Druschba-Pipeline: Russisches Öl fließt wieder nach Europa

Einigung im Ölstreit: Nach dreitägiger Blockade fließt wieder russisches Öl durch die Druschba-Pipeline nach Westeuropa. Weißrussland hatte zuvor die geforderten Transfergebühren zurückgenommen.

Minsk/Bratislava - Das Öl werde wieder nach Deutschland, Polen, die Ukraine, die Slowakei, Tschechien und Ungarn gepumpt, sagte der Generaldirektor des Pipelinebetreibers Gomeltransneft-Druschba, Alexej Kostuschenko am Abend. Die Wiederaufnahme der Lieferungen entspreche den Einigungen, die Russland und Weißrussland erreicht hätten, zitierte die amtliche Nachrichtenagentur Itar-Tass den Direktor der Betreibergesellschaft.

Ölraffinerie in Schwedt: Drei Tage gedrosselte Produktion
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Ölraffinerie in Schwedt: Drei Tage gedrosselte Produktion

Der Druck von Seiten der EU ist damit nicht ohne Wirkung geblieben. Der russische Präsident Putin und sein weißrussischer Amtskollege Lukaschenko hatten sich am Nachmittag über die Transferbedingungen für Öllieferungen gen Westen geeinigt. Die weißrussische Regierung hatte erklärt, sie habe die umstrittenen Transitgebühren für russisches Öl wieder gestrichen. Diese Gebühren waren Teil des Streits zwischen Minsk und Moskau, der zur Pipeline-Blockade geführt hatte.

Der weißrussische Regierungschef Sergej Sidorski soll nun morgen nach Moskau reisen, um mit seinem russischen Kollegen Michail Fradkow konkrete Vorschläge zur künftigen Regelung von Gas- und Öllieferungen auszuarbeiten. Dies wurde nach offiziellen weißrussischen Angaben in dem Telefonat zwischen Putin und Lukaschenko vereinbart.

Die Anlage in Schwedt sowie die Großraffinerie in Spergau bei Leuna mussten ihre Produktion wegen der seit Montag andauernden Blockade der Pipeline erheblich drosseln. In Schwedt wurden nach Angaben des Sprechers nur noch rund 60 Prozent des üblichen Volumens von etwa 31.000 Tonnen pro Tag verarbeitet. In Spergau wurden rund 70 Prozent der üblichen Rohölmenge verarbeitet, wie eine Sprecherin des an der Raffinerie beteiligten Total-Konzerns sagte. Allerdings verschafften sich die Anlagen ihren Nachschub auf anderen Wegen: In Rostock lief den Angaben zufolge ein Tanker mit 80.000 Tonnen Rohöl ein, das über eine andere Pipeline nach Schwedt gepumpt werden sollte. Die Anlage in Spergau wiederum sollte mit Rohöl aus Lieferungen an den Hafen in Danzig versorgt werden.

Moskau hatte am Montag die Öllieferungen in Richtung Westeuropa über die durch Weißrussland verlaufende "Druschba"-Pipeline gestoppt. Russland erhob den Vorwurf, dass Weißrussland die Lieferungen schon zuvor unterbrochen habe, um Öl für eigene Zwecke abzuzweigen. Der Blockade vorausgegangen war ein Streit beider Länder um Gas- und Öllieferungen. Russland hatte zu Jahresbeginn den Gaspreis für Weißrussland verdoppelt und eine Öl-Liefersteuer erhoben. Minsk erhob daraufhin die Transitsteuer auf russisches Öl, die wiederum von Moskau als inakzeptabel bezeichnet wurde.

reh/mik/AP/AFP/dpa

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