Neue Weltordnung Donaldisten aller Länder, vereinigt euch!

"Die Welt ist keine globale Gemeinschaft, sondern eine Arena", so hat es Donald Trump formuliert. Das letzte Mal, als die globalen Mächte so handelten, gab es zweimal Krieg.

Trump-Karikatur beim Carnival of Viareggio 2017
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Trump-Karikatur beim Carnival of Viareggio 2017

Eine Kolumne von


Es waren harte Worte, sie klangen seltsam gestrig, und sie vermittelten einen Eindruck vom außenpolitischen Denken Donald Trumps. "Die Welt ist keine globale Gemeinschaft, sondern eine Arena", teilte er mit. Eine Arena, in der harte Konkurrenz herrsche. Nationen, Unternehmen und andere Nichtregierungsakteure stünden dort im Wettbewerb, um Vorteile zu erringen. Dies sei die "elementare Natur der internationalen Beziehungen, und wir befürworten das".

Die Welt als Arena - das ist ein eigentümliches Bild.

Geprägt haben es Trumps Sicherheitsberater H.R. McMaster und Wirtschaftsberater Gary Cohen in einem Artikel für das "Wall Street Journal", der vor ziemlich genau einem Jahr erschien. Es war der Sound des 19. Jahrhunderts: das Ringen der großen Mächte um Vormacht, das Überleben des Stärkeren. Allianzen würde man allenfalls eingehen, um "Sicherheit und Wohlstand für unsere Nation zu gewährleisten", wie McMaster und Cohen formulierten. Beide sind übrigens inzwischen zurückgetreten und durch Leute ersetzt worden, deren Weltbild noch harscher zu sein scheint.

Eine große Frage bleibt bislang unbeantwortet: Wer regiert eigentlich die Welt?

Sie drängt sich in der beginnenden Woche besonders auf: Montag treffen sich die Außenminister der 20 wichtigsten Volkswirtschaften, um den G20-Gipfel im November vorzubereiten. Dienstag trifft sich Südkoreas Präsident Moon Jae In mit Trump, um über die Gespräche mit Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un zu reden. Donnerstag richtet Russlands Präsident Wladimir Putin sein "Internationales Wirtschaftsforum" in Sankt Petersburg aus, zu dem unter anderen der französische Staatspräsident Emmanuel Macron erwartet wird.

Bei diesen Treffen geht es um Krieg und Frieden, um Syrien, Iran, Israel, um den potenziellen Einsatz von Atomwaffen, den drohenden Handelskrieg, das Weltklima und vieles mehr - um globale Bedrohungen. Herauskommen wird dabei wohl nicht viel.

Die Welt als Kampfbahn

Wer die Welt als Arena betrachtet, tut sich schwer, Bedrohungen für die globale Sicherheit abzuwenden. Dazu braucht es Institutionen, verbindliche Regeln, internationales Recht, Interessenausgleich. Dies ist eine zentrale Lehre aus der Geschichte: Internationale öffentliche Güter lassen sich nur durch dauerhafte internationale Zusammenarbeit schaffen. Wenn jeder nur versucht, für sich selbst das meiste herauszuholen, wird die Welt ein unsicherer Ort. Das Arena-Denken des 19. Jahrhunderts führte in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den Weltkriegen und zum Zusammenbruch der weltwirtschaftlichen Integration.

Als Reaktion auf dieses Desaster entstand nach 1945 eine internationale Ordnung, getragen von starken internationalen Institutionen: Uno, Weltbank, Währungsfonds, das Welthandelsabkommen Gatt und sein Nachfolger WTO, um nur die wichtigsten zu nennen. Im Laufe der Jahrzehnte schlossen sich immer mehr Länder solchen Institutionen an. Maßgeblich gestützt wurden sie von den USA - nicht aus Altruismus, sondern aus langfristigem Eigeninteresse.

Jetzt ist diese Ordnung in Auflösung. Schuld daran ist nicht allein Donald Trump, aber er beschleunigt den Verfall.

Viele Themen, viele Staaten

Wenn die USA aus internationalen Abkommen (wie dem Pariser Klimavertrag) aussteigen oder sie brechen (wie den Anti-Nuklear-Deal mit Iran), wenn sie langjährige Verbündete mit Sanktionen überziehen (wie die Europäer, deren Unternehmen sie drohen, sie bei fortgesetzten Geschäften mit Iran aus dem internationalen Zahlungssystem Swift auszusperren), wenn sie internationale Institutionen schwächen (wie die WTO, wo sie Richterplätze unbesetzt lassen), dann unterminieren sie aktiv die maßgeblich von ihnen selbst geschaffene Weltordnung.

Es stimmt schon: Weltpolitik ist ein enorm schwieriges Geschäft geworden. Anders als nach dem Zweiten Weltkrieg gibt es keine Supermächte mehr, die ihre jeweiligen Einflusssphären, im Zweifel mit Gewalt, stabilisieren konnten. Heute ist Macht auf dem Globus viel weniger konzentriert als damals; große Staaten wie China sind zu schlagkräftigen Akteuren aufgestiegen.

Selbst wenn sie wollten, die USA allein können gar nicht mehr als globale Ordnungsmacht auftreten. Zumal die Themen enorm vielfältig und kompliziert geworden sind - von Cybersicherheit über den Klimawandel bis zu Migrationsbewegungen. Wie sich auch im G20-Prozess mit all seinen Staaten, Interessen und Themen zeigt.

Was also tun? Zwei Antworten:

Nachkriegsordnung weiterentwickeln

Erstens sollten die wichtigsten Staaten der Erde gemeinsam internationale Regelwerke und Institutionen etablieren. Sie sollten die Nachkriegsordnung weiterentwickeln und sie an die heutigen Bedürfnisse anpassen. Wenigstens auf den wichtigsten Politikfeldern würden sie somit als "globale Gemeinschaft" agieren.

Zweitens müsste eine solche internationale Ordnung fürs posthegemoniale Zeitalter mindestens die Unterstützung der USA, Chinas, Indiens, Russlands und der EU haben. Fünf Großstaaten, die knapp die Hälfte der Weltbevölkerung sowie den überwiegenden Teil der globalen Wirtschaftsleistung, des Handels, der Treibhausgase und der Streitkräfte ausmachen. Gemeinsam könnten sie eine Menge bewegen.

In der Realität schafft es nicht mal der Westen - oder was davon noch übrig ist -, gemeinsam zu handeln. Die Europäer können sich weder selbst verteidigen noch ihren Wirtschafts- und Währungsraum aus eigener Kraft stabilisieren. Dass Donald Trump tut, was er tut, liegt auch an der Unfähigkeit der Europäer, sich zusammenzuraufen. Nutznießer sind China und Russland, die das Machtvakuum füllen.

Seriöse Politik ist langweilig

Man muss es klar sagen: So wie Politik heute funktioniert, ist Internationalisierung - oder auch Europäisierung - völlig unattraktiv. Wenn nicht gerade ein glamouröser Gipfel stattfindet, ist internationale Politik ein nüchternes Geschäft für Spezialisten, die in endlosen Sitzungen Kompromisse aushandeln. Nur auf diese Weise lassen sich internationale Institutionen stabilisieren: durch Vertrauen, Verlässlichkeit, Berechenbarkeit. Mit anderen Worten: durch maximale Langeweile.

In einer Ära, in der sich politischer Erfolg in öffentlicher Aufmerksamkeit bemisst, lässt sich mit seriöser internationaler Politik kein Blumentopf gewinnen. Medien sind national. Sie reagieren auf Action.

Trump schafft es, Weltpolitik als Dauerspektakel zu inszenieren: jede Woche ein neuer Konflikt, eine Deadline, eine überraschende Wendung. Und es funktioniert: Wir alle schauen hin. Wir wundern, ärgern, belustigen uns.

Die Welt als Arena - das ist ein grausamer Ort. Und leider auch ein schrecklich unterhaltsamer.

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Die wichtigsten Wirtschaftsereignisse der Woche
Montag
Paris - La France en grève - Front gegen Macrons Reformen: Wieder mal Streik bei Frankreichs Staatsbahn SNCF.

Genf - So sad! - Airbus hat illegale Subventionen erhalten, hat die WTO geurteilt. Nun gibt es ein Schlichtungsgespräch mit den USA, die bereits Strafzölle angekündigt haben.

Dienstag
HV-Saison I - Hauptversammlung des Frankfurter Flughafenbetreibers Fraport

Mittwoch
Nürnberg - Lohn und Arbeit - Die Bundesagentur für Arbeit gibt die Arbeitsmarktdaten für Mai 2018 bekannt.

Paris - Bestandsaufnahme - Die OECD stellt ihren halbjährlichen Economic Outlook vor. Danach treffen sich die Wirtschaftsminister der OECD-Staaten, um sich darüber auszutauschen, wie der Multilateralerismus neu gegründet werden könnte. Mit einer Eröffnungsrede von Präsidenten Macron.

HV-Saison II - Hauptversammlungen von Twitter, Ebay, Software AG, DZ Bank, Tom Tailor, NordLB. Hauptversammlung.

Donnerstag
Peking - Konjunktur auf Chinesisch - Chinas Statistikamt veröffentlicht den Einkaufsmanagerindex, einen wichtiger Konjunkturfrühindikator.

Paris - Handelskrieg und Handelsfrieden - Die Spannungen zwischen den USA und allen anderen steigen. Die Handelsminister der OECD-Staaten wollen sich zusammensetzen, um Lösungen auszuloten.

Luxemburg - Die Lage im Euroraum - Neue Zahlen von Eurostat: Inflation und Arbeitslosigkeit

Menlo Park - Alles auf Zuckerberg - In Zeiten enormen öffentlichen Drucks lädt Facebook zur Hauptversammlung.

Freitag
Washington - Wann steigt die Inflation - US-Arbeitsmarktbericht für Mai: Die Arbeitslosenquote liegt unter vier Prozent. Alle fragen sich, wann die Löhne kräftiger steigen – und wie stark dann die Fed die Zinsen anhebt.



insgesamt 127 Beiträge
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Seite 1
ekel-alfred 20.05.2018
1. Wer regiert eigentlich die Welt?
Zitat: "Eine große Frage bleibt bislang unbeantwortet: Wer regiert eigentlich die Welt? " Eigentlich ist diese Frage ganz einfach beantwortet: Die Rohstoffe der Erde regieren die Welt! Die Rohstoffe sind auf dieser Erde so verteilt, das kein Land autark sein kann. Jeder muss etwas vom Anderen importieren bzw. exportieren. Das geht entweder über Handel oder Krieg. Ganz einfach.
ex_berliner 20.05.2018
2. Krieg
Krieg ist genau das, wo Trump's Politik und Trumpismus im Allgemeinen zwangslaeufig hinfuehrt. Wer jeden Akteur immer nur als seinen Gegner sieht, selbst den, mit dem man sich fuer den einen oder anderen Zweck voruebergehend zusammentut, kann bald nur im Krieg enden. Es sei denn, er hat sich vorher selbst totgeruestet. Und genau das darf man nun hoffen, dass die USA sich selbst zu Tode ruesten, dass die USA das letzte "Unternehmen" ist, das Trump in den Bankrott fuehrt. Was fuer ein finsterer Ausblick. Und dieser wird von Trump's Fans auch noch gefeiert. Da kommt man aus dem Kopfschuetteln wirklich nicht mehr raus.
horst01 20.05.2018
3. Regionalisierung
Eurasien gegen Nordamerika. Die Umstellung kostet Arbeitsplätze und Wohlstand. Afrika ist außen vor und Südamerika kollabiert. Die Bundeswehr ist abwehrfähig zu machen. Der EU-Ausbau ist zurück zu stellen, weil jetzt alle Recourcen benötigt werden, um zu konvergieren in neue, sichere Strukturen. Frau Merkel und Frau Nahles stehen vor strategischen Weichenstellungen, denen sie vermutlich nicht gewachsen sind. SOS.
nichtdoch 20.05.2018
4. Wenn jeder nur versucht, für sich selbst das Meiste herauszuholen, wir
Und betrachtet man Peutschlands Politik mit niedrig Loehnen und dern Export market muss man sich fragen ob DT recht hat mit seinem verlangen! Deutschland versuch nicht nur,sonder holt das meiset auf kosten der anderen Nationen fuer sich heraus!
O.W. von Feinzinn 20.05.2018
5. Tja, wenn Mr. Trump mehr über Mr. M.L.King Bescheid wüsste ...
... dann würde er vielleicht auch dessen Zitat kennen: "Entweder wir lernen als Schwestern und Brüdern zusammenleben, oder wir werden als Deppen untergehen."
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