Energiekonzerne E.on-Manager Villis wird neuer EnBW-Chef

Die Führungskrise beim Energiekonzern EnBW ist beigelegt: Nachfolger für Vorstandschef Utz Claassen wird der E.on-Manager Hans-Peter Villis. Darauf haben sich die Großaktionäre verständigt.


Stuttgart/Karlsruhe - Der 49-jährige Hans-Peter Villis ist derzeit Finanzvorstand bei E.on Nordic in Schweden. Er soll nun die Nachfolge von Utz Claassen an der Spitze von EnBW Chart zeigen antreten. Dies teilte das Unternehmen im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung in Stuttgart mit. Villis werde sein neues Amt zum 1. Mai 2008 antreten.

EnBW-Kraftwerk Neckarwestheim: Großteil des Stroms aus Kernenergie
REUTERS

EnBW-Kraftwerk Neckarwestheim: Großteil des Stroms aus Kernenergie

Der 44-jährige Claassen hatte vor gut zwei Wochen überraschend seinen Vertrag nicht verlängert. Sein Rückzug soll nach Presseberichten auf Reibereien mit den beiden Mehrheitseigentümern des baden-württembergischen Energiekonzerns zurückgehen. Großaktionäre sind der französische Stromriese Electricité de France (EdF) und der schwäbische Kommunalverbund OEW. Claassen selbst hatte "persönliche, strukturelle und familiäre Gründe" für sein Ausscheiden aus dem Amt genannt. Berichte über Differenzen mit den Aktionären wies er stets zurück.

EnBW (Energie Baden-Württemberg) ist mit rund sechs Millionen Kunden nach E.on Chart zeigen und RWE Chart zeigen der drittgrößte deutsche Energiekonzern. Im vergangenen Jahr erwirtschaftete das Unternehmen mit seinen 21.000 Mitarbeitern einen Umsatz von mehr als 13 Milliarden Euro. Claassen hatte den Konzern, der seinen Strom vor allem aus Kernkraft produziert, radikal saniert und auf Erfolgskurs getrimmt. Unter anderem dank der hohen Energiepreise ist der Wert des Unternehmens während seiner Amtszeit stark gestiegen. Kritiker merken allerdings an, dass Claassen, der zum engeren Freundeskreis von Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) gehört, nur die Früchte der Arbeit seines Vorgängers Gerhard Goll geerntet habe.

Einfluss der Franzosen

Über Villis als Nachfolger an der Konzernspitze war bereits in den vergangenen Tagen spekuliert worden. In der Öffentlichkeit ist der Manager trotzdem kaum bekannt. Die Sparte Nordic, für die Villis bisher tätig war, zählt im E.on-Konzern mit rund 5700 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von zuletzt 3,2 Milliarden Euro zu den kleineren Gesellschaften. Presseberichten zufolge war Villis der Wunschkandidat der französischen Anteilseigner.

Laut "Stuttgarter Nachrichten" könnte der Manager sogar erheblich früher als geplant die Leitung bei EnBW übernehmen. Als schnellstmögliches Wechseldatum zwischen Villis und seinem Noch-Arbeitgeber E.on sei der 1. Oktober vereinbart worden, berichtet die Zeitung unter Berufung auf Mitglieder des Aufsichtsrates. Der offiziell genannte Wechseltermin am 1. Mai 2008 hat dem Bericht zufolge "ausschließlich formale Gründe".

Villis Stellvertreter bei EnBW wird Pierre Lederer, der sein Amt offiziell schon zum 1. Oktober antreten soll. Der Franzose wird ebenfalls dem Einflussbereich des Großaktionärs EdF zugerechnet. Zudem berief der Aufsichtsrat Bernhard Beck und Christian Holzherr in den Vorstand.

"Mit diesen Entscheidungen hat der Aufsichtsrat wichtige personalpolitische Weichen für die kraftvolle Weiterentwicklung des Unternehmens gestellt", erklärte Claus Dieter Hoffmann, der Vorsitzende des Aufsichtsrats. "Mit Hans-Peter Villis konnte eine kompetente und erfahrene Persönlichkeit mit bester Branchenkenntnis für den Vorstandsvorsitz gewonnen werden."

Mit der Ernennung von Villis geht ein längerer Machtpoker um den Chefposten zu Ende. Bei der Suche nach einem neuen Vorsitzenden für EnBW hatten sich die beiden Großaktionäre EdF und OEW gegenüber gestanden. Beide sind mit jeweils 45,01 Prozent an dem Energiekonzern beteiligt.

wal/dpa/ddp



© SPIEGEL ONLINE 2007
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.