Ein-Euro-Jobs auf Rügen Arbeitslose bergen verendete Grippe-Vögel

Die Vogelgrippe hat die Insel Rügen unvorbereitet getroffen. Die Behörden sind überlastet, es fehlt an Helfern zum Einsammeln der Kadaver. Der Landkreis fand eine unkomplizierte Lösung - und bat Arbeitslose um Mithilfe.


Hamburg/Stralsund - Vier Helfer, ein Auto, das war die Notmannschaft der Behörden auf Rügen - für die vielen Kadaver, die an schwer zugänglichen Stellen liegen, schlicht zu wenig. Denn es waren mehr tote Schwäne als erwartet. Mehr als 160 haben die Helfer schon weggeschafft.

Kadaverentsorgung auf Rügen: Niemand wird gezwungen
AP

Kadaverentsorgung auf Rügen: Niemand wird gezwungen

Heute fragte die Kreisverwaltung bei der Agentur für Arbeit an, ob Arbeitslose mithelfen könnten, die an der Vogelgrippe verendeten Tiere einzusammeln. Die sagte prompt zu und fragte bei Arbeitslosen in der Region, ob sie bereit seien zu helfen. "Wir haben heute zehn Ein-Euro-Jobber gefunden, die mit angepackt haben", sagte Stefan Brunke, Pressesprecher der Agentur für Arbeit in Stralsund, zu SPIEGEL ONLINE.

"Die Leute wurden von ihrer aktuellen Arbeit abgezogen und für die dringend benötigte Hilfe eingesetzt." Brunke betonte, dass die Erwerbslosen - die meisten von ihnen Langzeitarbeitslose - freiwillig zugesagt hätten. "Es wurde niemand gezwungen." Der Landkreis Rügen sorgte für die benötigte Schutzbekleidung.

Zuvor war Kritik an den Rügener Behörden laut geworden, weil diese zu spät reagiert hätten und auf die Vogelgrippe nicht ausreichend vorbereitet gewesen seien. Angesichts der seit Monaten bekannten Bedrohung durch die Tierseuche hätte eher gehandelt werden müssen, räumten die Kreisverwaltung und das Landwirtschaftsministerium von Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin ein.

Ob die Arbeitslosengeld-II-Empfänger auch in den kommenden Tagen mithelfen werden, tote Vögel einzusammeln, ist noch offen. "Noch wird geprüft, ob es dafür überhaupt Bedarf gibt", erklärte Brunke. Außerdem müssten die Behörden dann noch mehr Schutzkleidung bereitstellen. Brunke: "Wichtig ist natürlich, dass der höchstmögliche Sicherheitsanspruch erfüllt wird."

Hasnain Kazim



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