Energiekosten Wirtschaft warnt vor Gefahren durch Ölpreis-Höhenflug

Der Ölpreis kennt keinen Halten mehr. Rund 135 Dollar kostete heute früh ein Fass an den asiatischen Märkten. Die US-Notenbank korrigierte ihre Wachstumsprognose drastisch nach unten und auch die deutsche Industrie warnt vor Gefahren für die Wirtschaft.


Hamburg - Die Rekordjagd des Ölpreises wird nach Ansicht der deutschen Industrie zunehmend zu einer Gefahr für das Wirtschaftswachstum in Deutschland. Zwar seien die Auftragsbücher noch gut gefüllt, sagte der Konjunkturexperte des Bundesverbandes der deutschen Industrie (BDI), Matthias Krämer, der "Berliner Zeitung". Auch die Produktion sei für die nächsten Monate gesichert. "Es ist jedoch die Gemengelage von steigenden Ölpreisen, starkem Euro, nachlassender US-Konjunktur und Finanzkrise, die den Unternehmen zunehmend zu schaffen macht", sagte er.

Bohrinseln (in Kalifornien): Ölpreis klettert weiter
Getty Images

Bohrinseln (in Kalifornien): Ölpreis klettert weiter

Darüber hinaus belasteten steigende Ölpreise den Konsum. In Deutschland mussten Autofahrer am Mittwoch für Diesel erstmals so viel bezahlen wie für Superbenzin. Beide Produkte lagen im Bundesschnitt bei etwa 1,52 Euro je Liter. Der Ölpreis war erstmals über die Schwelle von 133 Dollar pro Barrel (159 Liter) gesprungen. Im nachbörslichen Handel in New York stieg der Preis sogar auf über 134 Dollar.

Am heutigen Donnerstag setzte sich dieser Trend fort: Der Preis für ein Barrel Öl kletterte in Asien erstmals über 135 Dollar. Im morgendlichen Handel wurde das Fass Light Sweet Crude zeitweilig mit 135,04 Dollar notiert, bevor es wieder auf 134,87 Dollar zurückfiel.

Als Grund für den anhaltenden Preisanstieg nannten Experten unter anderem die steigende Nachfrage und daraus resultierende Versorgungsängste. Die US-Regierung hatte am Mittwoch zudem mitgeteilt, dass die Vorräte an Rohöl und Benzin in der vergangenen Woche unerwartet gesunken seien. Nach Angaben des US-Energieministeriums sind die Vorräte an Rohöl in der größten Volkswirtschaft der Welt um 5,4 Millionen Barrel auf 320,4 Millionen Barrel gesunken.

Der überraschende Rückgang der Lagerbestände an Rohöl in den USA habe die Rekordjagd an den Märkten noch einmal beschleunigt, hieß es von Händlern. Auch wenn die Weltwirtschaft nach wie vor gut mit Rohöl versorgt werde, habe sich die Sorge vor künftigen Engpässen verstärkt, sagte der Rohstoffexperte Victor Shum vom Beratungshaus Purvin und Gertz in Singapur.

Öl ist derzeit etwa doppelt so teuer wie vor einem Jahr - und rund fünfmal so teuer wie im Jahr 2002.

Die US-Notenbank korrigierte angesichts der steigenden Energiekosten ihre Wachstumsprognose für die US-Wirtschaft nach unten. Wie aus einem Protokoll des Geldmarktausschusses der Federal Reserve hervorgeht, wird nunmehr mit einem Wachstum von zwischen 0,3 und 1,2 Prozent in diesem Jahr gerechnet. Zuvor hatte die Spanne der Wachstumserwartungen zwischen 1,3 und 2,0 Prozent gelegen.

Die Grünen schlagen wegen der neuen Rekordmarken bei den Preisen für Rohöl und Kraftstoff Alarm. Die Bundestagsfraktion der Grünen fordert einen Krisengipfel der internationalen Gemeinschaft. Durch die drohenden Versorgungsengpässe aufgrund der weltweit rückläufigen verfügbaren Ölmengen sei dringender Handlungsbedarf gegeben, sagte die stellvertretende Fraktionsvorsitzende Bärbel Höhn der "Bild"-Zeitung.

"Das Problem lässt sich nur international lösen", sagte sie. "Wir brauchen einen Gipfel, um gemeinsam die Nachfrage zu senken und die Spekulation in den Griff zu bekommen." Rund ein Drittel des Ölpreises gehe auf Spekulanten zurück, die die Nachfrage künstlich nach oben trieben, meinte Höhn. Ein weiteres Ziel einer konzertierten Aktion müsse es sein, unabhängiger von fossilen Rohstoffen zu werden. "Die Welt muss durch sparsamere Technik und erneuerbare Energien endlich von der Droge Öl loskommen", sagte die Grünen-Politikerin.

Weltweite Ölreserven *

Annahme der Industriedatenbank Studie der Energy Watch Group
OECD 97 112
Russland u.a. 191 154
China 26 27
Südostasien 30 22
Lateinamerika 129 53
Naher Osten 679 362
Afrika 105 125
Welt 1255 854

* in Milliarden Barrel

kaz/AP/ddp/dpa-AFX/AFP



© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.