Energiekrise Glos lässt Prämie für Stromsparer prüfen

Belohnung fürs Energiesparen, Sozialtarife aus Gewinnen von Atomstrom: Wirtschaftsminister Michael Glos lässt nach SPIEGEL-Informationen von Fachleuten seines Hauses und externen Experten Maßnahmen erarbeiten, um die Folgen steigender Energiepreise zu lindern.


Hamburg - Auf dem Prüfstand dieser "Projektgruppe Energiepolitisches Programm" (PEPP) steht zum Beispiel eine staatliche Prämie für Energiesparer. Weist ein Haushalt nach, dass seine Stromrechnung im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist, soll er zusätzlich zur eigenen Ersparnis eine Belohnung vom Staat bekommen. Finanziert werden könnte die Prämie aus den Erlösen, die der Staat durch den Verkauf und die künftige Versteigerung von Kohlendioxid-Zertifikaten erzielt.

Solarkraftwerk in Brand-Erbisdorf bei Freiberg: Die Bundesregierung will die steigenden Energiepreise mit einem Prämiensystem oder Sozialtarifen kontern
DPA

Solarkraftwerk in Brand-Erbisdorf bei Freiberg: Die Bundesregierung will die steigenden Energiepreise mit einem Prämiensystem oder Sozialtarifen kontern

Eine andere Idee verknüpft verlängerte Laufzeiten für Atomkraftwerke mit billigeren Tarifen für Niedrigverdiener. Wenn die Stromkonzerne ihre Atomkraftwerke länger am Netz behalten dürfen, sollen sie mit den zusätzlich anfallenden Gewinnen Sozialtarife finanzieren. Die PEPP soll Anfang September ihre Vorschläge präsentieren.

Der Anstieg der Ölpreise hat die Bundesbürger seit Jahresbeginn knapp 25 Milliarden Euro gekostet. Das hat das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) im Auftrag des SPIEGEL berechnet. Sollte der Ölpreis im Jahresverlauf auf 200 Dollar steigen, würden die Bundesbürger der Analyse zufolge weitere 35 Milliarden Euro an Kaufkraft einbüßen.

Den bundesdeutschen Durchschnittshaushalt hat der Ölpreisanstieg damit seit Jahresbeginn rund 650 Euro gekostet, wie aus der Berechnung hervorgeht. Steigt der Preis auf 200 Dollar, beliefen sich die Einbußen an Kaufkraft sogar auf mehr als 1500 Euro.

Den Berechnungen des RWI zufolge belastet die Preisentwicklung insbesondere Geringverdiener sowie Familien mit Kindern. So ist der Einkommensanteil, den niedrig verdienende Vier-Personen-Haushalte für Benzin, Heizöl, Gas und Strom aufwenden, seit Jahresbeginn von gut 14 Prozent auf 18 Prozent gestiegen. Klettert der Ölpreis auf 200 Dollar, müssten diese Familien den RWI-Berechnungen zufolge sogar fast ein Viertel ihres Einkommens für Energie ausgeben. Für gutverdienende Singles würde sich der Energiekostenanteil dagegen lediglich von derzeit 4,8 Prozent auf 6,3 Prozent erhöhen.

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