Trump-Politik Wirtschaftshistoriker warnt vor Währungskrieg

Donald Trumps Angriffe gegen Exportländer wie China und Deutschland häufen sich. Der Wirtschaftshistoriker Harold James sieht die Gefahr, dass die USA die Welt in einen "Teufelskreis von Währungskrieg und Protektionismus" treiben.

Verschiffung von Audis und VW in Emden (Archivbild)
Getty Images

Verschiffung von Audis und VW in Emden (Archivbild)


Die Attacken der neuen US-Regierung auf die Handelspolitik anderer Länder könnten schon bald einen neuen globalen Währungskrieg auslösen. Das sagte der britische Wirtschaftshistoriker Harold James der "Welt am Sonntag". US-Präsident Donald Trump treibe die Welt in einen "Teufelskreis von Währungskrieg und Protektionismus", sagte James. Am Ende ständen ein Abwertungswettlauf und Protektionismus, wie zuletzt in den Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts.

Trump hatte in der Vergangenheit wiederholt gegen starke Exportländer wie China und Deutschland gewettert. Erst vor wenigen Tagen warf ein wichtiger Berater Trumps Deutschland vor, seine Handelspartner durch einen schwachen Euro "auszubeuten". Deutsche Unternehmen profitierten von einer "extrem unterbewerteten 'impliziten Deutschen Mark'", sagte der Chef des Nationalen Handelsrats, Peter Navarro, der britischen "Financial Times".

Zum ersten Mal seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs ziele die Regierung in Washington darauf ab, Amerikas Handelspartner in Europa zu schwächen, sagte James der Zeitung. "Das Weiße Haus versucht, den Euro anzugreifen oder zu suggerieren, dass die Währungsunion zerfällt." Seit 80 Jahren habe kein US-Präsident derart isolationistische Töne angeschlagen wie Donald Trump. "Die Rhetorik mag Teil der Verhandlungsstrategie sein. Aber sie wird wohl kaum positive Ergebnisse bringen."

James glaubt, dass das schiefgeht. Denn je mehr Kapital wegen der Verunsicherung aus der EU in den Dollar-Raum fliehe, desto mehr steige der Kurs der US-Währung. Desto schwieriger werde es also für amerikanische Unternehmen, konkurrenzfähig zu bleiben. Trump werde darauf reagieren, indem er noch mehr Zölle und Beschränkungen für ausländische Unternehmen einführt, die in den USA Geschäfte machen wollen.

Diese Gefahr sehen inzwischen auch viele Top-Manager in Deutschland. Eine Mehrheit der deutschen Wirtschaftsführer hält einen Währungskrieg für die größte Gefahr, die von Trump ausgeht. Mehr als ein Drittel der Vorstände ist alarmiert, das ergab eine Umfrage der "Welt am Sonntag".

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insgesamt 34 Beiträge
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alexander001 04.02.2017
1. Wäre heilsam
Dann würde kapiert, dass das starre EinwährungsSystem ohne variable Bandbreiten ein Fluch ist. ES LÄSST KEINE STEUERUNG ZU!!! Falls das wiederum heutzutage noch jemand kennen und verstehen sollte.
localpatriot 04.02.2017
2. Es gibt mehrere Methoden Handelsdefizite auszugleichen
Dass das Handelsdefizit der USA langfristig fuer das Land nicht tragbar sind, sollte den meisten Menschen einleuchten. Was mir nicht einleuchtet ist die halbgebackene Debatte welche gerade läuft. Der Angriff auf den Freihandel ist für Deutschland wichtiger als alle anderen Probleme welche gerade in Berlin weiter verschleppt werden. Ein schrumpfen der Exporte schrumpft die Wirtschaft schnell und unbarmherzig. Um die Konsequenzen beim Verbraucher kümmert sich bei solchen Entscheidungen niemand. Als erstes muss das gesamte zwischenstaatliche Geschäft verstanden sein und dazu gehören unsichtbare Transaktionen wie Tourismus, Gewinntransfers, Steuervermeidung ausländischer Firmen. Z B was passiert mit den gesamten Apple, Mc Donald, Google Zahlungen welche am Ende alle in den USA landen wo die Firmensitze sind. Dann muss man über Investitionen z B an der New York Stock Exchange bescheid wissen. Niemand bearbeitet das. Man steckt den Kopf in den Sand.
gersois 04.02.2017
3.
Für einen weichen EURO sorgt doch vor allem Herr Draghi. Vielleicht kann sich Trump sich den mal zur Brust nehmen, oder über gemeinsame Goldman-Sachs-Freunde Druck auf ihn ausüben.
fat_bob_ger 04.02.2017
4. @localpatriot
Ich hätte da ein paar Vorschläge, wie D das Handelsdefizit zu den USA kürzen könnte: 1. Waffen in den USA kaufen, ganz besonders Turbinen, spezielle Waffensysteme, die in der EU noch nicht vorhanden sind, einige Kampfjets (Billiglösungen, wie F16), wir haben eh zu wenig Waffen, Munition und Ersatzteile, einen Satz Helikopter, zumal der NH 90 recht teuer ist. 2. Der Konsument sollte mehr US-Autos kaufen, die bauen schöne SUV´s oder flotte 8-Zylinder, wie der Ford Mustang 3. Draghi könnte die Zinsen erhöhen, was dann aber womöglich zu Staatsbankrotten (GR, IT, Portugal) führen würde, die dann den Euro wieder entwerten könnten. Wenn Apple und Alphabet ihr Geld in die USA zurück holen, dank Trumps Steuererleichterungen, dann wird der USD noch weiter steigen. Fazit: Es wird schwierig!
syracusa 04.02.2017
5.
Zitat von alexander001Dann würde kapiert, dass das starre EinwährungsSystem ohne variable Bandbreiten ein Fluch ist. ES LÄSST KEINE STEUERUNG ZU!!! Falls das wiederum heutzutage noch jemand kennen und verstehen sollte.
Was Sie nicht verstehen wollen: die USA haben auch nur eine Währung, und haben auch sehr unterschiedlich leistungsfähige Staaten. Die Unterschiede zwischen den Staaten im US$-Raum sind größer als die im €-Raum Es scheint also kein Problem zu sein, wenn unterschiedlich leistungsfähige Staaten in einem Währungsverbund zusammen existieren. Und damit haben Sie kein Argument mehr.
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