Duschen im A380: Warmer Regen für Millionäre

Von Andreas Spaeth

Ausziehen zum Abheben: Wenn am Freitag die ersten Passagiere mit dem neuen Airbus A380 von Emirates fliegen, bekommen sie Luxus pur geboten. First-Class-Kunden können die erste Borddusche im Linienverkehr nutzen. SPIEGEL ONLINE hat die Brause vorab getestet.

Boris Becker grinst, während er die erste Dusche betritt, die jemals in ein Verkehrsflugzeug eingebaut worden ist. "Maximal 2 Personen erlaubt", verkündet das Schild an der grauen Eingangstür. "Wäschekammer!", ruft plötzlich jemand in Beckers Richtung. Kurz wirkt das Lächeln des Ex-Tennisstars bei dieser Anspielung auf frühere außereheliche Aktivitäten etwas gequält.

"Die Dusche ist auf jeden Fall besser als die am Centre Court von Wimbledon", verkündete der Ex-Tennisstar Anfang dieser Woche in Hamburg beim Blick in die geräumige, mit hellem Holzimitat dekorierte Nasszelle, die an Bord des ersten Airbus A380 für die Fluglinie Emirates installiert wurde. "Eine Dusche im Flugzeug ist definitiv ein Highlight", findet der Vielflieger.

Emirates läutet im Konkurrenzkampf um die bestzahlenden Kunden eine neue Runde ein. "Wir bauen in den A380 Duschen für die First-Class-Passagiere ein, weil andere Airlines das noch nicht haben", sagt Emirates-Chairman Scheich Ahmed Bin Said Al Maktoum. "Wir müssen etwas Neues bieten."

"Wir haben viele First-Class-Passagiere, die absolut nicht preissensibel sind", ergänzt der Chef der Airline, Tim Clark. "Die zahlen 10.000 oder 20.000 Dollar für eine Reise, denen müssen wir an Bord etwas bieten, wenn sie per Rolls Royce aus dem Hotel Burj Al Arab kommen und mit uns fliegen."

"Wir haben Airbus zur Weißglut getrieben"

Das Unternehmen wagt einen Spagat. Gerade Tim Clark, der seit der Gründung von Emirates 1985 an der Spitze steht, hat immer betont: "Wir müssen so viele Sitze wie möglich an Bord haben, schließlich wollen wir mit dem A380 Geld verdienen." So geht Emirates mit dem Platz an Bord sorgsam um, installiert auf dem Hauptdeck insgesamt 399 Sitze in der Economy Class, während die maximal 14 First-Kunden in Suiten auf dem Oberdeck Platz nehmen können. Dahinter folgen 76 Business-Sitze, die sich in flache Betten verwandeln lassen.

Im hinteren Teil des Oberdecks befindet sich zudem die halbrunde Stehbar, flankiert von zwei Sofas. "Dafür musste eine Reihe Business-Sitze weichen. Wir werden sehr sorgfältig prüfen, ob sich das rechnet", sagt Tim Clark zu SPIEGEL ONLINE. Vorsorglich blieben die Fächer zur Gepäckablage an der Decke an Ort und Stelle. Schnell lässt sich der Tresen somit durch Sitze ersetzen. "Aber vielleicht bleiben dann gerade die Kunden weg, die uns wegen der Bar gebucht haben", fürchtet Clark.

Die beiden großzügigen "Spa-Räume" dagegen, wie Emirates sie nennt, stehen zunächst nicht zur Disposition. Sie befinden sich am vorderen Ende des Oberdecks, zu beiden Seiten der Treppe. "Diesen Platz kann man sonst kaum sinnvoll nutzen, aber wir haben Airbus mit unserem Plan für Duschen an dieser Stelle zur Weißglut getrieben", gibt Tim Clark zu.

Nachfolger der Kohl-Dusche

Dabei wurden Duschen für Flugzeuge eigentlich in Hamburg erfunden - und zwar schon 1991. Allerdings nicht von Airbus, sondern von Lufthansa Technik in Fuhlsbüttel, einem Spezialisten für VIP-Flugzeuge. Helmut Kohl bekam kurz nach der Wiedervereinigung seinen neu gestalteten Kanzler-Airbus A310, mit dem Angela Merkel heute noch unterwegs ist. Damals ersannen die Ingenieure eine tonnenförmige Kunststoff-Nasszelle, die seither in der Branche als "Kohl-Dusche" bekannt ist.

Für kommerzielle Passagierflugzeuge dagegen schienen Duschen bisher schon wegen des Extragewichts für Wasser ungeeignet. "Wir wollten zunächst eine Dusche einbauen, die das Wasser recycelt und durch UV-Reinigung absolut keimfrei macht, aber das erlaubte die zuständige Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) nicht für eine Passagiermaschine", bedauert Clark.

Jetzt sind die A380-Duschen an den normalen Wasserkreislauf angeschlossen. "Jeder First-Gast kann fünf Minuten duschen, und wir rechnen dabei mit fünf Litern Wasser pro Minute, insgesamt führen wir dafür je nach Buchungslage maximal bis zu einer halben Tonne Wasser zusätzlich mit", so Clark. Man habe an anderen Stellen im Flugzeug viel Gewicht einsparen können. Vorwürfe, dieses Extragewicht produziere unnützen Treibstoffverbrauch und Schadstoffausstoß, weist Tim Clark als "Öko-Terrorismus" zurück.

Die Konkurrenz gibt sich angesichts dieses Aufwands skeptisch. Die Lufthansa hat bereits verkündet, in ihren ab Ende 2009 ausgelieferten 15 Maschinen vom Typ A380 auf Duschen zu verzichten. "Solchen Unsinn wird es bei uns nicht geben", sagte Vertriebsvorstand Thierry Antinori zu SPIEGEL ONLINE. "Die braucht niemand. Das haben unsere Passagierumfragen ergeben." Emirates wird also zunächst exklusiver Anbieter von Duschvergnügen über den Wolken bleiben.

Ein Duschtest von SPIEGEL ONLINE auf dem Überführungsflug des A380 nach Dubai in dieser Woche verlief positiv: Der Wasserstrahl ist angenehm kräftig, das Wasser kommt heiß aus der Leitung, wahlweise auch kalt, und selbst mit Haarewaschen verbraucht ein durchschnittlicher Warmduscher gerade mal drei Viertel des vorgesehenen Wassers, wie die eigens angebrachte Leuchtanzeige illustriert.

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