Düstere Prognose IWF sagt deutscher Wirtschaft rasante Talfahrt voraus

Die Weltwirtschaft schwächelt unter dem Druck der Finanzkrise. Nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds droht Europa im kommenden Jahr eine Konjunkturflaute. Die deutsche Wirtschaft werde 2009 überhaupt nicht mehr wachsen - die Wahrscheinlichkeit einer Depression sei aber gering.


Washington - Die Aussichten sind schlecht: Angesichts des schlimmsten Börsenschocks seit den dreißiger Jahren erlebt die Weltwirtschaft nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds (IWF) nun einen deutlichen Abschwung. Wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten und den nach wie vor hohen Preisen für Energie- und Verbrauchsgüter verlangsamt sich der Prognose zufolge das Wachstum, und viele große Volkswirtschaften sind nah an einer Rezession oder schlittern gerade hinein.

IWF-Zentrale in Washington: Düstere Prognosen für die Weltwirtschaft
REUTERS

IWF-Zentrale in Washington: Düstere Prognosen für die Weltwirtschaft

Europa und den USA droht nach Ansicht des IWF im kommenden Jahr ein rasanter Abschwung. Die deutsche Wirtschaft werde 2009 überhaupt nicht mehr wachsen, sagt der IWF in seinem halbjährlichen Weltwirtschaftsausblick voraus. Für 2008 prognostizieren die Experten Deutschland noch ein Wachstumsplus von 1,8 Prozent.

Dennoch trifft es Deutschland 2009 wohl nicht am härtesten: Die Wachstumsschlusslichter im Kreis der großen Euro-Zonen-Länder werden dem IWF zufolge Italien und Spanien sein. Beiden Staaten sagt der IWF eine um 0,2 Prozent schrumpfende Ökonomie voraus.

Insgesamt gehen die Experten davon aus, dass sich das Wachstum der Weltwirtschaft im kommenden Jahr deutlich abkühlen wird: Statt wie früher 3,9 Prozent erwartet der IWF nur noch ein Plus von 3,0 Prozent, wobei hauptsächlich die alten Industrieländer Einbußen hinnehmen müssen. Die USA, wo die weltweite Finanzkrise im Sommer 2007 ihren Anfang nahm, können 2009 nur noch mit einem mageren Wachstum von 0,1 Prozent rechnen.

Trotz der jüngsten Zinssenkungen der führenden Notenbanken sieht der Währungsfonds Handlungsbedarf gegen den weiteren Abschwung: Es seien möglicherweise weitere Zinssenkungen nötig, sagte IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard am Mittwoch in Washington.

Dennoch kann die Geldpolitik seiner Meinung nach nur einen Teil der Antworten auf das Problem liefern. Insbesondere in Europa müssten die Probleme im Finanzsektor angegangen werden. "Wenn die richtige Politik gemacht wird, ist die Wahrscheinlichkeit einer großen Depression sehr gering", sagte der IWF-Chefökonom.

Mit seiner Wachstumsprognose ist der IWF weit pessimistischer als viele deutsche Forschungsinstitute, die immerhin noch ein leichtes Plus vorhersagen. So erwartet das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2009 noch um 1,0 Prozent wachsen wird. Bisher gingen die Forscher von 1,2 Prozent aus.

Deutlich pessimistischer ist da die Bundesregierung: Nach einem Zeitungsbericht hat sie ihre Wachstumsprognose mittlerweile korrigiert. Es werde nur noch ein Wachstum zwischen null und 0,5 Prozent veranschlagt, schreibt die "Financial Times Deutschland" und beruft sich auf Regierungs- und Koalitionskreise. Die Prognose von derzeit noch 1,2 Prozent werde "in Richtung Null" gesenkt.

cvk/Reuters/dpa/AP

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