Einigung mit Cerberus Daimler trennt sich von Rest-Anteil an Chrysler

DaimlerChrysler ist endgültig Geschichte: Der deutsche Autobauer trennt sich von den letzten 19,9 Prozent, die er noch an der einstigen Tochter hält. In der Nacht gab der Konzern eine Einigung mit allen US-Partnern bekannt - sie wird das Quartalsergebnis um 700 Millionen Dollar belasten.


Stuttgart - Daimler Chart zeigen trennt sich endgültig von seiner ehemaligen US-Tochter Chrysler. Der Autobauer gebe seine Beteiligung von 19,9 Prozent auf und habe in einer Einigung mit dem anderen Anteilseigner Cerberus und der US-Pensionsaufsicht PBGC nun die letzten offenen Punkte geklärt.

Konkret sieht die Einigung einer Ad-hoc-Mitteilung des Konzerns am späten Montagabend zufolge vor, dass

  • Daimler auf die Rückzahlung von Darlehen verzichtet, die Chrysler gewährt wurden;
  • Daimler zum Tag der Vertragsunterzeichnung und in den kommenden beiden Jahren jeweils 200 Millionen Dollar an Pensionszahlungen leisten wird, um die Absicherung von Mitarbeitern der ehemals gemeinsamen Firma zu unterstützen;
  • die Pensionsgarantie von einer Milliarde Dollar gegenüber der PBGC auf 200 Millionen Dollar reduziert wird und bis 2012 läuft.

Die Gegenseite verzichtet laut Daimler vollständig auf mögliche Forderungen aus den üblichen Garantien und Gewährleistungen, die aus dem Verkaufsdeal von 2007 entstehen könnten - damals hatte Daimler eine 80-Prozent-Mehrheit an Chrysler an die Investmentgruppe Cerberus verkauft. Außerdem ziehe Cerberus die 2008 vorgebrachten Vorwürfe zurück, denen zufolge Daimlers Geschäftsführung zwischen Vertragsunterzeichnung und -abschluss nicht ordnungsgemäß war und über den Deal nur unvollständig informiert wurde.

Daimler-Chef Zetsche (Anfang April): Altproblem gelöst
DPA

Daimler-Chef Zetsche (Anfang April): Altproblem gelöst

Die Vereinbarung reduziert den Angaben zufolge das Ergebnis des deutschen Autobauers vor Zinsen und Steuern im zweiten Quartal voraussichtlich um 700 Millionen Dollar. Die Darlehen, auf die Daimler nun offiziell verzichtet, hatte das Unternehmen im Jahresabschluss 2008 bereits vollständig abgeschrieben; der Wert des Aktienpakets wurde auf null herabgesetzt. Die gesamten Abschreibungen auf die restliche Beteiligung an Chrysler hatten laut Konzern mit einem Minus von 3,2 Milliarden Euro zu Buche geschlagen.

Daimler zufolge sollen Daimler und Chrysler künftig ausschließlich eine Kunden-Lieferanten-Beziehung haben, "die auch die weitere, bis Ende September 2009 beschränkte Unterstützung in der Händlerfinanzierung beinhaltet sowie bestimmte Garantien".

Daimler legt schlechte Quartalszahlen vor

Daimler wird an diesem Dienstag vermutlich tiefrote Zahlen für das erste Quartal 2009 vorlegen und ein milliardenschweres Sparpaket verkünden. Für 73.000 Beschäftigte in Deutschland aus Bereichen wie Verwaltung, Vertrieb sowie Forschung und Entwicklung wird die Wochenarbeitszeit laut Insidern um mehrere Stunden verkürzt, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Die Beschäftigten in den deutschen Werken sollen am Vormittag auf außerordentlichen Betriebsversammlungen über das Sparprogramm informiert werden. Im laufenden Jahr will das Unternehmen rund zwei Milliarden Euro Personalkosten einsparen.

Daimler-Chef Dieter Zetsche hatte langfristig auch Entlassungen nicht mehr ausgeschlossen, falls die Krise weiter andauert. Er kündigte ein "deutlich negatives" erstes Quartal an und für 2009 sinkenden Absatz, Umsatz und Gewinn.

Chrysler muss dringend einen Krisenplan vorlegen

Chrysler wiederum steht kurz vor der Insolvenz. Das Unternehmen ist nur dank staatlicher Notkredite im Umfang von vier Milliarden Dollar überlebensfähig. Am Donnerstag muss der angeschlagene Autobauer der US-Regierung einen Sanierungsplan vorlegen, an den Präsident Barack Obama weitere Finanzspritzen geknüpft hat. Chrysler hofft auf zusätzliche Kredite in Höhe von 500 Millionen Dollar - deren Vergabe allerdings an mehrere Bedingungen geknüpft ist.

Einen entscheidenden Fortschritt konnte Chrysler bereits bekanntgeben: Die US-Automobilgewerkschaft UAW hat Einschnitte bei den Löhnen akzeptiert - es fehlt nur noch die Bestätigung durch die Gewerkschaftsmitglieder, die am Mittwoch erfolgen soll. Wie die UAW mitteilte, soll der Tarifvertrag von 2007 modifiziert werden. Demnach würden die aktiven und pensionierten Mitglieder der Gewerkschaft um außergewöhnliche Opfer gebeten, um Chrysler am Leben zu erhalten, sagte UAW-Vizechef General Holiefield.

Die US-Regierung erwartet von Chrysler zudem eine Einigung mit Gläubigern über einen Tausch von Schulden gegen Aktien. Weitere staatliche Kredite wären bei einer Beteiligung des italienischen Autobauers Fiat an dem US-Unternehmen möglich. Im Gespräch ist die Übernahme eines Anteils von 20 Prozent.

plö/Reuters/dpa



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