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Energie-Streit: Gasprom stellt Gaslieferungen an Ukraine komplett ein

Der russischen Staatskonzern Gasprom hat seine Drohungen wahr gemacht: Am Neujahrsmorgen ist die Belieferung der Ukraine eingestellt worden. Die Versorgung von Deutschland und anderen EU- Ländern ist vorerst nicht gefährdet.

Moskau/Kiew - Im Energiestreit mit der Ukraine hat Russland am Neujahrsmorgen seine Gaslieferungen in das Nachbarland nach eigenen Angaben gestoppt. Es gebe keine Grundlage für eine Lieferung, nachdem die Verträge ausgelaufen seien, sagte ein Konzern-Sprecher zur Begründung. Zuvor hatte die Agentur Itar-Tass unter Berufung auf Gasprom-Transgas-Moskwa gemeldet, die Lieferungen seien nur um drei Viertel des bisherigen Umfangs reduziert worden.

Verteilerstelle nahe Kiew: EU als Vermittler gefordert
AP

Verteilerstelle nahe Kiew: EU als Vermittler gefordert

Der Konzern pumpte weiter Gas über die ukrainischen Leitungen nach Westeuropa. Diese Lieferungen seien von der auseinandersetzung aber nicht betroffen, versicherte ein Gasprom-Sprecher.

Gasprom-Chef Alexej Miller hatte zuvor in Moskau erklärt, beide Seiten hätten sich nicht über die Rückzahlung ukrainischer Schulden und Details eines neuen Liefervertrags einigen können.

Der Streit wird in Brüssel mit großer Aufmerksamkeit verfolgt. Europa bezieht etwa ein Fünftel seines Gases über die Pipeline in der Ukraine. Vor drei Jahren war bei einem ähnlichen Streit zwischen Russland und der Ukraine zeitweise weniger Gas nach Deutschland gelangt. Die ukrainische Ministerpräsidentin Julia Timoschenko versicherte dem EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso in einem Telefonat jedoch, es werde trotz ihres Streits mit Russland keine Unterbrechung der Erdgaslieferungen nach Europa geben. Wie der ukrainische Beauftragte für Fragen der Energiesicherheit, Bogdan Sokolowski, laut der Agentur Interfax am Neujahrsmorgen in Kiew mitteilte, bittet Kiew die EU in der Sache um Vermittlung.

Zuvor hatte jedoch nach Angaben von Gasprom das ukrainische Unternehmen Naftogas mit der Beschlagnahme des Transit-Gases gedroht. Experten wiesen darauf hin, dass die Energieversorgung wegen der gefüllten Speicher zunächst überall gesichert sei. Durch die Verbindung werden etwa achtzig Prozent des russischen Gases für Westeuropa geleitet. Deshalb baut Russland derzeit auch eine weitere Pipeline durch die Ostsee unter Umgehung der Ukraine und anderer osteuropäischer Länder.

In dem vielschichtigen Streit ging es zuletzt um eine Einigung auf neue Gaspreise. Gasprom will den Preis für die Ukraine von zuletzt etwa 180 Dollar pro 1000 Kubikmeter auf 250 Dollar erhöhen. Damit müsste die ehemalige Sowjetrepublik für das russische Gas immer noch nur etwa halb so viel zahlen wie andere europäische Kunden. Trotzdem lehnt die Ukraine die Erhöhung ab. Die Regierung in Kiew will nach Angaben der russischen Agentur Interfax höchstens 201 Dollar pro 1000 Kubikmeter Gas zahlen.

Neben dem Gaspreis streiten beide Seiten auch über die Gebühren, die Russland an die Ukraine für die Durchleitung des Brennstoffs nach Westeuropa zahlt. Russland will die Transitgebühr bei 1,70 Dollar (pro 1000 Kubikmeter) belassen, während die Ukraine eine Erhöhung auf mindestens zwei Dollar anstrebt.

mik/Reuters/dpa

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