Energie Weiter sinkender Ölpreis alarmiert Opec

Der Ölpreis sinkt weiter - zum Jahresende unter 39 Dollar pro Barrel und damit 110 Dollar weniger als noch im Juli. Die Opec-Länder sind besorgt, Saudi-Arabien will offenbar die Förderung noch stärker drosseln als geplant. Experten rechnen jedoch langfristig mit erneuten extremen Preisanstiegen.


Hamburg - Am letzten Tag des Jahres ist der Ölpreis noch einmal gefallen: Ein Barrel (159 Liter) kostete am Mittwoch im Computerhandel 38,33 Dollar - das war ein Rückgang um 70 Cent. Damit kostet ein Barrel fast 110 Dollar weniger als zum Hochstand am 11. Juli, als 147,27 Dollar abgerechnet wurden. Ursache des Preisverfalls ist der weltweite Wirtschaftseinbruch, der die Ölnachfrage innerhalb weniger Monate abreißen ließ.

Ölbohrung (in China): Schwache Nachfrage wegen Wirtschaftskrise
DPA

Ölbohrung (in China): Schwache Nachfrage wegen Wirtschaftskrise

Zurzeit stützen offenbar noch die Sorgen im Zusammenhang mit dem Konflikt zwischen Israel und der Hamas in Gaza die Ölpreise: Vor Ausbruch der Kämpfe war der Ölpreis sogar zeitweise auf 33,87 Dollar eingebrochen.

Im Jahr 2009 wird sich herausstellen, ob die angekündigte massive Förderkürzung des Ölkartells Opec von insgesamt 4,2 Millionen Barrel pro Tag eine Preiswende nach oben erzwingen kann. Saudi-Arabien könnte seine Produktion sogar stärker als innerhalb der Opec vereinbart senken. Im Februar sei eine deutliche Drosselung zu erwarten, heißt es aus Marktkreisen. "Der Grund ist der Preis. Die Saudis wollen ihn höher", sagte ein Großabnehmer.

Angesichts des anhaltenden Preisrutsches hatte der weltgrößte Öl-Exporteur seine Produktion im Dezember bereits auf 8,2 Millionen Fass pro Tag gekürzt. Im August hatte das Land seine Förderung noch auf 9,7 Millionen Barrel pro Tag gesteigert, um den damaligen Anstieg des Ölpreises zu bremsen.

Experten rechnen damit, dass die bisher beschlossene Drosselung der Ölproduktion kaum Auswirkungen auf den Preis haben wird, wenn eine weitere Schwäche der Wirtschaft die Ölnachfrage weiter dämpft und die Preise unter Druck setzt. Viele Experten sind jedoch überzeugt, dass die niedrigen Preise langfristig zu einer neuen Ölkrise mit extremen Preisanstiegen führen würden: Bei den gegenwärtigen Preisen sind teure neue Ölprojekte wie die Suche in der Tiefsee nicht zu finanzieren. Wenn die Nachfrage in einem oder zwei Jahren wieder anzieht, würden diese neuen Quellen nicht zur Verfügung stehen.

Die Menschen in Deutschland können sich zurzeit aber über die niedrigen Preise freuen: Zum ersten Mal seit fast vier Jahren kostet ein Liter Diesel diese Woche weniger als einen Euro. Nach Angaben des Mineralölkonzerns Shell lag der Preis bei 0,997 Euro pro Liter. Der ADAC nannte sogar 0,987 Euro pro Liter. So niedrige Preise gab es zuletzt im März 2005, wie der Fachdienst EID mitteilte. Ein Liter Superbenzin kostete zwischen 1,05 und 1,06 Euro, der tiefste Stand seit genau fünf Jahren. Der Preis für Heizöl ist zum Jahreswechsel auf den tiefsten Stand seit Juni 2005 gefallen. Ein Liter kostet derzeit rund 52 Cent.

kaz/AP/Reuters



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