Düstere Prognose Autobauer erwarten drastischen Absatzeinbruch

Die Krise der deutschen Autoindustrie wird sich verschärfen. Nach dem Absatzeinbruch in diesem Jahr rechnet der Branchenverband VDA für 2009 nur noch mit 2,9 Millionen Neuzulassungen. Das wäre das schwächste Ergebnis seit der Wiedervereinigung.


Frankfurt am Main - Auf dem deutschen Markt werden im kommenden Jahr voraussichtlich nur 2,9 Millionen Neuwagen verkauft. Das teilte der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Mittwoch in Frankfurt mit.

Neuwagen in Emden: Kaufzurückhaltung trotz Rabatt
DDP

Neuwagen in Emden: Kaufzurückhaltung trotz Rabatt

VDA-Präsident Matthias Wissmann sagte: "Die Automobilmärkte haben eine Talfahrt genommen, die in dieser Geschwindigkeit und Ausprägung noch nie vorher stattgefunden hat." Die Krise beschränke sich nicht auf ein Land, sondern habe alle wichtigen Märkte weltweit erfasst. Angesichts des dramatischen Nachfragerückgangs passten die deutschen Hersteller ihre Kapazitäten an. "Dies wird auch Auswirkungen auf die Beschäftigung haben", erklärte Wissmann.

Konkrete Zahlen wollte er nicht nennen. Bereits im September habe die Branche allerdings 1850 Stellen gestrichen, im Vergleich zum August. Vor allem Zeitarbeiter sind bislang gekündigt worden. "Das Ziel ist, so lange wie möglich Stammpersonal zu halten, weil wir das nach der Krise wieder brauchen", sagte Wissmann. "Aber je länger und tiefer die Krise ist, desto größer werden die Auswirkungen." Insgesamt beschäftigen Hersteller und Zulieferer derzeit 761.600 Mitarbeiter, das sind 13.500 mehr als vor einem Jahr.

Der Autobauer Daimler plant den "Stuttgarter Nachrichten" zufolge bereits weitere Produktionskürzungen zu Ostern. Demnach sollen die Bänder in einigen Werken an Ostern für zwei und in den Sommerferien für drei Wochen stillstehen. Es werde für das kommende Jahr weitgehend mit einer Vier-Tage-Woche geplant. Für einige Bereiche werde sogar über eine Drei-Tage-Woche diskutiert, berichtete die Zeitung unter Berufung auf Unternehmenskreise. Eine Firmensprecherin wollte dazu nicht Stellung nehmen.

Im November war der Automarkt in Deutschland um fast 18 Prozent geschrumpft, wie der Verband der Internationalen Kraftfahrzeughersteller (VDIK) und das Kraftfahrtbundesamt (KBA) bereits am Dienstag mitgeteilt hatten. Demnach wurden nur 233.800 Fahrzeuge neu angemeldet. Bereinigt um die geringere Zahl der Arbeitstage beträgt das Minus im November zehn Prozent, was dem Rückgang in den beiden Vormonaten entspricht.

Bereits im Oktober waren 8,2 Prozent weniger Autos als im Vorjahresmonat verkauft worden. In den ersten elf Monaten insgesamt verkleinerte sich der Pkw-Markt mit rund 2,864 Millionen Neuzulassungen um 1,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

GM streicht mehr als 30.000 Jobs zusätzlich

Der November entpuppte sich auch für die US-Autobauer als besonderer Horrormonat: Nach Firmenangaben setzte General Motors im November 41 Prozent weniger Fahrzeuge ab als im Vergleichsmonat des Vorjahrs. Bei Ford lag das Minus im Jahresvergleich bei 31 Prozent, Chrysler verkaufte 47 Prozent weniger. Weniger als 13 Millionen Fahrzeuge dürften in diesem Jahr in den USA verkauft werden; 2007 waren es noch mehr als 16 Millionen.

General Motors dringt bei der US-Regierung auf einen Milliardenkredit - und verspricht dafür drastische Einschnitte: Bis 2012 will der Konzern weitere 31.500 Jobs streichen. Noch in diesem Monat braucht der Autogigant nach eigenen Angaben vier Milliarden Dollar.

Seine schwedische Tochter Saab will GM schnell verkaufen oder auch schließen. Das bestätigten Unternehmenssprecher in Detroit am Mittwoch schwedischen Medien. Konzern-Vizechef Frederick Henderson sagte dem Stockholmer Rundfunksender SR: "Wir schauen uns alle Möglichkeiten einschließlich eines Verkaufs an." Er meinte weiter, dass sich GM um eine möglichst schnelle Lösung bemühe: "Derartige Dinge werden umso besser, je schneller man sie anpackt."

ssu/AP/dpa/Reuters



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