Eigenheim So vermeiden Sie Fehler im Bauvertrag

Der Traum vom eigenen Heim scheitert oft am Bauvertrag: Viele Schriftsätze sind fehlerhaft, häufig sind Leistungen wie der Anschluss an das Kanalnetz nicht enthalten. Wer solche Pleiten vermeiden will, sollte einen Bauberater aufsuchen - aber nicht irgendeinen.


Schlecht für Bauherren: In zwei Drittel aller Bauverträge für Häuser, die schlüsselfertig übergeben werden sollen, fehlen wichtige, vertraglich festgelegte Leistungen. Das ergab eine Erhebung des Verbandes privater Bauherren.

Bemängelt werden etwa statische Berechnungen in der Planungsphase oder Kalkulationen zum Wärmebedarf. Eigentlich selbstverständliche Arbeiten wie die Dachdämmung oder der Anschluss des Hauses an das Kanalnetz fehlen in jedem zweiten Vertrag.

Besonders fatal: Laien haben meist keine Chance, diese Fehler in ihrem Bauvertrag zu entdecken. Wer trotzdem unterschreibt, muss mit hohen Mehrkosten rechnen. Leicht können mehrere Tausend Euro zusammenkommen. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, sollte seinen Bauvertrag daher vor der Unterschrift von einem Fachmann prüfen lassen. Das ist zum Beispiel bei den Verbraucherzentralen, dem TÜV, dem Bauherren-Schutzbund und dem Verein "Wohnen im Eigentum" möglich.

Die Berater überprüfen zum einen, ob der Vertragsentwurf juristische Fallstricke enthält. Das können zum Beispiel eine fehlerhafte Terminplanung oder unklare Regelungen darüber sein, wie die Gewährleistung aussieht, wenn Baumängel auftreten. Darüber hinaus prüfen die Berater aber auch die Bau- und Leistungsbeschreibung des Vertrags. Sie ist das Herzstück der Bauvereinbarung und sollte alle Arbeiten enthalten, die die Baufirma leistet.

Bauherren müssen bedenken: Was nicht in der Beschreibung geregelt ist, muss von der Baufirma auch nicht geleistet werden. Über offene Punkte müssen sie nachverhandeln und extra zahlen. Im Vergleich zu möglichen Folgekosten, die Bauherren bezahlen müssen, wenn ihr Bauvertrag Fehler aufweist, ist das Geld für einen Berater gut investiert.

Die Zeitschrift "Finanztest" hat die Preise anhand eines Musterfalls bei 20 Anbietern erhoben. Der Musterfall: ein Einfamilienhaus mit 150 Quadratmetern Wohnfläche, Baupreis 200.000 Euro. Vertrag, Haus und Grundstück weisen keine Besonderheiten auf.

Bei den Verbraucherzentralen kostet die Prüfung des Bauvertrags 90 bis 320 Euro. In der Leistung enthalten sind eine juristische Vertragsprüfung sowie die Kontrolle der Bau- und Leistungsbeschreibung auf Vollständigkeit und Schlüssigkeit.

Für das gleiche Angebot verlangen Verbände etwas mehr: Zwischen 220 und 700 Euro müssen Bauherren hier zahlen. Hinzu kommen noch Mitgliedsbeiträge. Die vollständige Tabelle mit allen Anbietern zeigt der Testkompass (siehe Kasten oben).

Der Expertenrat kann aber auch später, während der Bauphase, viel Geld sparen und Nerven von Bauherren schonen. Denn nach einer Studie der Dekra gibt es an jedem Bau im Schnitt 32 Mängel, für deren Beseitigung Bauherren rund 10.000 Euro zahlen müssen. Kommen Folgekosten durch Wertverlust oder einen Gerichtsprozess hinzu, kann die Summe leicht auf 30.000 Euro steigen.

Um dies zu vermeiden, bieten die genannten Organisationen auch eine Baubegleitung durch einen Sachverständigen an. Dieser kann durch Begutachtung der Baustelle rechtzeitig mögliche Mängel feststellen und die Baufirma drängen, diese rasch zu beseitigen. Oft sind die Baufirmen dazu eher bereit, wenn ein externer Fachmann auf Baufehler aufmerksam macht.

In vielen Fällen stellen die Prüfer fest, dass der Neubau undicht ist. Beseitigt die Baufirma dies nicht sofort, können durch eindringende Feuchtigkeit teure Folgeschäden entstehen. In dem "Finanztest"-Modellfall kostet die Baubegleitung 700 bis 3000 Euro. Geld, das nach Ansicht der Experten gut investiert ist.

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