Einzige deutsche Exklave Büsingen Deutsche, die niemand versteht

Zwei Postleitzahlen, zwei Telefonzellen und ein Kamelzüchter: Büsingen ist ein Örtchen mit einer ganzen Reihe von Attraktionen. Die einzige Exklave der Bundesrepublik liegt mitten in der Schweiz - SPIEGEL TV hat das außergewöhnliche Dorf besucht.


Hamburg - Sie zahlen nur 1,11 Euro für einen Liter Benzin, aber dafür haben sie mit Identitätsproblemen zu kämpfen: Wenn die Einwohner der einzigen deutschen Exklave Büsingen ins Mutterland fahren, verstehen dort die wenigsten ihren Schweizer Akzent. Und das ist nicht das einzige Problem, mit dem die 1400 Büsinger zu kämpfen haben.

Im Pressburger Frieden von 1805 war der Ort Württemberg zugeschlagen worden, fünf Jahre danach ging Büsingen an das Großherzogtum Baden über. Dabei blieb es. Die Sondersituation führt zu zahlreichen Besonderheiten. Der Ort hat zwei Postleitzahlen - eine für jedes Land - und zwei Telefonzellen: eine für's Schweizer und eine für's deutsche Netz. Die freiwillige Feuerwehr muss immer zwei Hydrantenschlüssel mitnehmen - weil es sowohl eidgenössische als auch deutsche Wasserspender gibt.

Wenn die Büsinger im grenznahen Lidl im Mutterland einkaufen gehen, können sie sich die Mehrwertsteuer erstatten lassen - weil sie die Waren schließlich exportieren. Dafür ist das Steuersystem in Büsingen aber hochkompliziert. Die Einkommensteuer geht nach Deutschland, Abgaben auf Tabak und Benzin fließen an den Schweizer Haushalt.

Doch die Büsinger nehmen ihren Sonderstatus gelassen: "Ich bin universal, ich bin Erdenbürger", antwortet einer auf dem jährlichen Weinfest auf die Frage nach seiner Identität. "Ich fühle mich hier zu Hause." Und beim örtlichen Fußballverein mischt man schweizerische und deutsche Spieltradition. Von den Eidgenossen lerne man bezüglich der technischen Finesse, von den Deutschen schaue man sich das Kämpferische ab, erklärt ein Spieler.

SPIEGEL TV hat den seltsamen Ort besucht - in dem sogar ein Kamelzüchter wohnt. Wenn er mit seinen Tieren nach Deutschland will muss er Gesuche beim Bundesamt für Landwirtschaft und beim Bundesamt für Veterinärwesen einreichen, mehrere Behörden aus Baden-Württemberg um Erlaubnis fragen und auch beim Kantonstierarzt und beim Grenztierart in der Schweiz Genehmigungen einholen, obwohl Büsingen theoretisch zu Deutschland gehört. Für einen Ausritt in die Schweiz hingegen, muss der Mann sich nur in den Sattel schwingen.

Der Beitrag ist am Sonntag, 24. Juni, um 22.20 Uhr im SPIEGEL TV Magazin bei RTL zu sehen.

ase



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