Ende des Abschwungs in Sicht Ökonomen verbreiten Optimismus

Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal abgestürzt - doch nun soll sich die Lage stabilisieren. Ökonomen sehen positive Signale, ab dem Sommer könnte es beim Wachstum eine schwarze Null geben. Ein echter Aufschwung ist aber noch lange nicht in Sicht.


Berlin - Es ist ein Rekordeinbruch: Die deutsche Wirtschaft ist im ersten Quartal verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 6,7 Prozent geschrumpft - so stark wie in keinem anderen großen europäischen Land. Trotzdem sind Ökonomen verhältnismäßig optimistisch: Sie gehen davon aus, dass die Rezession ihren Höhepunkt erreicht hat. "Das Schlimmste liegt hinter uns", sagte Norbert Walter, Chefvolkswirt der Deutschen Bank. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir noch einmal einen so starken Rückgang sehen werden."

Maschinenbau (bei Siemens): Am Jahresende leichtes Wachstum?
AP

Maschinenbau (bei Siemens): Am Jahresende leichtes Wachstum?

Im Vergleich zum Vorquartal war das Bruttoinlandsprodukt von Januar bis März um 3,8 Prozent gesunken und damit stärker als erwartet. Walter rechnet nun für das laufende Frühjahrsquartal erneut mit einem Minus - allerdings nur noch von 1,0 bis 1,5 Prozent. Ab dem Sommer könne dann eine Stagnation folgen - also kein Wachstum, aber auch kein weiteres Schrumpfen.

"Am Jahresende ist dann etwas Wachstum in Sicht", sagte der Ökonom. Grund dafür seien die weltweiten Konjunkturprogramme. Eine Trendwende signalisiere das aber nicht. "Ich sehe noch keinen Aufschwung", sagte Walter. Das sei erst dann der Fall, wenn die Unternehmen ihre Kapazitätsauslastung erhöhten und wieder mehr investierten. Damit sei aber bis weit in das kommende Jahr hinein nicht zu rechnen.

Für das Gesamtjahr 2009 erwartet der Experte einen Rückgang der Wirtschaftsleistung von fünf Prozent. Damit bekräftigte er seine Prognose von vergangenem November. Die Bundesregierung ist inzwischen noch pessimistischer und rechnet mit einem Minus von sechs Prozent. Für 2010 sagt Walter Stagnation voraus: "Es wird eine schwarze Null geben".

Bruttoinlandsprodukt in Deutschland

Veränderung gegenüber Vorjahresquartal in Prozent * Veränderung gegenüber Vorquartal in Prozent **
2. Quartal 2007 2,5 0,4
3. Quartal 2007 2,4 0,6
4. Quartal 2007 1,6 0,3
1. Quartal 2008 2,1 1,5
2. Quartal 2008 3,4 -0,5
3. Quartal 2008 1,4 -0,5
4. Quartal 2008 -1,7 -2,2
1. Quartal 2009 -6,7 -3,8

* preisbereinigt
** kalender-, preis- und saisonbereinigt
Quelle: Statistisches Bundesamt

Die Bundesregierung hielt sich zu den aktuellen Quartalszahlen bedeckt. Man wolle die Daten "nicht überinterpretieren", sagte Vizeregierungssprecher Thomas Steg. "Wir warten den weiteren Verlauf ab." Vieles deute darauf hin, dass das erste Quartal das schwierigste in diesem Jahr sei. Es gebe "erfreuliche Hinweise", dass es im Laufe des Jahres zu einer Stabilisierung kommen werde.

Auch der Chef des Internationalen Währungsfonds (IWF), Dominique Strauss-Kahn, hält die Talsohle der weltweiten Rezession für erreicht. "Das Schlimmste der Wirtschaftskrise ist wahrscheinlich überstanden", sagte er in Wien. Die Wirtschaftserholung hänge allerdings von vielen Faktoren ab, und der Aufschwung werde wohl noch ein Jahr auf sich warten lassen.

Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) zeigte sich ebenfalls zuversichtlich. "Erste Signale in der wirtschaftlichen Entwicklung lassen hoffen, dass im Sommer eine Bodenbildung der Abwärtsentwicklung erreicht wird, und zwar weltweit", sagte BGA-Präsident Anton Börner.

Ähnlich zuversichtlich äußerten sich auch Bankenvolkswirte. ING-Volkswirt Carsten Brzeski sagte, dass nun das Schlimmste vorbei sei. Die Vertrauensindikatoren in Deutschland stiegen, die Auftragseingänge und die Exporte ebenso, und die Produktion habe sich stabilisiert. "Der freie Fall der deutschen Volkswirtschaft scheint zu Ende." Unicredit-Volkswirt Alexander Koch geht ebenfalls davon aus, dass das erste Quartal 2009 den Tiefpunkt der "Großen Rezession" dargestellt habe.

Bruttoinlandsprodukt im ersten Quartal 2009

Veränderung gegenüber Vorjahresquartal in Prozent Veränderung gegenüber Vorquartal in Prozent
Frankreich k.A. -1,2
Spanien -2,9 -1,8
Italien -5,9 -2,4
Niederlande -4,5 -2,8
Deutschland -6,7 -3,8
Eurozone -4,6 -2,5

Quelle: Statistikämter der Staaten

wal/Reuters/dpa/ddp/AFP



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