Drohende Insolvenz: Metro-Chef wirft Arcandor Zögerlichkeit bei Karstadt-Rettung vor

Die Lage ist gespannt - und das merkt man am Ton: Metro-Chef Cordes hat Arcandor vorgehalten, die Rettungsversuche zu verzögern - auf Kosten der Mitarbeiter. Dabei ist klar: Sollten die Krisengespräche scheitern, droht dem angeschlagenen Warenhauskonzern schon am Montag die Insolvenz.

Essen - Der mögliche Retter macht Druck: Metro-Chef Eckhard Cordes dringt auf schnelle Verhandlungen über eine Übernahme der Karstadt-Kaufhäuser. "Die Zeit läuft Karstadt davon", sagte Cordes der Zeitung "Bild am Sonntag". Jeder Tag, an dem der Karstadt-Mutterkonzern Arcandor mit anderen Optionen spiele oder neue Optionen für Staatshilfen erörtere, sei ein verlorener Tag für konkrete Verhandlungen.

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Karstadt-Mitarbeiter in Frankfurt: "Zögern und Zaudern findet letztlich auf dem Rücken der Mitarbeiter statt"

Cordes warf Arcandor gleichzeitig vor, das Zögern und Zaudern des Konzerns finde letztlich auf dem Rücken der Mitarbeiter statt. "Es ist schon eigenartig: Ausgerechnet diejenigen, die uns immer vorgeworfen haben, wir spielten mit der Insolvenz, tragen mit ihrem Verhalten zu einer solchen Entwicklung bei", sagte Cordes.

Ohne Hilfe Insolvenz am Montag

Tatsächlich steht der angeschlagene Warenhauskonzern kurz vor dem Aus: Wenn die Bundesregierung den beantragten Notkredit von 437 Millionen Euro am Montag ablehne, müsse Arcandor noch am gleichen Tag Insolvenz anmelden. "Dann bleibt uns keine andere Wahl", sagte Arcandor-Sprecher Gerd Koslowski. Ohne staatliche Hilfszusage werde Arcandor am kommenden Freitag zahlungsunfähig. Dann läuft ein 650-Millionen-Euro-Kredit aus.

Um die Zahlungsunfähigkeit in letzter Minute abzuwenden, treffen sich am Sonntag Arcandor Chart zeigen-Chef Karl-Gerhard Eick, Metro Chart zeigen-Chef Cordes und der Deutschland-Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Alexander Dibelius, sagte Koslowski. Goldman Sachs Chart zeigen ist Haupteigentümer der Immobiliengesellschaft Highstreet, der die meisten Karstadt- Warenhäuser gehören. Karstadt zahlt nach Informationen des SPIEGEL seit Freitag keine Miete mehr.

Von Seiten der Politik gibt es bislang allerdings wenig Interesse, den Konzern mit Staatshilfe zu retten: "Bei Arcandor muss man zunächst einmal die Eigentümer und die Gläubiger stärker fordern, zumal es Teile des Konzerns gibt, die wirtschaftlich gesund sind, wie zum Beispiel der Touristikbereich", sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel der "Bild am Sonntag". "Das sind Fragen, die beantwortet werden müssen, bevor über Staatshilfen nachgedacht wird."

Merkel will privatwirtschaftliche Lösung

Bei Arcandor habe es "ein erhebliches Missmanagement mit äußerst ungünstigen Vertragsgestaltungen, zum Beispiel bei den Mietverträgen" gegeben, so die Kanzlerin weiter. "Da ist es überhaupt nicht einzusehen, warum manche in der SPD den deutschen Steuerzahler mit einem Risiko belasten wollen und nicht vielmehr an diesen Ursachen ansetzen."

Stattdessen forderte Merkel die Geschäftsführung auf, Gespräche mit Kaufhof über eine Fusion der beiden Warenhausketten zu führen. "Es gibt zum Beispiel andere Unternehmen wie die Kaufhof-Betreiber, die Interesse an den Karstadt-Häusern haben. Ich rate der Geschäftsleitung sehr dazu, die entsprechenden Gespräche zu führen und nicht zu versuchen, stattdessen allein den Staat unter Druck zu setzen."

Auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) steht Staatshilfe skeptisch gegenüber. Dem SPIEGEL sagte er: "Die Eigentümer des Unternehmens müssen nachprüfbar bereit sein, ihr Eigenkapital zu erhöhen." Zudem brauche es ein "Stillhalteabkommen der Gläubigerbanken", andernfalls sei der Einsatz von Steuergeldern nicht zu rechtfertigen. "Wer sich jetzt mit einem nicht plausiblen Konzept zufriedengibt, zynisch kalkulierend, ob es über die anstehenden Wahlen reicht, spielt mit dem Schicksal der Betroffenen", so der Minister weiter.

Cordes schlägt "Rettungspakt für Arbeitsplätze" vor

Metro-Chef Cordes wirbt denn auch weiter für eine Übernahme der Karstadt-Filialen: Nach dem Metro-Konzept gebe es in Deutschland für rund 160 Kaufhäuser eine langfristige Perspektive, sagte Cordes. Da Kaufhof und Karstadt gemeinsam rund 200 Filialen hätten, müssten etwa 40 anders verwendet werden. Betroffen wären etwa 30 Häuser von Karstadt und 10 von Kaufhof. Diese müssten aber nicht geschlossen werden, sondern könnten etwa durch die Metro-Tochter Saturn weiter betrieben werden.

Cordes sagte, nach dem Metro-Plan gingen etwa 5000 Vollzeitstellen verloren. Dies müsse für die Betroffenen jedoch nicht zu Arbeitslosigkeit führen. Metro schlage die Schaffung einer Transfer- und Sicherungsgesellschaft vor. "Unser Ziel ist es, diese Arbeitsplätze und die betroffenen Standorte zunächst zu erhalten und über einen Zeitraum von 12 bis 24 Monaten umzuwandeln oder an andere Interessenten - wie Bekleidungshäuser - zu verkaufen", sagte Cordes. Man könne damit fast allen davon betroffenen Mitarbeitern eine "sichere Zukunft" bieten.

Doch damit nicht genug: Unmittelbar vor dem neuen Karstadt-Gipfel am Sonntag schlug Cordes allen Beteiligten einen "Rettungspakt für Arbeitsplätze" vor. "Dafür bringen zunächst wir den profitablen Kaufhof und ein erfolgreiches Kaufhaussystem ein. Dann müssten die Vermieter der Immobilien - in welcher Form auch immer - helfen. Die Serviceleister, zum Beispiel in der Logistik, müssten Kosten senken, um die Logistik der Karstadt-Häuser so günstig aufzustellen wie bei unserem Kaufhof."

Mehr zum Thema auch im SPIEGEL TV Magazin am Sonntag, 07. Juni, 22.35 Uhr auf RTL

sam/dpa/ddp

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