Ein-Euro-Jobs Studie belegt Missbrauch

Ein-Euro-Jobs verdrängen einer Studie zufolge in großem Umfang reguläre Arbeitsplätze. In einer anonymen Befragung kam heraus, dass fast jeder zweite Arbeitgeber die Ein-Euro-Jobber nicht im Sinne des Gesetzes einsetzt.


Berlin - Wie viele Arbeitsplätze genau betroffen sind, lässt sich aus den Daten nicht ablesen, teilte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) mit, das die Studie durchgeführt hat. Allerdings seien in vier Prozent der Einrichtungen, die so genannte Ein-Euro-Jobs anbieten, Personaleinsparungen bei der regulären Beschäftigung die Folge gewesen. Das IAB ist das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit.

Bahnhofsreiniger in Berlin: Kaum ein Ein-Euro-Jobber findet bei seinem Arbeitgeber eine reguläre Beschäftigung
DDP

Bahnhofsreiniger in Berlin: Kaum ein Ein-Euro-Jobber findet bei seinem Arbeitgeber eine reguläre Beschäftigung

Die Ergebnisse der anonymen Arbeitgeberbefragung lieferten zudem Indizien, dass fast jeder zweite Arbeitgeber zumindest einen Teil der Ein-Euro-Jobber nicht im Sinne des Gesetzes einsetzt. So würden sie zum Beispiel auch für Krankheitsvertretungen oder Überstundenabbau herangezogen. Wenn aber den Ein-Euro-Jobbern keine zusätzlichen Arbeiten übertragen würden, sondern Aufgaben der regulären Belegschaft, könne dies längerfristig zu einem Personalabbau führen, heißt es in der Studie weiter.

Eigentlich sollen mit den Ein-Euro-Jobs – offiziell Arbeitsgelegenheiten genannt - Langzeitarbeitslose an den Arbeitsmarkt herangeführt werden. Laut Gesetz dürfen sie aber nur dort eingesetzt werden, wo sie keine reguläre Beschäftigung verdrängen.

"Eine zu 100 Prozent öffentlich finanzierte Beschäftigung darf nicht dazu führen, dass reguläre Beschäftigung verringert und damit Arbeitslosigkeit bei anderen Personen erhöht wird", kritisieren nun die Autoren der IAB-Studie. Um solche Verdrängungseffekte zu minimieren, müssten die Arbeitsvermittler die Einzelfälle überwachen. Das würde zwar den Zeitaufwand erhöhen, andererseits aber auch eine bessere Einschätzung der Geförderten ermöglichen.

Die Forscher fragten die Arbeitgeber auch, ob die bei ihnen beschäftigten Ein-Euro-Jobber fit für den Arbeitsmarkt seien. Das sei für 44 Prozent bejaht worden, für 27 Prozent nicht. Bei knapp 30 Prozent machten die Befragten keine Angaben.

Nur bei zwei Prozent der generell geeigneten Ein-Euro-Jobber planten die Einrichtungen allerdings auch, sie fest einzustellen. Weitere fünf Prozent dachten darüber nach. Die Forscher zogen daraus den Schluss, dass die Arbeitsgelegenheiten nur selten eine Brücke in den Arbeitsmarkt seien. Immerhin förderten sie aber die soziale Integration und dienten zur Prüfung der Arbeitsbereitschaft.

wal/Reuters



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.