sachs, Devisenstratege des Frankfurter Bankhauses Metzler. "Die Gesundheitsreform war das leichtere seiner Großprojekte. Dass jetzt die große Steuerreform kommt, ist unwahrscheinlich." Und für das Investitionsprogramm müssten die USA ihre ohnehin schon enorme Staatsverschuldung massiv ausweiten.

Prinzipiell könnte das Land einen Konjunkturschub gebrauchen. Die Wachstumsrate war im ersten Quartal 2017 so niedrig wie seit drei Jahren nicht mehr; erst kürzlich hat der Internationale Währungsfonds seine Wachstumsprognose für die USA leicht gesenkt.

Dass die Währungshüter der Notenbank Fed sich am Mittwoch einstimmig gegen eine weitere Leitzinserhöhung ausgesprochen haben und den wichtigsten Satz vorerst bei 1,0 bis 1,25 Prozent belassen, passt ins Bild. Höhere Zinsen können Kredite verteuern und so die Konjunktur bremsen.

Der Verzicht auf eine Zinsanhebung ist nach Einschätzung vieler Marktexperten auch der Hauptgrund für ein vermeintliches Paradox: Der US-Aktienmarkt ist ungeachtet der mäßigen Wachstumsaussichten noch immer auf Rekordjagd. "Viele unserer Kunden sagen, sie fühlen sich unwohl mit Aktien", berichtet Metzler-Stratege Sachs. "Aber sie sehen keine Alternative bei diesen niedrigen Zinsen." Monat für Monat müssen beispielsweise institutionelle Investoren wie Pensionsfonds oder Lebensversicherer Milliarden neu anlegen.

"Offensichtlich schichten internationale Investoren große Summen um"

Viel besser ist die Stimmung in der Eurozone. Deren Wirtschaft wuchs schon 2016 erstmals seit Jahren etwas stärker als die der USA. Gerade ist der deutsche Ifo-Geschäftsklimaindex auf ein Rekordhoch gestiegen. Vor allem aber machen viele Euro-Krisenstaaten Positivschlagzeilen: Spanien boomt, in Portugal geht es aufwärts, Griechenland steuert auf einen neuen Tourismusrekord zu, selbst Italiens Wirtschaft wächst ein bisschen. Und die Wahlsiege von Emmanuel Macron und seiner Bewegung En Marche schüren Hoffnungen, dass der neue Präsident den Reformstau in Frankreich überwinden könnte. "Offensichtlich schichten internationale Investoren seit Wochen große Summen in den Euroraum um", berichtet ein Marktexperte.

Doch die Vorfreude könnte einigen Staaten gefährlich werden. "Italien und Frankreich haben stark von der vergangenen Euroschwäche profitiert. Strukturell ist in der italienischen und französischen Wirtschaft nicht viel passiert", sagt Postbank-Chefökonom Bargel. Der Aufschwung in diesen Ländern könne sich als flüchtig erweisen und womöglich kippen, sollte der Euro nun dauerhaft stärker werden. Ähnlich sieht dies Metzler-Stratege Sachs: "Kurzfristig kann man diesen Euro-Kurs verkraften. Aber wenn wir längerfristig Kurse von 1,20 Dollar oder höher sehen, wird das ein Problem: auch für die deutsche Wirtschaft."

Hinweis: Der Artikel enthielt in einer früheren Version eine Grafik. Sie zeigte nicht wie angegeben den Kurs des Dollar in Euro, sondern den Kurs des Euro in Dollar. Wir haben die Grafik entfernt.

insgesamt 69 Beiträge
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theodtiger 27.07.2017
1. Kritik an der EZB war wohl voreilig
Wenn die US Wirtschaft tatsächlich so schwach ist wie im Artikel dargestellt, war die EZB Politik nicht nur in den vergangenen Jahren richtig, wo sie die Versäumnisse der Fiskalpolitik in der Eurozone ausgeglichen hat. Sie ist auch jetzt richtig, denn jede Zinserhöhung würde den Eurokurs zulasten der Exportwirtschaft, insbesondere der schwachen Euro-Volkswirtschaften, weiter in die Hohe treiben.
bebreun 27.07.2017
2. und der deutsche Hanelsbilanzüberschuss?
Wir hatten 2008 einen Dolllar-Euro-Kurs von über 1,50 Dollar pro Euro. Das hat doch auch funktioniert. Warum soll das jetzige Verhältnis so schlecht für unsere Wirtschaft sein? Es hilft doch bestimmt dem Abbau des Deutschen Handelsbilanz-Überschusses.
marthaimschnee 27.07.2017
3. ach was?
Kann man das nun als das umständliche Eingeständnis werten, daß wir uns eben doch auf Kosten anderer sanieren (wollen)?
avision 27.07.2017
4.
Falls die Kursveränderungen wirklich auf eine Umschichtung hin zum Euro hinweisen ist das prinzipiell positiv. Je mehr Kapital hinter einer Währung desto mehr Gestaltungsspielraum hat sie. Und ungezügelt die Konjunktur anheizen durch blinden Konsum - das schaffen wir Europäer auch. Da bin ich mir sicher.
schlauchschelle 27.07.2017
5. Aha, ist das nun ein weiterer Teil derStrategie?
Rechtzeitig vor der BT-Wahl werden nun mit leicht erhobenem Zeigefinger Mahnungen in die Luft gemalt, Motto: "Liebe Deutsche, uns geht's zwar so gut wie nie zuvor, ihr konsumiert schön, haut die Kohle raus und verschuldet euch, aber leider müssen wir euch mitteilen, dass nach der Wahl absolute Lohnzurückhaltung bestehen muss, auch Kürzungen müssen evtl. sein, denn euren Firmen geht's soo schlecht durch den teuren Euro, das muss kompensiert werden, sonst bauen wir hier nix mehr und ihr seid ohne Job, DAS wollt ihr doch nicht, oder?" So in etwa könnte es ab Oktober klingen, wundern würde es mich nicht. Trump kommt das bestimmt gelegen, denn ein lauer Dollar passt in seine Strategie America First, werden Waren aus den USA so doch schön billig....
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