Ende der Welt AG Daimler trennt sich von Chrysler

Aus DaimlerChrysler wird die Daimler AG: Der Autokonzern verkauft die Mehrheit seiner kriselnden US-Sparte zurück nach Amerika. Der Finanzinvestor Cerberus zahlt nur 5,5 Milliarden Euro dafür. Unter dem Strich macht Daimler sogar Miese mit dem Geschäft.


Stuttgart - Eine Ad-hoc-Mitteilung um 10.28 Uhr besiegelte das Ende der Welt AG: Die amerikanische Finanzfirma Cerberus übernimmt 80,1 Prozent der Anteile an Chrysler, Daimler Chart zeigen behält den Rest. Details des Geschäftes sollen auf einer Pressekonferenz um 14 Uhr bekannt gegeben werden.

Logo-Reform: DaimlerChrysler soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Daimler umgetauft werden
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Logo-Reform: DaimlerChrysler soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung in Daimler umgetauft werden

Der Kaufpreis wurde mit 5,5 Milliarden Euro beziffert. Das liegt weit unter der Summe, die der damalige Daimler-Benz-Chef Jürgen Schrempp 1998 für Chrysler bezahlte - seinerzeit flossen 36 Milliarden Dollar.

Nach Angaben des Konzerns bleibt Tom LaSorda CEO der Chrysler Group. Allerdings werde der Manager den Vorstand des Stuttgarter Mutterkonzerns verlassen.

Aus DaimlerChrysler-Kreisen war zu erfahren, dass Daimler unter dem Strich 500 Millionen Euro bei dem Geschäft verliere. Die Kaufsumme sei genutzt worden, um Chrysler mit mehr Eigenkapital auszustatten. Trotzdem sei der Preis "ordentlich", hieß es aus den Kreisen.

Tatsächlich hat sich Daimler von einer großen Last befreit: Die milliardenschweren Verpflichtungen für Pensionen und Gesundheitsfürsorge bleiben bei Chrysler. Diese werden mit rund 17 Milliarden Dollar bewertet.

Ron Gettelfinger, Präsident der amerikanischen Automobilarbeiter-Gewerkschaft UAW erklärte, die Transaktion mit Cerberus werde den Interessen der Gewerkschaft gerecht. "Wir sind froh, dass die Entscheidung gefallen ist. Denn nun können sich unsere Mitglieder und das Management wieder voll auf die Entwicklung und Fertigung von Qualitätsprodukten für die Zukunft der Chrysler Group konzentrieren", sagte er.

Auch im Namen wird das Ende einer Ära deutlich gemacht: Der Autokonzern soll künftig Daimler AG heißen. Eine außerordentliche Hauptversammlung solle die Änderung des Namens beschließen. Die technische Zusammenarbeit zwischen Daimler und Chrysler solle fortgesetzt werden, hieß es aus den Kreisen - "da, wo es sinnvoll" sei.

Konzernchef Dieter Zetsche erklärte: "Wir sind davon überzeugt, eine Lösung gefunden zu haben, die insgesamt den größten Wert schafft - für Daimler und für Chrysler. Mit dieser Transaktion haben wir die Voraussetzungen für einen neuen Start für Chrysler und für Daimler geschaffen." Der Abschluss der Transaktion sei im dritten Quartal zu erwarten, hieß es weiter.

Aktie mit Freudensprung

Der DaimlerChrysler-Gesamtbetriebsrat hat keine Einwände gegen den Verkauf. "Die Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat begrüßen die Entscheidung des Unternehmens, die Zukunft von Chrysler zügig zu regeln", hieß es in einer Mitteilung. Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm sagte: "Bei der Bewertung der Entscheidung war uns das Urteil unserer amerikanischen Freunde besonders wichtig."

Die Aktie von DaimlerChrysler hat mit einem Kurssprung auf die Nachricht reagiert. An der Frankfurter Börse legte sie nach Bekanntgabe der Trennung um gut fünf Prozent zu und notierte um elf Uhr Uhr bei 63,68 Euro.

Der Cerberus-Chairman John Snow, früher erfolgloser Finanzminister unter George W. Bush, erklärte: "Cerberus glaubt an die Kraft der verarbeitenden Industrie der USA und an die US-Autoindustrie." Es ist das erste Mal, dass ein Finanzinvestor einen US-Autokonzern übernimmt.

Cerberus ist nach einem Untier aus der griechischen Mythologie benannt. Bei Homer heißt es in der "Odyssee": "Auch den Cerberos sah ich, mit bissigen Zähnen bewaffnet / Böse rollt er die Augen, den Schlund des Hades bewachend." Der Höllenhund verhindert in dieser Darstellung, dass sich die Toten wieder ins Reich der Lebenden zurück schleppen.

itz/Reuters/dpa-AFX/AP

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