Eingefrorene Sparguthaben Deutsche Kaupthing-Kunden hoffen wieder

Die angeschlagene isländische Kaupthing-Bank will deutsche Anleger möglicherweise entschädigen - ein Treffen mit Vertretern des Bundesfinanzministeriums ist geplant. Darauf hoffen auch 4000 Sparer, die ihre Gelder in letzter Sekunde abbuchten, aber nie erhalten haben.

Von Kathrin Fichtel


Frankfurt - Die verstaatlichte isländische Bank Kaupthing steht nach eigenen Angaben davor, die Einlagen ihrer deutschen Kunden zurückzuzahlen. Die knappe Mitteilung des Instituts vom Donnerstagabend besagt, man habe in den vergangenen Wochen an einer Übereinkunft mit der deutschen Regierung über die Rückzahlung gearbeitet und hoffe, dass diese in den nächsten Tagen oder Wochen vorgenommen werden könne.

Kaupthing-Filiale in Island: Kunden hoffen auf Verhandlungsfortschritte hinter den Kulissen
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Kaupthing-Filiale in Island: Kunden hoffen auf Verhandlungsfortschritte hinter den Kulissen

Weiter hieß es, Vertreter von Kaupthing wollten sich in der kommenden Woche mit Vertretern des deutschen Finanzministeriums und der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) treffen, um über die Angelegenheit zu beraten. Weder BaFin noch das Ministerium wollten sich jedoch zu einem etwaigen Treffen äußern. "Wir stehen in ständigem Kontakt mit der isländischen Seite", sagte eine Sprecherin des Finanzministeriums lediglich.

Im Fokus der Verhandlungen stehen die eingefrorenen Einlagen von rund 30.000 deutschen Kaupthing-Kunden, die auf ihre Ersparnisse von insgesamt 300 Millionen Euro warten. Als sich ein Zusammenbruch des isländischen Finanzsystems abzeichnete, hatte die BaFin am Morgen des 9. Oktober ein Moratorium über die deutsche Tochter der Kaupthing-Bank verhängt. "Wie lange das Moratorium bestehen bleibt, ist nicht absehbar", sagte BaFin-Sprecher Sven Gebauer SPIEGEL ONLINE. Im Normalfall könne darüber nachgedacht werden, ein Moratorium aufzuheben, sobald das Entschädigungsverfahren eingeleitet wurde - aber diese Situation sei "komplett anders, da keiner weiß, was in Island passieren wird".

Welche Summen den deutschen Kaupthing-Kunden überhaupt ausgezahlt werden können, ist ebenfalls noch unklar. "Zu beachten ist auch, dass die gesetzliche Einlagensicherung in Island zunächst nur einen Höchstbetrag von 20.887 Euro abdeckt", sagt Gebauer. "Ob Einlagen erstattet werden, die diesen Betrag übersteigen, ist ebenso offen wie die Erstattung an sich."

Gelder liegen bei deutscher Korrespondenzbank auf Eis

Besonders hart trifft es jene Kunden, die ihr Geld kurz vor dem Einfrieren der Online-Konten abgezogen, aber nie erhalten haben. Laut BaFin handelt es sich um 4000 Deutsche, die vor dem Erlass des Moratoriums eine Überweisung getätigt haben. Obwohl die überwiesenen Beträge das Referenzkonto der Kunden nicht erreichten, steht ihr Kontostand bei Kaupthing jetzt auf Null.

Betroffene berichten, dass sich diese Gelder auf einem Korrespondenzkonto bei der DZ-Bank befinden. Diese wiederum verweist auf das Moratorium und darauf, "keine direkte Geschäftsbeziehung zu Kaupthing-Kunden" zu haben. Die Guthaben jener 4000 Kunden müssten auf dem Kaupthing-Konto wieder gutgeschrieben werden. "Auch diese Bankkunden sollten Ansprüche bei der Einlagensicherung geltend machen", empfiehlt BaFin-Sprecher Gebauer. Nach SPIEGEL-ONLINE-Informationen handelt es sich um 50 Millionen Euro, die bei der genossenschaftlichen DZ-Bank eingefroren sind.

Immerhin haben die BaFin und die Niederlassungsleitung der isländischen Bank gemeinsam veranlasst, "in Kürze" aktuelle Kontoauszüge an die hochnervöse Kundschaft zu verschicken - mit dem Hinweis, der Bank sei bewusst, dass bestimmte Buchungen noch nicht berücksichtigt seien.

Island kämpft um IWF-Hilfe

Mit einer Einigung über die deutschen Sparguthaben wäre die isländische Regierung, die die Kaupthing-Bank Anfang Oktober unter staatliche Kontrolle gestellt hatte, einen Schritt weiter auf dem Weg zum Hilfskredit des Internationalen Währungsfonds (IWF). Dieser wird auf der Insel im hohen Norden dringend benötigt: Die Inflation beträgt mittlerweile 15 Prozent, die isländische Krone verliert rapide an Wert, die Arbeitslosigkeit steigt, Menschen verlassen das Land, die Konjunktur liegt am Boden.

Die endgültige Freigabe der 1,7 Milliarden Euro war Anfang dieser Woche vom IWF zum dritten Mal auf unbestimmte Zeit verschoben worden - unter anderem auch wegen des schwelenden Streits mit den Niederlanden, Großbritannien und Deutschland um Spareinlagen. Außer den 30.000 Deutschen warten britische und niederländische Anleger auf eingefrorene Gelder in Höhe von mehreren Milliarden Euro.

Obwohl es am Freitag hieß, eine Einigung zwischen Island und dem IWF sei in Sicht, könnten sich die Fronten wieder verhärten: Islands Ministerpräsident Geir Haarde stellte in Reykjavik klar, seine Regierung wünsche keine "Vermengung" dieser Konflikte mit der Bewilligung der IWF-Kredite.

kfi/dpa



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