EADS-Plan Airbus-Chef erwägt Verkauf von Werk in Nordenham

Für die Airbus-Mitarbeiter kommt es noch härter als gedacht. Bisher war nur von zwei Werken die Rede, die das Unternehmen in Deutschland verkaufen wollte. Aber auch ein drittes steht nach Angaben von Konzernchef Gallois zur Disposition.


Frankfurt am Main – Konkret im Blick hat der Manager dabei den Standort Nordenham in Niedersachsen. Eigentlich sucht der Airbus-Mutterkonzern EADS für dieses Werk nur einen "industriellen Partner". Für diesen Partner ist EADS aber offensichtlich bereit, sich komplett aus Nordenham zurückzuziehen.

Airbus-Chef Gallois: "Warum nicht zu 100 Prozent?"
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Airbus-Chef Gallois: "Warum nicht zu 100 Prozent?"

"Ich mache einen Unterschied zwischen Verkauf und Partnerschaft. Aber der Partner kann auch den Standort ganz übernehmen. Warum nicht zu 100 Prozent?", sagte Airbus-Chef Louis Gallois der "Süddeutschen Zeitung". Neben Nordenham sind auch die Standorte Méaulte (Frankreich) und Filton (Großbritannien) von dieser neuen Interpretation des Wortes "Partnerschaft" betroffen.

Airbus brauche die Hilfe von Investoren, um Nordenham, Méaulte und Filton von der Metallverarbeitung auf Faserverbundwerkstoffe umzustellen. Mit ihnen wolle Airbus langfristig eng zusammenarbeiten, "weil sie wichtige und komplexe Flugzeugteile herstellen", sagte Gallois, der neben dem Deutschen Tom Enders Co-Chef vom Mutterkonzern EADS ist.

Einen Komplettverkauf hatte Airbus in Deutschland bisher nur für die Werke Varel (Niedersachsen) und Laupheim (Baden-Württemberg) angekündigt. Außerdem will Airbus das Werk im französischen Saint-Nazaire verkaufen.

Gallois sagte, Airbus habe bereits mit zwei Partnern über den Kauf von Werken gesprochen, "aber das war informell". Er deutete an, dass auch die italienische Alenia ein Produktionspartner sein könnte. "Warum nicht? Wir haben sehr gute Beziehungen zu Alenia." Die Bremer OHB Technology signalisierte bereits ihr Interesse, während der Nürnberger Rüstungskonzern Diehl sich reserviert zeigt und auf ein Angebot von Airbus warten will.

Beim Verkauf der Werke gehe es nicht um die Einnahmen, machte Gallois klar. "Wenn der Preis zu hoch ist, dann werden wir eines Tages dafür auch als Käufer der Produkte bezahlen müssen."

Airbus hatte am Mittwoch ein milliardenschweres Programm zum grundlegenden Umbau des Flugzeugherstellers vorgestellt, im Zuge dessen 10.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen. Außerdem soll die Produktion der Flugzeuge neu organisiert werden.

Die Einigung war zunächst von einem Streit unter den EADS-Anteilseignern aus Deutschland und Frankreich blockiert worden. Der Flugzeug- und Rüstungskonzern wird im Verwaltungsrat wie im Management von einer Doppelspitze mit je einem Franzosen und einem Deutschen geführt. Gallois sprach sich nun dafür aus, diese Struktur aufzugeben. Sie verlangsame die Entscheidungsprozesse. Der 63-jährige Gallois sagte, er hoffe, dass das Problem gelöst werde, bevor er in den Ruhestand geht.

Ähnlich äußerte sich Gallois' deutscher Kollege Tom Enders: "Ich verteidige unsere Doppelspitze nicht. Sowohl Louis Gallois als auch ich wären jeweils lieber der alleinige Chef im Ring", sagte er "Focus".

"Es gab gravierende Managementfehler"

Angesichts der angekündigten Proteste der Arbeitnehmer warnte Enders die Gewerkschaften eindringlich vor einem Streik. Bei vollen Auftragsbüchern und festgelegten Lieferterminen dürfe es zu keinen Produktionsausfällen kommen: "Längere Streiks würden uns empfindlich treffen und noch weiter zurückwerfen. Das kann nicht im Sinne der Beschäftigten sein", sagte Enders "Focus".

Gleichzeitig versuchte er, die Sorgen der Mitarbeiter zu zerstreuen. "Wir machen keine Standorte platt, wir entlassen niemanden, wir steuern nur um." Für die betroffenen Werke könne es eine Chance sein, wenn sie nicht mehr im Airbus-Verbund sind: "Sie können dann auch für andere Auftraggeber arbeiten, etwa für Boeing. Es muss in diesen Werken niemand Angst haben."

Enders widersprach dem Deutschland-Chef von Airbus, Gerhard Puttfarcken, der eine Mitverantwortung des Managements an der aktuellen Krise zurückgewiesen hatte. "Fakt ist: Es sind in den vergangenen Jahren gravierende Managementfehler gemacht worden", sagte Enders. Das gelte vor allem für den Großraumflieger A380, der verspätet ausgeliefert werden muss, sowie für die Integration der nationalen Standorte zu einem europäischen Unternehmen. "Da sind viele Hausaufgaben nicht gemacht worden."

Gallois zufolge ist das Grundproblem aber die Einmischung der Politik bei Airbus. Alle Länder mit Anteilen hätten versucht, sich das beste Stück vom Kuchen zu sichern, sagte Gallois der "Financial Times". Solche Konflikte seien Gift für das Unternehmen.

wal/Reuters/AP/dpa



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Seite 1
5mark, 28.02.2007
1.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind.
jocurt, 28.02.2007
2. Es wohl ein ziemlicher Gipfel an Unverfrohrenheit...
---Zitat von 5mark--- Offensichtlich finden die Mitarbeiter der in Frage kommenden Werke diese Lösung nicht so prickelnd. Sonst wären sie wohl nicht nach Haus gegangen,wie ich grad in der Eilmeldung gelesen hab. Naja wenn man das Gefühl hat, man wird nur noch verschaukelt kommt man ganz leicht an den Punkt wo man sich sagt "Dann spielt doch alleine weiter, ich habs satt." Persönlich glaub ich ja die Krise geht jetzt erst los. Mal sehen wie europäisch wir alle wirklich sind. ---Zitatende--- das ich dem Spiegel Post entnehmen darf, dass auch eine èbergabe an das Management anstehen kann: " Dazu zählt neben einem Verkauf an Hauptzulieferer auch eine Abgabe an das Management oder die Zusammenlegung mit anderen Werken. Für den Standort Nordenham (ebenfalls Niedersachsen) sowie für Filton in Großbritannien und Méaulte in Frankreich erwägt Airbus "industrielle Partnerschaften". Für diese Standorte gebe es bereits "unaufgefordert Angebote möglicher Investoren". " Das heisst ja, erst abzocken, Karre in den Dreck fahren und die Reste gewinnbringend als MBO übernehmen. Nimmt ein Mitarbeiter eine Schraube mit, wird er wegen Diebstahl entlassen. wie nennt man das aber jetzt?
Mathesar 28.02.2007
3.
---Zitat von sysop--- Nach Monaten sind die Details des Airbus-Sanierungsprogrammes Power 8 bekannt - 10.000 Stellen fallen weg, in Deutschland stehen die Werke Laupheim und Varel zur Disposition. Gleichzeitig bekommt das Werk Hamburg neue Kompetenzen. Kommt Airbus so aus der Krise? Und was bedeutet die Sanierung für den Standort Deutschland? ---Zitatende--- Wie so häufig zeigt sich auch bei Airbus mal wieder: Wenn man etwas wirklich gegen die Wand fahren will, muß man nur die Politik mitspielen lassen. Airbus ist dafür ein profundes Beispiel.
medienquadrat, 28.02.2007
4. wie soll das denn funktionieren?
Vielleicht kann mir das endlich jemand erklären, wieso 10.000 entlassen werden sollen? Haben die ansonsten immer herumgesessen und blöd in die Gegend gestiert? Wer soll denn deren Arbeit machen? Oder haben die nichts mehr zu tun, keine Aufträge mehr, oder werden die Flugzeuge von selbst fertig, setzen sich selbsttätig zusammen? Ist das denn etwa demnächst so, dass die Flieger notdürftig zusammengekloppt ausgeliefert werden? Muss man sich Sorgen machen, um die Flugsicherheit?
AttilaR, 28.02.2007
5. Faire Verteilung
Das Management hat versagt; Verkabelungsprobleme. So hieß es. Die Auslieferungen klappten nicht . Krise. Die Folgen. Krise. Es werden ca. 10.000 oder doch nur "8.5oo" Arbeiter entlassen? Das Management wird aufgrund des beherzten Durchgreifens be- fördert und/oder bekommt Prämien. Vielleicht als Krönung eine MBO. Und die Politik? Die Politik labert von "gerechter Lastenverteilung!! Attila Keiner ist so schwer zu überzeugen, als einer, der dafür bezahhlt wird, die Sache nicht zu verstehen. (Nach einen amerikanischen Schriftsteller.)
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