Einzelhandel Kanzler wirft Karstadt-Management Totalversagen vor

Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) hat die Unternehmensleitung des taumelnden Karstadt-Konzerns als unfähig bezeichnet. Zugleich sicherte er den Beschäftigten Hilfe bei der Abmilderung der sozialen Folgen des Sanierungsplans zu.


Kanzler Schröder: Unfähiges Management, ahnungsloser Aufsichtsrat
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Kanzler Schröder: Unfähiges Management, ahnungsloser Aufsichtsrat

Berlin - Schröder sagte am Donnerstag in Berlin: "Es handelt sich um Managementversagen in seiner krassesten Form." Die Bundesregierung werde alles tun, um soziale Folgen für die Beschäftigten abzufedern, habe allerdings nur begrenzte Eingriffsmöglichkeiten bei der Sanierung des Unternehmens. Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD) betonte, eine Unterstützung mit Steuermitteln komme nicht in Frage.

Die Regierung steht nach eigenen Angaben in Kontakt zum Aufsichtsrat des Konzerns. Mit Blick auf Forderungen der Opposition, Schröder müsse die Rettung von Karstadt zur Chefsache erklären, hieß es in der Regierung aber, man sehe keinen Ansatz, wie der Kanzler sich Erfolg versprechend einschalten könne. Ein Sprecher von KarstadtQuelle Chart zeigen bezeichnete die Gespräche mit der Bundesregierung als konstruktiv.

An der Börse hieß es, man sei irritiert, dass sich die Bundesregierung einmische. Dies geschehe normalerweise kurz vor einer Firmenpleite, was bei Karstadt aber nicht bevorstehe. Der Konzern hat drastische Sanierungen angekündigt, die unter anderem den Verkauf oder die Auslagerung von 77 der 181 Warenhäuser sowie den Verkauf aller 305 Fachgeschäfte vorsehen.

"Komplett unfähig"

Schröder sagte, es sei nicht nachvollziehbar, dass die Karstadt-Quelle-Konzernleitung so lange die Schwachpunkte des Unternehmens nicht erkannt habe. Hier handele es sich offenbar um "Unfähigkeit bis zum Gehtnichtmehr". Ein derartiges Managerversagen dürfe nicht der Politik "vor die Füße gekippt" werden. Das Unternehmen müsse sich aus sich selbst heraus sanieren. Dabei müsse darauf geachtet werden, dass sich die Folgen für die Beschäftigten in Grenzen hielten.

Clement sagte, Hilfen über öffentliche Gelder werde es derzeit nicht geben. "Zunächst einmal ist es Aufgabe des Unternehmens selbst, sich zu helfen." KarstadtQuelle könne aber etwa über die Bundesagentur für Arbeit unterstützt werden, sagte er, ohne Details zu nennen. Der Berliner Senat bot dem Konzern an, bei Nutzungs- oder Planungsänderungen für die Standorte schnell und unbürokratisch zu helfen.



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