Drei Monate um die Jahrtausendwende Chronologie einer Übernahme-Affäre

Knapp dreieinhalb Monate dauerte die spektakulärste Übernahmeschlacht der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Am Ende erhob die Staatsanwaltschaft Anklage gegen zahlreiche Beteiligte, die sich der Untreue schuldig gemacht haben sollen. Eine Chronologie der Ereignisse.


22. Oktober 1999:

Einen Tag nachdem Mannesmann-Chef Klaus Esser den Kauf des britischen Mobilfunkanbieters Orange angekündigt hat, berichtet die Londoner "Times", Vodafone-Airtouch plane die Übernahme von Mannesmann. Vodafone Chart zeigen, weltgrößter Mobilfunkbetreiber und bereits mit 34 Prozent an Mannesmann Mobilfunk beteiligt, ist ein Konkurrent von Orange. Die Mannesmann-Aktie notiert an diesem Tag bei 144 Euro.

7. November 1999: Zeitungen spekulieren, dass Vodafone und France Télécom eine feindliche Übernahme planen. Der Mannesmann-Kurs steigt steil an.

14. November 1999: Vodafone legt den Mannesmann-Aktionären ein erstes Übernahmeangebot vor. Es hat ein Volumen von umgerechnet rund 100 Milliarden Euro, für eine Mannesmann-Aktie werden 43,7 eigene Anteile geboten. Vodafone interessiert sich für das D2-Netz des Düsseldorfer Konzerns, nicht für die Industriesparten Mannesmanns.

Vorstandschef Klaus Esser lehnt die Offerte als "völlig unangemessen" ab. Vodafone-Chef Chris Gent bessert bis Dezember mehrfach nach. Er strebt jetzt eine feindliche Übernahme an.

16. November 1999: Die Mannesmann-Aktie steigt auf 209,90 Euro.

19. November 1999: Vodafone stockt sein Angebot auf 53,7 eigenen Aktien für eine Mannesmann-Aktie auf und richtet sich jetzt direkt an die Aktionäre. Der Wert der Übernahmeofferte beläuft sich auf 124 Milliarden Euro. Damit ist das Angebot das bis dato höchste in der Wirtschaftsgeschichte. Der Mannesmann-Vorstand lehnt abermals ab.

23. November 1999: Auf einer Protestveranstaltung machen in Düsseldorf rund tausend Betriebsräte des Konzerns Front gegen Vodafone. Konzern-Chef Klaus Esser kündigt eine Beschleunigung des Firmenumbaus an und will sich schneller auf den Wachstumsbereich Telekommunikation konzentrieren.

28. November 1999: Mannesmann lehnt das Angebot von Vodafone erneut ab.

21. Dezember 1999: Die Europäische Kommission genehmigt die Übernahme von Orange durch Mannesmann.

10. Januar 2000: Vodafone wirft Mannesmann vor, seine Aktionäre mit Warnungen vor erheblichen Risiken der Übernahme zu täuschen.

11. Januar 2000: Das "Wall Street Journal" berichtet über Gespräche zwischen Mannesmann und dem französischen Medien- und Telekomkonzern Vivendi. Mannesmann müht sich, eine Fusion mit einem "Weißen Ritter" zu arrangieren, um einer Übernahme durch die Briten zu entgehen.



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